Rallye Leo-Motor-Classic Hochkarätige Oldtimer beleben Leonberg

Viele Besucher wurden beim Anblick der alten Autos ganz nostalgisch. Foto: Simon Granville

Ob britische Limousine, US-Polizeiauto oder ein 25-PS-Miniauto – die bunte Mischung der Oldtimer, die sich auf dem Leonberger Marktplatz zusammengefunden hat, macht nicht nur den Besitzern Spaß. Und an diesem Sonntag heißt es: Nach der Ausfahrt ist vor dem Sonntagsbummel.

Das Cabriowetter belebt den Leonberger Marktplatz, auf dem dicht an dicht die Oldtimer stehen – Cabrios und Limousinen unterschiedlichster Jahrgänge. Die Fahrerinnen und Fahrer wirken ausgelassen. Zum Start der Rallye Leo-Motor-Classic – pünktlich um 11 Uhr – heulen die Motoren auf. Es liegt Benzingeruch in der Luft. Die Zuschauer scheint das nicht zu stören, für die Teilnehmer gehört es sowieso dazu. Sehr unterschiedliche Autos sind in diesem Jahr dabei und nur zu gerne sprechen die Besitzer mit allen Interessierten über ihre Schätzchen.

 

Eines der ältesten Fahrzeuge bei diesem Oldtimer-Treffen ist der Buick Master Six aus dem Jahr 1927 von Bernd Nixdorf. Nur 1225 Dollar habe das Auto einst gekostet. Über den heutigen Wert kann man nur spekulieren. Dahinter steht altersgerecht eine Autotechnik der einfachsten Art, die aber bis heute funktioniert, jenseits von Problemen mit einer elektronischen Steuerung. Der Temperaturmesser sitzt oben auf dem Kühler und kann nur vom Fahrersitz aus beobachtet werden, die Autoreifen sind auf Holzfelgen montiert, auch das Lenkrad ist aus Holz. Und wer wissen will, wie viel Sprit noch im Tank ist, der muss aussteigen: Denn die Tankanzeige befindet sich nicht im Wageninneren, sondern am Tank selbst. Es ist eben diese Nostalgie, die alle Oldtimerbesitzer begeistert, egal um welches Modell und Baujahr es sich handelt.

Mit Zigarrenanzünder

Das sieht auch Roland Schrickel aus Leonberg so. Er ist der Besitzer eines US-Armeefahrzeug, Baujahr 1985. „Der Chevrolet Blazer K5 macht einfach Spaß“, sagt der Oldtimerfreund. Der SUV ist aus Stahl gebaut, hat eine Camouflage-Lackierung, Allradantrieb und sei unkaputtbar. „Diese Fahrzeuge können von Hubschraubern aus abgesetzt werden, und ich kann damit im heimischen Garten Bäume ausreißen“, sagt Schrickel.

Roland Schrickel mit seinem Chevrolet Blazer K5 Foto: Simon Granville

Das wohl kleinste Fahrzeug fährt Constantin Sattler aus Weissach. Der gelbe Fiat, Baujahr 1969, mit seinen 25 PS macht Laune, das merkt man Fahrer und Beifahrerin an. Der Wagen ist gut in Schuss, „nur bei Tempo 130 zieht er leicht nach rechts“, sagt sein Besitzer lachend.

Fiat 500 BJ 1969 Foto: Simon Granville

Das wohl schönste Auto – das liegt natürlich im Auge des Betrachters – ist der cremefarbene Jaguar, den Thorsten Unger fährt. Auf der Kühlerhaube des Jaguar Mark 2, eine sportliche Limousine aus dem Jahr 1969, thront stolz der Leaper, die Jaguar-Kühlerfigur. Der Wagen ist Unger zufolge „top in Schuss“. Kein Wunder, wurde er doch 1995 komplett zerlegt und das ursprüngliche Dunkelgrün durch eine helle Lackierung ersetzt. Und eine Besonderheit hat der Wagen, so sein Besitzer: es gibt keinen Zigarettenanzünder, sondern einen Zigarrenanzünder.

Thorsten Unger mit seinem Jaguar 240 , BJ 1969, einer der letzten 35 gebauten Linkslenker Typ Mark 2 Foto: Simon Granville

Oder ist doch die schwarze Cobra, Baujahr 1964, von Dirk Jessen aus Heimsheim die Schönste an diesem Sonntag? Sieben Jahre lang hat ihr Besitzer Dirk Jessen nach genau diesem berühmten Sportwagen gesucht – und ihn schließlich in Köln gefunden.

Das Feuerwehrauto war bis 1986 in Leonberg im Einsatz. Foto: Simon Granville

Außer Konkurrenz fährt ein ganz besonderes Schätzchen. Ein Mercedes-Benz Feuerwehrauto mit Drehleiter der Stadt Leonberg, Baujahr 1966. Bis 1986 war es im Dienste der Leonberger Feuerwehr, dann wurde es zu den Feuerwehrfreunden nach Kaltern verkauft und 1996 als Oldtimer wieder zurückgekauft. Am Steuer sitzt Michael Schätzl, der seit 30 Jahren in städtischen Diensten ist und damit selbst schon das Mindest-Oldtimer-Alter erreicht hat. Und so obliegt ihm die Ehre, das historische Feuerwehrauto über den Marktplatz und auf der Rundfahrt zu lenken.

Erst schauen, dann shoppen

Das Schlusslicht bei diesem Autocorso macht in diesem Jahr Carsten Neugebauer vom Orga-Team mit seinem Ford Crown Victoria Police Interceptor. Heißt zu Deutsch: ein Original US-Polizeiauto mit schrill bunten Signalleuchten auf dem Dach. Mit Baujahr 2003 ist das zwar streng genommen noch kein Oldtimer, aber auf jeden Fall ein Hingucker. Carsten Neugebauer ist in diesem Jahr für die Streckenplanung der Ausfahrt zuständig, es geht in Richtung Herrenberg, Grafenau, mit Mittagspause in Gechingen, dann über Merklingen, Tiefenbronn und Friolzheim wieder nach Leonberg zurück, rund 90 Kilometer sind es insgesamt. Und während die Oldtimer on tour sind – gegen 15 Uhr werden sie zurückerwartet – kann dank Verkaufsoffenem Sonntag gebummelt werden. Auf dem Kirchplatz lädt zudem die evangelische Gemeinde zu ihrem Kirchplatzfest ein.

Erneut hat die Werbegemeinschaft Faszination Altstadt in Zusammenarbeit mit dem städtischen Citymanagement ein attraktives Programm für das Oldtimer-Treffen ausgearbeitet. „Es ist ein wichtiges Event für Leonberg“, sagt Citymanagerin Nadja Reichert, auch für die umliegenden Geschäfte.

„Es kommen viele Besucher von weiter her in unsere Altstadt und die kommen dann sicher auch gerne wieder. Es ist ein optimales Zusammenspiel zwischen dem Oldtimer-Event, dem Kirchplatzfest und dem Verkaufsoffenen Sonntag.“

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Leonberg Oldtimer Fiat Ford