Raidt schreibt Botschaften aus der Missionarsstellung

Neue theologische Perspektiven Foto:  
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In Stuttgart hat die Hölle einen neuen Namen bekommen – sie heißt hier Tiefbahnhof. Rechtzeitig vor dem Kirchentag wenden sich die Parkschützer deshalb mit einer frohen Botschaft ans Volk: „Jesus würde oben bleiben.“

Leben: Erik Raidt (era)
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Stuttgart - Die Parkschützer haben in ihrer Bibel einen neuen Psalm entdeckt: „Jesus würde oben bleiben.“ Der Sinnspruch soll in tausendfacher Vervielfältigung als Aufkleber anlässlich des Kirchentags verteilt werden. Wer in die Materie nicht eingeweiht ist, wundert sich vielleicht über die Aktion: Als Christ geht man automatisch davon aus, dass Jesus oben bleibt. Die Parkschützer legen darüber hinaus nahe, dass Jesus auch einen Tiefbahnhof ablehnen würde. Die Angelegenheit mit dem Stationsneubau wäre damit eine religionswissenschaftliche Frage.

Der Aufkleber verdeutlicht, dass das Phänomen Stuttgart 21 bisher theologisch gesehen völlig unzureichend aufgearbeitet wurde. Auch nicht in der Mahnwache, der Missionarsstellung vor dem Hauptbahnhof. Festzuhalten bleibt, dass es mehrere Fälle von gefallenen Engeln gibt, die erst dunkelgrüne Glaubenssätze verkündeten, um dann, verführt von der Macht, ins Reich der Finsternis hinabzustürzen.

Der Untergrund stinkt nach Schwefel

In Stuttgart hat die Hölle einen neuen Namen bekommen, sie heißt dort Tiefbahnhof. Während des Evangelischen Kirchentags soll es zu einem Kreuzzug gegen das Böse kommen, die Gegner des Tiefbahnhofs planen eine Großdemo unter dem Motto: „Kann denn Bahnhof Sünde sein. . .“ Leider haben die Organisatoren am Satzende das Fragezeichen vergessen. Aber Fragezeichen werden überschätzt, sie sind nur Krücken für diejenigen, die die Wahrheit noch nicht kennen.

Ja, ein Bahnhof kann Sünde sein. Alles, was in Stuttgart in den Untergrund führt, stinkt nach Schwefel. Deshalb verkriechen sich die Mineure unter dem Mantel der Heiligen Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute soll ihnen den sicheren Weg weisen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass es sich bei ihnen um unterirdische Heerscharen handelt, die nach Ansicht der Bahnhofs-Gegner niemals Erleuchtung finden werden. In den Tunnel dringt höchstens ein seitlicher Lichtstrahl ein – anders verhält es sich beispielsweise beim Kirchentags-Gräbele, das lediglich eine Vertiefung darstellt: Nur in seltenen Fällen öffnet sich zwischen zwei Matratzen ein Schlund, der den Schlafenden in den Abgrund fallen lässt.

Von einem „Tünnele“ würde in der Grabungsstadt Stuttgart übrigens niemand sprechen, denn wo die Sünde haust, da haben Koseworte keinen Platz. Aber Glaubensgrundsätze: 1. Du sollst keinen Baum fällen. 2. Du sollst kein Bahnchef sein. 3. Du sollst keinen Bahnhof haben, außer den Kopfbahnhof. Denn „Jesus würde oben bleiben“.

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