Ralf Burkhart, früher Frisch Auf Göppingen Ein Sammler und Trikot-Experte im Zwiespalt

Ex-Handballprofi Ralf Burkhart zeigt in seinem kleinen Museum in Neckarhausen sein früheres Frisch-Auf-Trikot mit der Nummer 14. Foto: Baumann

Er ist ein absoluter Trikot-Experte, und er bringt viel Stallgeruch in Sachen Handball und Frisch Auf Göppingen mit: Ralf Burkhart äußert sich zu den blauen Heimtrikots des grün-weißen Traditionsclubs.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Stuttgart - „Mein begehbarer Kleiderschrank“, sagt Ralf Burkhart erwartungsfroh und deutet in Richtung seiner textilen Schätze. 1900 Trikots sind hier zu finden. Wer bisher durch die Tür zu seinem kleinen Museum gehen durfte, der interessierte sich vor allem für Fußballtrikots. Der leidenschaftliche Sammler besitzt über 800 vom VfB Stuttgart. Ex-Profis wie Charly Handschuh, Hermann Ohlicher, Karl Allgöwer, Günther Schäfer oder Guido Buchwald brachten sie selbst in Nürtingen-Neckarhausen vorbei. Ehrfürchtiges Staunen erzeugt es bei den Besuchern, wenn der Polizeibeamte zielgenau das Trikot von Legenden wie Diego Maradona, Uwe Seeler, Gerd Müller, Franz Beckenbauer oder auch David Beckham aus dem Regal zaubert.

 

Diesmal aber geht es um Handball. Genauer gesagt um den Zoff wegen des Stoffs bei Frisch Auf Göppingen. Der neue Hauptsponsor Teamviewer pocht auf Blau als Grundfarbe bei den Heimtrikots des Handball-Bundesligisten. Und für einen Teil der traditionsbewussten Fans ist damit eine Grenze überschritten worden. Inzwischen haben sich die Wogen zwar etwas geglättet, doch Ralf Burkhart verzieht bei dem Thema immer noch das Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen, dann sagt er mit gespannter Brust: „Frisch Auf – das ist Tradition und Emotion pur, Frisch Auf – das ist Grün-Weiß.“

Klempel, Schlögl, Molitor als Idole

Er weiß das aus ureigenster Erfahrung. Er kam zwar erst 1975, drei Jahre nach der letzten von insgesamt elf deutschen Meisterschaften von Frisch Auf auf die Welt, doch der in Gingen/Fils aufgewachsene Handballer bewunderte als kleiner Bub und Fan in der Hohenstaufenhalle hinterm Netz seine Idole Jerzy Klempel, Rolf Schlögl, Willi Weiß und Rudi Molitor. Später erfüllte er sich seinen Traum und spielte selbst von 1993 bis 2001 unter Rolf Brack erst für die SG Frisch Auf Göppingen/Scharnhausen, nach Ende der Spielgemeinschaft dann für Frisch Auf Göppingen. Mit dem Bundesliga-Aufstieg verabschiedete er sich zum TV Großwallstadt. Auch ein Traditionsverein, aber nicht nur, weil der jetzt in der zweiten Liga spielt, nicht vergleichbar mit Frisch Auf. „Die Erfolge, die Halle, die Fans, Frisch Auf ist schon was ganz Besonderes, hier habe ich die schönste Zeit meines Handballlebens verbracht“, sagt Burkhart mit leuchtenden Augen.

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Er hält ein Trikot von der polnischen Torjägerlegende Klempel in den Händen. Eines von 30 Frisch-Auf-Trikots, eines von 500 Handball-Trikots, das er in seiner Sammlung hat, von Martin Schwalb über Magnus Wislander bis zu Jackson Richardson. Burkhart legt die Stirn in Falten. „Ich stecke im Zwiespalt. Tradition ist wichtig, und die Trikotfarbe gehört als ganz wesentliches und hoch emotionales Identifikationsmerkmal auch dazu, aber ich kann die Verantwortlichen von Frisch Auf auch verstehen. Man darf sich den Gesetzmäßigkeiten des Marktes nicht verschließen“, sagt der 45-Jährige. Eines aber will der ehemalige Abwehrspezialist und Kreisläufer partout nicht begreifen: „Warum beharrt der Hauptsponsor so dermaßen extrem auf die blaue Grundfarbe auf dem Heimtrikot? Warum gab er sich zumindest zu Beginn der Gespräche so kompromisslos?“ Zu Zeiten der SG Frisch Auf Göppingen/Scharnhausen war das Trikot auch blau, aber eben nur auswärts – „das hat dann auch keinen gestört“, sagt Burkhart.

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Ihm ist nur ein Beispiel bekannt, dass ein Verein auf Druck von außen eherne Grundsätze über Bord warf und die Farben auf seinem Heimtrikot änderte: 1971/72 spielten die Grün-Weißen vom SV Werder erstmals in ihrer Geschichte in den Bremer Stadtfarben Rot und Weiß mit dem Schlüsselwappen auf der Brust statt der gewohnten Werder-Raute. Hintergrund: Die Werder-Vereinsführung hatte seinerzeit mit der Stadt Bremen, der Industrie und dem Handel einen finanziellen Deal vereinbart, mit dem eine sogenannte Millionenelf zusammengekauft werden konnte. Der Farbenwechsel war die Gegenleistung. Der sportliche Erfolg jedoch blieb aus. Nach einem Jahr spielte Werder wieder in Grün-Weiß.

Sonntag gegen HC Erlangen

Und Frisch Auf? Da sollten an diesem Sonntag (16 Uhr/EWS-Arena) gegen den HC Erlangen erstmals die neuen blauen Heimtrikots präsentiert werden. Doch nachdem der erste Entwurf – nicht zuletzt durch die Proteste von einem Teil der Fans – noch einmal modifiziert wurde und nun ein wenig mehr Grün zu sehen ist und die Hose Weiß statt Blau ist, wird es mit der Lieferung nicht reichen. Das ändert nichts daran: Es ist der Stoff, aus dem Träume sind. Mit dem neuen Hauptsponsor soll es möglichst einmal in Richtung Champions League gehen.

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„Ich würde es Frisch Auf und seinen Fans wünschen“, sagt Burkhart – und deutet zum Abschied noch einmal auf die vielen Kostbarkeiten in seinem kleinen Museum: „Jedes Trikot hat seine Geschichte.“

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