InterviewRamon Gehrmann, Trainer des SGV Freiberg „Die Stuttgarter Kickers haben Rachegelüste“

Von Jürgen Frey 

Der SGV Freiberg ist einer der Hauptkonkurrenten der Stuttgarter Kickers im Kampf um den Aufstieg. Vor dem direkten Duell am Samstag spricht SGV-Trainer Ramon Gehrmann über die Brisanz dieses Spitzenspiels und die geringe Wertschätzung für sein Team in der Region.

Ramon Gehrmann: Der Trainer des Fußball-Oberligisten SGV Freiberg steht vor einem wegweisenden Spiel gegen die Stuttgarter Kickers. Foto: Baumann
Ramon Gehrmann: Der Trainer des Fußball-Oberligisten SGV Freiberg steht vor einem wegweisenden Spiel gegen die Stuttgarter Kickers. Foto: Baumann

Freiberg/Neckar - Erst steht für den SGV Freiberg an diesem Mittwoch (17.30 Uhr) noch die WFV-Pokal-Hürde beim Verbandsligisten TSV Essingen auf dem Programm, dann kommen am Samstag (14 Uhr) die Stuttgarter Kickers zum Knüller der Fußball-Oberliga ins Wasenstadion. Ein Spitzenspiel mit Final-Charakter wie Freibergs Trainer Ramon Gehrmann findet.

Herr Gehrmann, wie sehr fiebern Sie dem Schlagerspiel gegen die Stuttgarter Kickers entgegen?

Das ist momentan noch nebensächlich, da wir uns komplett auf das WFV-Pokal-Halbfinale an diesem Mittwoch beim TSV Essingen konzentrieren. Das ist zunächst das wichtigere der beiden Spiele.

Ernsthaft?

Natürlich wollen wir beide Spiele gewinnen, aber wir sind jetzt das dritte Mal im Pokal-Halbfinale, wollen endlich das erste Mal ins Endspiel einziehen und uns den Traum von der DFB-Pokal-Teilnahme bewahren. Schon bei unserem 4:2-Sieg bei den Kickers im vergangenen Oktober haben wir uns in der Kabine eingeschworen: Zum Pokal-Finale wollen wir erneut im Gazistadion auf der Waldau aufkreuzen.

Wie entscheidend wird das Rückspiel am Samstag gegen die Blauen für den weiteren Saisonverlauf in der Oberliga?

Da reicht ein Blick auf die Tabelle, um das zu beurteilen. Das Spiel hat absoluten Final-Charakter für uns. Wenn wir gewinnen, sind wir zwei Punkte an den Kickers dran und ganz dick im Geschäft. Das Restprogramm spricht von der Papierform her dann für uns, auch wenn vor allem die drei Auswärtsspiele in Pforzheim, Linx und Friedrichstal unangenehme Aufgaben sind.

Wie sehen Sie die Chancen?

Wir können in dieser Liga jeden Gegner schlagen.

Das haben Sie im Hinspiel eindrucksvoll bewiesen.

Da haben wir einen Sahnetag erwischt. Die Rachegelüste der Kickers werden entsprechend groß sein.

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Bei einer Niederlage wäre der SGV acht Punkte hinter den Kickers – und damit weg Fenster?

Egal, wie es ausgeht, es sind noch ein paar Spiele. Das zeigt auch das Beispiel FC Nöttingen. Das Team war nach einem kleinen Hänger schon abgeschlagen und hat sich jetzt wieder rangekämpft. Man muss bis zum letzten Spieltag an seine Chance glauben.

Wie sieht die personelle Lage aus in Ihrem Team?

Leider stehen uns nicht alle Schlüsselspieler zur Verfügung. Thomas Gentner fällt mit einem Muskelfaserriss fünf bis sechs Wochen aus. Patrick Fossi fehlt wegen seiner Roten Karte. Hinter Denis Zagaria steht wegen Oberschenkelproblemen ein Fragezeichen. Wenigstens kann unser Toptorjäger Marcel Sökler (Anm. d. Red.: 28 Saisontreffer) nach seiner Platzwunde wieder am Ball sein.

Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie gegen die Blauen?

Leider nicht mit 3700 wie sie der 1. Göppinger Sportverein am Ostermontag gegen die Kickers begrüßen konnte. Das war ein Toptermin für solch ein Spiel. Aber unabhängig davon herrscht in Freiberg leider keine Fußball-Euphorie wie das in Göppingen oder Reutlingen der Fall sein kann. Ich rechne mit 1500 bis 2000 Besuchern und einem Auswärtsspiel für uns. Unsere Zuschauer sind eher von der kritischen Sorte.

Und kommen in sehr überschaubarem Ausmaß ins Wasenstadion. Woran liegt das?

Eine richtige Erklärung habe ich dafür nicht. Wir sind keine richtige Fußball-Region. Die Leute gehen lieber zum Basketball nach Ludwigsburg oder zum Eishockey nach Bietigheim.

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An der Art und Weise Ihrer Spielweise kann es kaum liegen.

Wir spielen attraktiven, erfrischenden Fußball, wir hätten eine deutlich größere Resonanz verdient. Oft sind die Eltern und Bekannten der Spielen gemeinsam mit Scouts und Beratern, die unsere hochtalentierten Spieler unter die Lupe nehmen, in der Überzahl.

Das muss Sie als Trainer doch frustrieren?

(überlegt) Was soll ich sagen? Schön ist das wirklich nicht. Ich finde es einfach nur schade.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Werden Sie bleiben?

Ich weiß es nicht. Noch ist das nicht entschieden.