Herr Gehrmann, muss man sich Sorgen machen um den SGV Freiberg?
Wenn ich auf unsere kommenden Gegner schaue, wird es sehr schwierig. Erst geht es gegen den Spitzenreiter FC 08 Homburg, dann müssen wir nach Kassel und am 3. September erwarten wir in unserem Ausweichquartier in Nöttingen Aufstiegsfavorit Kickers Offenbach. Das ist schon happig. Andererseits bin ich mit den spielerischen Leistungen meiner Mannschaft sehr zufrieden, wir waren stets die deutlich bessere Mannschaft.
Obwohl Sie in allen drei Spielen mit 1:0 geführt haben, stehen Sie aber mit leeren Händen da.
Stimmt, doch das Spiel in Bissingen zählt für mich nicht. Da mussten wir aus unterschiedlichen Gründen Spieler einsetzen, die erst einmal mittrainiert hatten. Ansonsten aber hatten wir immer sehr viele Torchancen, viel zu wenige davon jedoch konnten wir verwerten. Und dann leisten wir uns individuelle Fehler von Spielern, die ansonsten sehr, sehr zuverlässig agieren. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir 15 neue Spieler integrieren mussten, manche sind erst ganz kurz da.
Nicht neu ist Marcel Sökler. Der Stürmer wartet noch auf sein erstes Saisontor in der Regionalliga.
Dafür trifft Ouadie Barini. Und bei Marcel Sökler setze ich immer auf den Ketchup-Flaschen-Effekt: Trifft er einmal, trifft er schlagartig auch gleich mehrere Mal.
Wirken sich Spekulationen um einen Wechsel zu den Stuttgarter Kickers noch vor Ende der Transferperiode am 1. September auf seine Leistungen aus?
Dass die kolportierten Summen mit dem Spieler etwas machen, kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht gehören solche Spielchen zur Politik zwischen Freiberg und den Kickers, um die Spieler verrückt zu machen. Was mich in diesem Fall etwas stört ist, dass die Kickers erst mit einer astronomischen Summe auf den Spieler zugegangen sind, also den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht haben. Aber ich halte mich da raus.
„Das Thema ist vom Tisch“
Wird er denn bleiben?
Marcel hat noch einen Vertrag bis 2024. Ich denke, das Thema ist vom Tisch, wobei es für uns eigentlich nie eines war. Freiberg hat im Winter Dominik Salz abgegeben, der jetzt die Lebensversicherung der SG Sonnenhof Großaspach ist. Zudem hat bekanntlich unser Top-Torjäger Marco Grüttner seine Karriere beendet. Jetzt ist noch einer übrig, das ist für die Regionalliga eigentlich zu wenig.
Stichwort SG Sonnenhof. Es heißt, der von den Kickers gekommene Mohamed Baroudi könnte nach Großaspach ausgeliehen werden.
Von diesem Gerücht habe ich auch gehört, aber ich selbst weiß wirklich von nichts. Ich weiß nur, dass ich fast jeden Tag hart mit Mo arbeite, auch zusätzlich nach dem Training, damit er sein Fitnesslevel erhöht.
Hat er deshalb bisher praktisch keine Rolle gespielt?
Ja, er schuftet mit meiner Unterstützung, damit er in einen regionalligatauglichen Zustand kommt. Und dann ist er für mich absolut ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann.
Reisigs Rückenprobleme
Der zweite Ex-Kickers-Spieler Ruben Reisig hat bisher noch keinen Einsatz in der Liga. Woran liegt es bei ihm?
Ruben hat eine Blockade im Rücken. Der Plan war, dass er im ersten Regionalligaspiel gegen seinen früheren Club VfR Aalen spielt, damit wir Innenverteidiger Jan Koch behutsam aufbauen können. Doch dann kam diese Verletzung, seitdem hat er nicht mehr trainiert. In dieser Woche will er wieder einsteigen.
Beim Pokal-Aus in Bissingen hatten Sie ihn in der Halbzeit ausgewechselt, worauf sie etwas aneinander geraten sein sollen. Hat das auch eine Rolle gespielt?
Nein, ich habe ihn damals wegen seiner leichtsinnigen Spielweise ausgewechselt. Das habe ich ihm zweimal deutlich gesagt, woraufhin etwas vom Spieler zurückkam. Es gab eine Strafe, die aber von der Mannschaft ausging. Wer mich kennt weiß, dass da nichts hängen bleibt. Ich bin nicht nachtragend, Emotionen gehören dazu.
Wird der SGV bis zum Ende der Transferperiode noch einmal personell nachlegen?
Wenn wir einen finden wie Marco Grüttner müssen wir zugreifen (lacht). Denn vorne sind wir zu harmlos, da fehlt uns die Wucht, der letzte Punch. Nur mit Marcel Sökler sind wir zu leicht ausrechenbar.