Rammstein-Cover-Band Engel wollen sie keine sein – So war’s beim Konzert von Stahlzeit
Die erfolgreichste Rammstein-Cover-Band hat sich am Samstagabend in der Porsche-Arena quer durchs Repertoire ihrer Vorbilder gespielt.
Die erfolgreichste Rammstein-Cover-Band hat sich am Samstagabend in der Porsche-Arena quer durchs Repertoire ihrer Vorbilder gespielt.
Rauch und Donner, metallischer Klang hackt ins Ohr, eine finstre Stimme hebt beschwörend an, Flammen schießen immer wieder auf. Es sieht aus wie Rammstein. Es riecht wie Rammstein. Muss es also Rammstein sein? Mitnichten. Stahlzeit haben am Samstagabend in der Porsche-Arena höchst anschaulich bewiesen, dass auch Till Lindemann ersetzbar ist.
Eine Bühne, wie Rammstein sie im Juni vor vier Jahren auf den Cannstatter Wasen stellten, haben Stahlzeit nicht. Auch keinen Aufzug, mit dem sie sich zuletzt in den Himmel schießen. Aber sie gelten als spektakulärste aller Rammstein-Cover-Bands, und sie werden ihrem Ruf gerecht: Im kleineren Stil setzen sie in der Porsche-Arena 25 Rammstein-Songs in Szene und lassen sich Zeit dabei. Erst nach 140 Minuten nähert sich die betäubende Horrorshow ihrem Ende. Bis dahin haben die Fans alles gesehen und gehört: Flammenwerfer auf der Bühne, Flammen, die an Mikrofonständern lecken, einen Musiker, der von einem Metzger gejagt und dann Keyboard spielend in einem Topf gesotten wird, einen, der in einer Wanne mit Feuer übergossen wird, ein brennendes Klavier, einen flammenden Bogen, einen Sänger, der geflügelt weit über der Bühne hängt und mit der Stimme eines langsam rotierenden Erdbohrers raunt: „Gott weiß, ich will kein Engel sein!“
Stahlzeit gründeten sich 2004. 21 Jahre später haben sich Rammstein, nicht ohne Grund, auf unbestimmte Zeit von der Öffentlichkeit verabschiedet. Geblieben sind die Epigonen, die ihre Musik mit Hingabe und vielen Effekten pflegen. Stahlzeit waren mehrfach im Raum Stuttgart zu Gast, treten nun zum zweiten Mal in der Porsche-Arena auf. Die ist mit 4300 Besuchern nahezu ausverkauft. Das Publikum trägt Schwarz und glüht vor Begeisterung. Es wird Chöre bilden, zackig auf und nieder hüpfen und mit den Köpfen um sich schlagen.
Stahlzeits Bühne, auch wenn sie nicht den Wasen füllen würde, ist doch imposant: Zwei Türme, gekrönt von Turbinen, in denen Lichter tanzen, eine hoch aufragende Fläche weit hinten, alles grau, auf schmutzig und verrußt getrimmt. Thomas Buchberger-Voigt hämmert in dieser Kulisse mit dumpfer Energie auf ein Schlagzeug ein, das Flammen sprüht, Matthias und Mike Sitzmann entreißen den Gitarren dumpfe Riffs und gellende Soli, Ron Huber spielt auch ein überdimensionales Akkordeon, und Helfried Reißenweber leiht den Liedern von Rammstein seine tiefe, kräftige Stimme, wirkt dabei weit freundlicher, als man sich sein Vorbild noch vorstellen möchte.
Stahlzeit erlauben es sich, auch jene Stücke zu spielen, deren Texte längst nicht mehr wirken wie eine arglose Horrorshow. „Pussy“ allerdings, dem Lied vom deutschen Sex-Touristen, geben sie eine neue Wendung: „Mercedes-Benz und Autobahn, alleine dann nach Stuttgart fahren…“.
„Heirate mich“, „Mein Teil“, „Wiener Blut“, „Sehnsucht“, „Du riechst so gut“, „Deutschland“, „Ausländer“, „Ich tu dir weh“, „Mein Herz brennt“: Keines dieser Stücke fehlt im Repertoire von Stahlzeit. Anlässlich ihres Bandjubiläums veröffentlichten sie einen eigenen Song, in dem sie ihre ersten 20 Jahre Revue passieren lassen – in der Porsche-Arena hört man dagegen eine Rammstein-Cover-Version nach der anderen. Einen eigenen Ton suchen Stahlzeit dabei nicht wirklich – aber sie kopieren das deutsche Kasperltheater mit seinen tiefen Bässen, zuckenden Lärmfetzen, schwermütigen Balladen, grotesken Sprachbildern, spielen den industriellen Gänsehaut-Rock technisch perfekt. Die Fans sind in Ekstase, als die ersten Takte der Elektrobeats von „Engel“ aufklingen in der Zugabe. Sind Stahlzeit also vielleicht gar die besseren Rammstein? Eines zumindest haben sie ihren Vorbildern sicher voraus: Sie kommen wieder. Am 23. Januar 2027.