Ramelow wird erster linker Ministerpräsident Historisch und normal

Erleichtertes Lächeln: Im zweiten Wahlgang hat  Bodo Ramelow die nötige Mehrheit geschafft. Foto: dpa
Erleichtertes Lächeln: Im zweiten Wahlgang hat Bodo Ramelow die nötige Mehrheit geschafft. Foto: dpa

Thüringen hat mit Bodo Ramelow jetzt einen linken Regierungschef, der versöhnen will. Das ist ein guter Start, kommentiert StZ-Korrespondentin Bärbel Krauß.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)
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Erfurt - Spannend war es schon, aber ein unerhörter Nervenkrimi ist am Ende nicht daraus geworden, als die Thüringer Landtagsabgeordneten Geschichte geschrieben und Bodo Ramelow als den ersten linken Ministerpräsidenten der Bundesrepublik auf den Schild gehoben haben. Der „Heide-Mörder“, der vor Jahren die Karriere der schleswig-holsteinischen Regierungschefin Heide Simonis heimtückisch beendet hat, hat keinen Nachahmer gefunden. Ein Mitglied der rot-rot-grünen Koalition hat im ersten Wahlgang zwar die Chance zum Zündeln genutzt und durch seine Enthaltung deutlich gemacht, wie fragil dieses Dreierbündnis ist. Aber im zweiten Wahlgang votierten sowohl die Koalition als auch die Opposition für klare Verhältnisse.

Auch wer die Linkspartei ablehnt – sei es wegen ihrer Programmatik, sei es wegen ihrer SED-Vergangenheit in der DDR oder wegen der linksradikalen Milieus im alten Westdeutschland, die in ihr aufgegangen sind, – sollte das am Ende gut heißen können. Der Wechsel – auch ein so ungewöhnlicher – muss Normalität sein in der Demokratie, sonst ist sie am Ende.

Es ist gut, dass die regierungslose und spannungsgeladene Zeit seit der Thüringer Landtagswahl im September nun zu Ende ist und das demokratische System wieder in den Arbeitsbetrieb wechseln kann. Es war klug, dass der frisch gewählte Regierungschef, seine Antrittsrede zu einem Versöhnungsangebot genutzt hat, das nicht nur den politischen Gegner bei der Union, sondern vor allem auch die Stasi-Opfer ansprach. Das war ein starkes Signal. Dennoch stehen Bodo Ramelow und seiner Koalition die harten Zeiten erst noch bevor: jetzt müssen sie beweisen, dass sie demokratisch regieren können.




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