InterviewRamon Gehrmann von der Stuttgarter Kickers „Wir haben die Chance, etwas Großes zu erreichen“

Von Jürgen Frey 

Trotz durchwachsener Vorbereitungsergebnisse der Stuttgarter Kickers sieht Trainer Ramon Gehrmann dem Oberliga-Wiederbeginn optimistisch entgegen. Im Interview erklärt der 45-Jährige, warum.

Ramon Gehrmann: Der Trainer der Stuttgarter Kickers setzt darauf, dass  Frische und Spritzigkeit bei den Spielern rechtzeitig zum Punktspielauftakt vorhanden sind. Foto: Baumann 16 Bilder
Ramon Gehrmann: Der Trainer der Stuttgarter Kickers setzt darauf, dass Frische und Spritzigkeit bei den Spielern rechtzeitig zum Punktspielauftakt vorhanden sind. Foto: Baumann

Stuttgart - Als Tabellenzweiter, mit zwei Punkten Rückstand auf den VfB Stuttgart II, gehen die Stuttgarter Kickers die restlichen 15 Spiele in dieser Saison der Fußball-Oberliga an. Vor dem Wiederbeginn am kommenden Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion auf der Waldau) gegen den Tabellensechsten FSV 08 Bissingen zieht Trainer Ramon Gehrmann ein Fazit der Vorbereitung und gibt einen Ausblick.

Herr Gehrmann, von den letzten sechs Vorbereitungsspielen haben die Stuttgarter Kickers keines gewonnen. Muss man sich Sorgen machen mit Blick auf den Punktspielstart gegen den FSV 08 Bissingen?

Es ist so ähnlich wie bei einem Handwerker. So lange der Klempner bei mir zu Hause arbeitet, drehe ich auch nicht das Wasser auf. Entscheidend ist, dass am Ende alles funktioniert.

Und da sind Sie optimistisch?

Ja, wir bereiten uns ja nicht auf die Vorbereitung vor, sondern aufs erste Punktspiel. Schon zu meiner Zeit beim SGV Freiberg hatte ich selten gute Vorbereitungsergebnisse.

Die Resultate sind nicht entscheidend?

Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen, aber ich habe mit der Mannschaft nun mal nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung. Da muss ich die Spieler körperlich und spieltaktisch so vorbereiten, dass sie beim ersten Pflichtspiel in optimaler Verfassung sind. Bisher waren wir noch nie mit der Intensität und dem Tempo unterwegs, wie ich das in der Liga erwarte.

Weil die Frische fehlte?

Ja, deshalb wird in dieser Woche neben der Vorbereitung auf den Gegner der Schwerpunkt darin liegen, dass wir die nötige Spritzigkeit und Frische erlangen.

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Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Anfangsformation aus dem Spiel gegen den FV Illertissen auch gegen den FSV 08 Bissingen beginnt?

Die liegt bei 20 Prozent. Das hängt auch von dieser Trainingswoche ab.

Aber im Tor bleibt es bei Tobias Trautner als Nummer eins?

Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, ja. Tobias hat auch gegen Illertissen ein gutes Spiel gemacht.

Durch die Winter-Neuzugänge ist die Mannschaft in der Breite gut aufgestellt. Sehen Sie das nur als Vorteil?

Das ist für mich ein Luxusproblem und eine gute Voraussetzung, das Leistungsprinzip umzusetzen. Ich habe noch nie eine Mannschaft trainiert, die in der Breite so gut aufgestellt ist.

Und die enttäuschten Spieler, die nicht zum Einsatz kommen, können für das Klima in der Mannschaft nicht gefährlich werden?

Noch einmal: Es zählt das Leistungsprinzip, und eine charakterlich gute Mannschaft kann damit umgehen. Da mache ich mir keine Sorgen.

Ihre Lebensversicherung, Top-Torjäger Mijo Tunjic, ist fit?

Ja, er ist immer gut drauf und wenn er gesund bleibt, wird er weiter seine Tore machen. Doch Mijo braucht auch gute Vorlagengeber.

Die Mannschaft hat nicht den einen und einzigen Akteur, der alle Facetten eines Führungsspielers verkörpert, aber viele erfahrene Kräfte. Ein Vorteil?

Die Struktur in unserem Team stimmt. Wir haben viele Spieler, die sich schon lange kennen, wir haben eine klare Hierarchie. Wir sind gut aufgestellt.

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Können die Fans der entscheidende Pluspunkt sein?

Auf jeden Fall. Sie helfen uns enorm, die volle Intensität abzurufen, diese Atmosphäre haben wir in der Vorbereitung schon etwas vermisst.

Der VfB Stuttgart II hat mit dem 6:1 im Nachholspiel beim FC Nöttingen gleich ein Ausrufezeichen gesetzt und die Tabellenführung erobert. Wie sehen Sie den Hauptkonkurrenten um den Aufstieg?

Diese Mannschaft hat eine außergewöhnliche Qualität, aber wir schauen nur einmal auf sie.

Am 17. Mai im direkten Duell?

Genau. Wir legen den Fokus auf uns, alles andere können wir nicht beeinflussen.

Könnte der Druck, der auf den Kickers lastet, lähmen?

Druck hat auch mein Sohn bei den Spielen in der F-Jugend. Nein: Wir haben die Chance, etwas Großes zu erreichen. Wir wollen in jedem Spiel drei Punkte, daran denke ich als Trainer an jedem Spieltag. Im Übrigen habe ich, wenn ich um den Aufstieg spiele, positiven Druck. Das ist was anderes, als wenn ich gegen den Abstieg spiele.

Beim verpassten Sprung in die Regionalliga im vergangenen Sommer im entscheidenden Aufstiegsspiel in Alzenau herrschte aber eine Weltuntergangsstimmung wie bei einem Abstieg. Was passiert, wenn es im zweiten Anlauf wieder nicht klappt?

Unser Sportlicher Leiter Lutz Siebrecht und das Präsidium können sich mit solch langfristigen Themen beschäftigen, ich schaue nicht so weit nach vorne. Für mich gilt es, die Mannschaft so vorzubereiten, dass wir gegen Bissingen die drei Punkte einfahren. Und diesbezüglich bin ich auch sehr optimistisch.

Wir haben Fotos von den Winter-Neuzugängen der Stuttgarter Kickers zusammengestellt. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie!