Ramadan in Leinfelden-Echterdingen Nicht zu essen, ist eine Frage der Disziplin

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Während des Fastenmonats Ramadan essen und trinken Muslime tagsüber nichts. Wie hält man das aus, wenn man zum Beispiel beim Bäcker arbeitet und es immer so wundervoll duftet? Zwei Männer aus Leinfelden-Echterdingen erzählen.

Das reichhaltige Angebot an Speisen lädt  zum Zugreifen ein. Foto: Malte Klein
Das reichhaltige Angebot an Speisen lädt zum Zugreifen ein. Foto: Malte Klein

Echterdingen - Am Freitagabend um kurz nach 20 Uhr füllt sich das Café Palmyra an der Echterdinger Hauptstraße. Gäste tragen Speisen und Getränke hinein. Und sie haben Hunger mitgebracht. Doch bis sie etwas essen oder trinken, wird es noch gut anderthalb Stunden dauern. Denn die meisten Gäste sind gläubige Muslime, die sich an den Fastenmonat Ramadan halten. Das bedeutet für sie, dass sie erst essen, wenn die Sonne untergegangen ist. An diesem Abend wird das um 21.36 Uhr sein. Und solange spielen sie in den Räumen des früheren Cafés Domino Tischkicker, unterhalten sich und bereiten das Essen vor. Zum gemeinsamen Fastenbrechen unter Freunden, dem sogenannten Iftar, hat der Arbeitskreis Asyl Leinfelden-Echterdingen eingeladen. Zum Ramadan gehört, dass man den Tag über auf Essen verzichtet, frühmorgens und spätabends aber essen darf.

Zu den Gästen des Iftar gehört auch Aldar Mallah Ali. Er hatte den Tag über Lebensmittel und Getränke in der Bäckereifiliale von Treiber im Flughafen direkt vor der Nase, durfte aber selbst nichts davon essen. Daran hat er sich auch gehalten. „Für mich geht das klar. Da gewöhne ich mich schnell dran“, sagt der 19-Jährige, der aus Syrien stammt. Das Arbeiten hat für ihn einen großen Vorteil: „Wenn ich arbeite, geht die Zeit schneller rum, bis ich wieder essen darf.“ Er backt Brezeln, belegt Brötchen und verkauft sie.

Die Zeit richtet sich nach dem islamischen Mondkalender

Mallah Ali hält durch. Denn das Fasten, der Ramadan, gehört zu den fünf Säulen des Islams, wie Ghulamsakhi Ghafoory, Flüchtling aus Afghanistan, erzählt. In einer kurzen Ansprache erklärt er auch den deutschen Gästen, was es mit dem Fastenmonat auf sich hat: „Allah hat während des Ramadans dem Propheten Mohammad den Koran gegeben.“ Es sei nicht genau überliefert, ob dies in der 23., 25. oder der 27. Nacht des Ramadan geschehen sei. In diesem Jahr dauert der Fastenmonat vom 15. Mai bis zum 14. Juni. Die Zeiten des Fastenmonats richten sich nach dem islamischen Mondkalender und beginnen jedes Jahr zehn Tage früher. Nicht jeder Moslem nimmt teil: „Alte, Kranke und Reisende dürfen nicht fasten“, sagt Ghafoory.

Manche Moslems bekommen während des Ramadans Kreislaufprobleme. „Ich bin noch nie umgekippt, auch wenn ich starken Durst hatte“, erzählt Mallah Ali. Er fastet seit vier Jahren im Ramadan. „Es ist gut, zu merken, wie Leute leben, die kein Essen haben.“ Er selbst arbeitet in der Regel in der Frühschicht von sechs bis 14 Uhr. Gerade zu Anfang sei das Fasten kein Problem. „Da bin ich ja satt.“ Es gebe allerdings auch schwierige Uhrzeiten. „Wenn ich Spätschicht habe und um 11 Uhr beginne, ist das etwa zwischen 14 und 15 Uhr.“ Abends trifft sich die Familie gemeinsam zum Fastenbrechen. „Bei mir ist es so, dass ich erst etwas trinke, dann esse und danach rauche“, erzählt Mallah Ali von seinem Rhythmus. Gegen drei Uhr nachts geht er schlafen. „Wir essen noch mal gegen 2.30 Uhr.“

Probieren beim Kochen ist nicht drin, solange es noch hell ist

Um diese Uhrzeit ist Tormak Zadran, der aus Afghanistan geflüchtet ist, bereits bei der Arbeit. Er kommissioniert die Backwaren für die einzelnen Treiber-Filialen in Steinenbronn. Sein Arbeitstag beginnt um 2 Uhr nachts und endet um 10.30 Uhr. Allerdings schafft er es trotzdem, morgens noch zu beten und vor dem Morgengrauen zu essen. „Unser Chef hat uns erlaubt, dass wir um 3.30 Uhr Pause machen“, sagt Zadran. Dann trinkt er Tee und isst Brot mit Marmelade oder Honig. Dass er danach weiter mit Essen zu tun hat und Brote, Käse, Fleisch und Eier für den Transport zusammenstellt, stört ihn nicht. „Das ist kein Problem.“ Auch Kreislaufprobleme hatte Zadran noch nicht. Zuhause in Oberaichen legt er sich nach der Arbeit hin und schläft bis 17 Uhr. Später geht er sogar noch ins Fitnessstudio.

Wenn Zadran später für sich Reis und Gemüse zum Abendessen kocht, gilt: „Probieren ist nicht erlaubt, wenn es noch nicht dunkel ist.“ Aber auch das sei kein Problem. Im Vergleich zu seiner Heimat Afghanistan ist es in Deutschland wesentlich länger hell. Das heißt: Tormak Zadran und Aldar Mallah Ali fasten länger. „Hier ist das Klima aber auch kühler als in Syrien“, sagt Mallah Ali. Denn dort ist es tagsüber schon mal 45 Grad Celsius warm.

An diesem Freitagabend um 21.36 Uhr stellen sich die Fastenden und ihre Gäste im Halbkreis um das Buffet mit den Speisen. Ghulamsakhi Ghafoory spricht ein Gebet und dann beginnt das Fastenbrechen. Kichererbsenpüree Hummus, Couscous, Gemüse, Fleisch und Brot häufen sich auf Tellern. Und später gibt es noch Datteln, Baklava und frische Früchte.