Rallye Dakar Tempolimits in der Wüste

Rennen in der Wüste – die Rallye Dakar hat eine ganz eigene Faszination. Foto: dpa/Florent Gooden
Rennen in der Wüste – die Rallye Dakar hat eine ganz eigene Faszination. Foto: dpa/Florent Gooden

Bei der Rallye Dakar gibt es in diesem Jahr einige Neuerungen – zusätzlich bremst das Coronavirus vor allem die Privatiers aus.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)
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Stuttgart/Dschidda - 90 Kilometer pro Stunde. Eigentlich ein Tempolimit für die Landstraße, doch eine Geschwindigkeitsbeschränkung in der Wüste? Maximal 90 Sachen bei einer Wettfahrt? Spötter könnten knurren: Die Rallye Dakar ist nicht mehr das, was sie war, wenn in der Einöde Limits gelten. Doch diese Sicht ist zu eindimensional. Nachdem vergangenes Jahr zwei Motorradfahrer starben, die Todesopfer 68 und 69 seit 1979, hat Veranstalter Aso an sehr gefährlichen Passagen eine Tempobremse gesetzt. Jutta Kleinschmidt begrüßt das. „Das Speedlimit ist richtig“, sagt die Dakar-Siegerin von 2001, „wir hatten solche Beschränkungen immer, wenn man durch eine Stadt fährt oder vor Gefahrenstellen, wo sich Löcher und andere Risiken befinden.“

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Die Berchtesgadenerin ist als Präsidentin der Cross-Country-Kommission des Automobil-Weltverbands Fia in Dschidda, wo die Rallye am Sonntag beginnt und am 15. Januar endet. Sie reist mit dem Tross, jedoch nicht im Auto, sondern im Helikopter; übernachtet wird im Biwak. Dass für Motorrad- und Quadpiloten zudem eine Airbag-Weste Pflicht ist, hält Kleinschmidt für absolut notwendig. „Die haben nichts um sich rum. Da sind Weste und Geschwindigkeitslimit die richtigen Maßnahmen. Ich hoffe, dass beides wirkt.“

Rallye in der Blase

Doch die Tempolimits machen die 42. Auflage der Wüstenhatz über 7646 Kilometer, davon 4767 als Wertungsprüfungen, nicht zu einer besonderen, es ist Corona. Saudi-Arabien hat seine Grenzen dicht gemacht und sämtliche Linienflüge gestrichen, es war für Veranstalter Aso ein organisatorischer Kraftakt, die Teilnehmer innerhalb von nur vier Tagen dennoch auf die Halbinsel zu verfrachten. Ursprünglich sollten sechs Charterflugzeuge ausreichen, nun sind es 25 geworden. Die Fahrzeuge waren bereits Anfang Dezember mit dem Schiff aus Marseille nach Dschidda transportiert worden. Darüber hinaus mussten alle Personen einen negativen Covid-19-Test bei der Einreise vorlegen, es folgten zwei Tage Quarantäne sowie ein erneuter negativer Test, um schließlich in die abgeschlossene Rallye-Welt eintauchen zu dürfen. Möglicherweise hat dies viele Rallye-Besatzungen abgeschreckt. Lediglich 440 Teilnehmer mit 266 Fahrzeugen haben sich eingeschrieben, es ist das kleinste Starterfeld seit 1995.

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Jutta Kleinschmidt kann diese Vorsicht und die Absagen nachvollziehen. „Die Zeiten sind ja sehr unsicher, gerade in finanzieller Hinsicht“, sagt sie, „eine Teilnahme an der Dakar-Rallye ist nicht billig. Da sind einige wohl aus Finanzgründen auf die Bremse getreten und haben sich deshalb gegen eine Teilnahme entschieden.“ Die Startgebühr von rund 15 000 Euro hatte der Veranstalter bereits in kluger Voraussicht halbiert, dennoch muss ein Motorradpilot mindestens 40 000 Euro aufbringen (ohne den Preis fürs Motorrad), ein Autofahrer benötigt beinahe eine sechsstellige Summe – die Dakar ist ein ebenso gefährliches wie luxuriöses Abenteuer.

Das Fehlen vieler Privatiers ist ein Verlust

Es sind vornehmlich Privatiers, die sich die Rallye gespart haben, was Kleinschmidt bedauert: Es sei ein Verlust, wenn sie fehlten. Denn die Topteams mit den Spitzenfahrern sind nahezu ausnahmslos vertreten. Titelverteidiger Carlos Sainz, Nasser Al-Attiyah (Zweiter 2020), Dakar-Rekordsieger Stephane Peterhansel, WRC-Rekordchampion Sebastien Loeb sowie Yazeed Al Rajhi mit seinem Co-Piloten Dirk von Zitzewitz (Dakar-Sieger 2009) aus Karlshof und Jakub Przygonski mit Beifahrer Timo Gottschalk (Sieger 2011) aus Rheinsberg. Toyota gegen X-raid Mini lautet das Markenduell. „Die erste Herausforderung gab es schon vor dem Start: Anreise, Quarantäne, PCR-Tests“, erzählt Gottschalk, „das war ein Marathon vor dem Marathon. Wir freuen uns darauf, endlich über die Startrampe zu rollen.“

Die Beifahrer bekommen erstmals ein digitales Roadbook. Es ist fest im Auto verbaut, die Tagesdaten erhalten die Teams erst am Morgen. „Früher gab es die Roadbooks am Abend, dann haben Mapmen die Strecke ausgearbeitet und sie den Teams zukommen lassen“, sagt Kleinschmidt, „das war nicht im Sinne des Veranstalters.“ Die Ausgabe morgens soll die Navigation diffiziler gestalten, und genau darum geht es im Grunde bei der Rallye Dakar. Und nicht nur darum, stets Vollgas zu geben.

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