Randale in Steinenbronner Kirche Kirchenfenster, Altar, Sitzbänke – „Geschockt über das Ausmaß der Zerstörung“

, aktualisiert am 20.02.2026 - 09:14 Uhr
Die katholische Steinenbronner Heilig-Geist-Kirche wurde von einem Mann mit Zerstörungswut heimgesucht. Foto: Dudenhöffer

Ein 32-Jähriger zerstört in der katholischen Kirche in Steinenbronn Kircheninventar – darunter ein wertvolles Buntglasfenster. Er hinterlässt eine Spur der Verwüstung.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Die Meldung hat selbst Hartgesottene bei Kirche und Polizei verwundert: Am Sonntag lässt sich ein 32 Jahre alter Mann in der katholischen Heilig-Geist-Kirche in Steinenbronn einschließen und randaliert.

 

Der Täter hinterlässt eine Schneise der Verwüstung: Eine besondere Kirchenfensterscheibe geht zu Bruch, Stühle, Sitzbänke, Bibeln und der Kirchenboden werden beschädigt. Auch der Altar wird verwüstet. Als sich der Täter an der Orgel ausprobiert, trifft die Polizei ein und nimmt ihn fest.

Kirche in Steinenbronn – Schäden noch nicht völlig beseitigt

Äußerlich ist die Kirche wieder hergerichtet – zumindest so, dass sie für den Gottesdienst am Sonntag wieder ihre Pforten öffnen kann. Beseitigt sind alle Schäden aber bei weitem noch nicht – im Gegenteil: Die Zerstörungswut des 32-Jährigen könnte unwiderrufliche Folgen haben, wie Kirchenpfleger Hubert Gfrörer erklärt: „Besonders schmerzhaft für uns ist ein Buntglasfenster eines mittlerweile verstorbenen Künstlers, das zerstört wurde. Ein gutes Drittel des Kirchenfensters ist in mehrere Scherben zerbrochen. Ich bin gerade im Gespräch mit einem Fachmann, was noch gemacht werden kann.“

Der Gottesdienst am Sonntag kann in Steinenbronn wieder stattfinden. Foto: Stefanie Schlecht

Randale in Kirche in Steinenbronn: Mikrofone wurden ebenfalls zerstört

Ebenfalls stark beschädigt und bislang auch nicht wieder hergestellt werden konnte das Mikrofonsystem der Kirche. „Ich bemühe mich darum, einen Techniker zu finden, der die Mikrofone reparieren kann. Das ist allerdings nicht so einfach – schon gar nicht auf die Schnelle“, betont Gfrörer. Auch schwer zu beseitigen seien die Wachsreste: „Hier war ich im Austausch mit einer Mitarbeiterin. Diese sagte mir, dass jene Wachsreste, die am Kirchenboden kleben, kaum noch zu entfernen sind.“ Selbst reparieren lassen konnte der Kirchenpfleger die Stühle und Sitzbänke. Diese warf der 32-Jährige von der Empore herunter. Verstreute Blumenerde wurde weggesaugt und -gewischt.

Gfrörer selbst wurde am Sonntagabend vom Kirchen-Hausmeister telefonisch über den Vorfall informiert. Da er selbst in Steinenbronn wohne, sei er sofort vorbeigekommen. Die Polizei war zu diesem Zeitpunkt schon vor Ort. „Wir waren natürlich geschockt, als wir das Ausmaß der Zerstörung gesehen haben. Das ist ein Gotteshaus, ein religiöser Ort, der für Menschen eine wichtige Bedeutung hat und Ehrfurcht lehrt. Dass der Täter so in einer Kirche wütet, schmerzt uns“, sagt der Kirchenpfleger.

Steinenbronn: Täter spielte nicht zum ersten Mal Orgel

Skurril war nicht nur für die Polizei, sondern auch für den Kirchenpfleger der Umstand, dass der 32-jährige Vandale beim Orgelspielen von der Polizei festgenommen wurde. „Unsere Organistin hat im Anschluss festgestellt, dass einige Register und die Pedale angespielt wurden. Wir gehen also davon aus, dass der Mann nicht zum ersten Mal Orgel gespielt hat“, sagt Gfrörer. Dass er ein Profi ist, glaubt der Kirchenpfleger allerdings nicht. „Ich habe auch mal ein Jahr Kirchenorgel gelernt und jeder, der das mal probiert hat, würde das auch hinbekommen.“

Zum Hergang der Tat kann er nur spekulieren: „Es könnte sein, dass der Täter beim Sonntagsgottesdienst in der Kirche dabei war und sich dann im Orgelbereich oder im Beichtstuhl versteckt hielt. Unser Schließdienst hat gegen 18.30 Uhr nochmal eine Runde durch das leere Kirchengebäude gedreht und dort keine Person mehr wahrgenommen. Nur zwei Kerzen brannten noch, die wurden ausgemacht.“

Den Schaden schätzt die Polizei auf rund 10 000 Euro. Hubert Gfrörer rechnet allerdings mit einer noch größeren Summe.

Inventar in Kirche in Steinenbronn zerstört – Motivlage ist noch unklar

Weshalb der 32-Jährige eine solche Wut am Kircheninventar ausgelassen hat, weiß auch der Kirchenpfleger nicht. Klar ist, der polizeibekannte Mann wird sich einem Gerichtsverfahren stellen müssen. Die Kirchengemeinde jedenfalls hat Strafanzeige gestellt. Wegen der schlechten Erfahrung die Kirchentüren zukünftig geschlossen lassen, will die katholische Gemeinde nicht, wie Gfrörer betont: „Ab Montag soll die Kirche für alle, die ins stille Gebet gehen und sich dort eine Auszeit gönnen möchten, wieder offen sein.“

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