Raketenangriff auf Kabul Mehrere Tote bei Besuch von US-Außenminister

Von red/dpa 

Nato-Chef, US-Verteidigungsminister, afghanischer Präsident - es ist eine prominenten Gruppe, die in Kabul öffentlich den nun wieder größeren internationalen Militäreinsatz im Land erklären will. Eine Schau der Stärke soll es sein. Aber draußen fliegen Raketen.

Nato-Chef Jens Stoltenberg, Afghanistans Präsident Ashraf Ghani und US-Außenminister James Mattis. Foto: AFP
Nato-Chef Jens Stoltenberg, Afghanistans Präsident Ashraf Ghani und US-Außenminister James Mattis. Foto: AFP

Kabul - Bei einer Serie von Raketeneinschlägen während des Überraschungsbesuchs von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und US-Verteidigungsminister James Mattis in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens fünf Menschen getötet und elf verletzt worden. Das bestätigten am Mittwochabend mehrere Regierungssprecher. Stoltenberg und Mattis waren nicht in der Nähe des Anschlags.

Die Besucher waren am Morgen in Kabul eingetroffen. Nur wenige Stunden später flogen am und nahe dem Flughafen von Kabul Raketen und Mörsergeschosse. Afghanische Regierungssprecher sprachen von drei oder sechs Raketen. Sie sind bekannt dafür, Schadensberichte nach Angriffen von Extremisten kleinzuhalten. Reporter des Senders Tolo TV berichteten wiederum von 20 bis 30 Raketen.

Der US-Blog „The Hill“ meldete unter Berufung auf afghanische Quellen Schäden an Luftwaffen-Hangars und einem Helikopter. Der Sprecher des Verteidigungsministers wies das zurück. Die „New York Times“ berichtete, Geschosse seien auch in einem US-Waffendepot eingeschlagen. Das habe zu Folgeexplosionen geführt.

Taliban und IS bekennen sich

Sowohl die Taliban als auch der Islamische Staat (IS) bekannten sich zu dem Anschlag. Ziel sei das Flugzeug von Mattis gewesen, twitterte ein Talibansprecher. Der IS ließ über sein Sprachrohr Amak verlauten, Kämpfer hätten den militärischen Teil des Flughafens angegriffen, darunter „mehrere Flugzeuge“ (in der arabischen Version hieß es: „einen US-Jet“). Ob Flugzeuge, besonders die der Besucher, beschädigt wurden, ließ sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.

Einige oder alle der Geschosse waren offenbar von vier Angreifern aus einem Privathaus im Viertel Paktia Kot nahe dem Flughafen abgefeuert worden. Sicherheitskräfte belagerten das Haus von Mittag an. Erst um 18.15 Uhr (Ortszeit) habe die Operation mit dem Tod der Männer geendet, bestätigte der Sprecher der Kriminalpolizei der Stadt, Mohammad Salim Almas. „Wir mussten zwei Luftangriffe mit einer Drohne verüben, weil die Angreifer ein Geschütz benutzt haben, das immer weiter Granaten abgefeuert hat“, sagte Almas.

Zusätzlich zu den drei Angreifern seien mindestens ein Zivilist getötet und elf verletzt worden als eine Rakete in einem Privathaus einschlug, sagte Innenministeriumssprecher Nadschib Danisch.

Aufstockung der US-Soldaten

Stoltenberg und Mattis waren unter anderem nach Kabul gekommen, um die neue, vor einem Monat von US-Präsident Donald Trump verkündete Afghanistanstrategie der USA sowie den verstärkten Nato-Einsatz auch dort vorzustellen. Am Mittag gaben sie eine Pressekonferenz mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani. Vieles hatten sie anderswo schon gesagt. Wichtigste Botschaft auf der Fußmatte der Islamisten im Land: Die Welt stehe zusammen gegen die, die sich in Afghanistan „an die Macht töten wollen“ - „radikalislamische Taliban, Hakkanis, Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und al Kaida“.

Die US-Strategie sieht nach Jahren des Abzugs von internationalen Soldaten nun eine Aufstockung von mindestens 3000 US-Soldaten vor. Auch viele Nato-Länder hätten eine Verstärkung ihrer Kontingente versprochen, sagte Nato-Chef Stoltenberg. Eine Gesamtzahl wollte er aber auch in Kabul nicht preisgeben.

Die Sicherheitslage hat sich zuletzt deutlich verschlechtert. Die radikalislamischen Taliban sollen mittlerweile wieder rund elf Prozent des Landes kontrollieren. Weitere 30 Prozent sind umkämpft. „Wir geben diesen Kampf nicht auf“, sagte Mattis.