Raidt schreibt Liebes Rotlichtviertel!

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Will Fritz Kuhn in Stuttgart wirklich eine neue geile Meile? StZ-Kolumnist Erik Raidt schreibt über Erotik und die Politik.

Fritz Kuhn hat keineswegs ein Herz fürs  Rotlicht. Foto: dpa
Fritz Kuhn hat keineswegs ein Herz fürs Rotlicht. Foto: dpa

Stuttgart - Manches Frühlingserwachen ist lebensgefährlich: In diesem harten Spätwinter fallen Zugvögel, die sich bereits im Paarungsmodus befinden, halb vereist von den Ästen. Und im Rotlichtviertel riskieren die Freier bei nicht ordnungsgemäß verschlossenen Hosenläden Erfrierungen, die sich hinterher nur schwer zu Hause erklären lassen. Den Notstand im Rotlichtviertel hat Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn nun zur Chefsache gemacht – allerdings sieht er sich weniger in der Rolle des ambulanten Ersthelfers. Der OB will die illegale Armutsprostitution bekämpfen.

Bei der mündlichen Übermittlung seiner Pläne muss aber etwas schief gelaufen sein. Anders ist es kaum zu erklären, dass eine Zeitung, die sich gerne in Feuchtgebieten bewegt, anderntags schlagzeilte: „Wie auf der Reeperbahn! OB Kuhn plant ein neues Rotlichtviertel. Stuttgart soll eine geile Meile bekommen.“ Als Fritz Kuhn die Schlagzeile las, soll er das entzückte Lächeln eines Reißwolfs aufgesetzt haben. Anschließend bebte die Erde, und Kuhn sah sich veranlasst, mit einer Pressemitteilung zu reagieren: Er plane keineswegs ein Stuttgarter Reeperbähnle.

Nächster Halt: Sackbahnhof!

Erotik und Politik ergeben ein komisches Gebräu. Wir präzisieren die Stellungen von Fritz Kuhn zu diesem Thema: 1. Er wird nicht Puffpapa im Leonhardsviertel. 2. Er plant kein kommunales Kino, in dem „Lass jucken Kumpel“ läuft. 3. Kuhn betreibt keine Hinternzimmerpolitik.

Dabei kann eine erotische Grundnote in der Politikvermarktung eine feine Sache sein. Das haben ein paar verirrte Einzelkämpfer unter den Stuttgart 21-Befürwortern früh begriffen, als sie seinerzeit bei einer Veranstaltung ein T-Shirt entwarfen und darauf kämpferisch forderten: „Tu’ ihn unten rein! Stuttgart 21.“ Dieser politische Alleingang lief unter dem Motto: „Dumm dichtet schlecht.“ Vielleicht könnte künftig der Tazzelwurm vom Killesberg, auch auf der „geilen Meile“ durch die Altstadt verkehren. Fritz Kuhn könnte dann auf dem Leonhardsbähnle den Lokführer geben. Man ahnt schon, was er rufen würde: „Nächster Halt – Sackbahnhof!“

Viele Grüße, Erik Raidt



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