Randale in Stuttgart Strobl: Auslöser der Krawalle weiter unklar

Plünderer in einem Geschäft an der Marienstraße: In der Krawallnacht hatte die Polizei Mühe, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Wer sind die Krawallmacher vom 20. Juni? Der Innenminister Thomas Strobl gibt bei der Regierungspressekonferenz einen Einblick in den Stand der Ermittlungen.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - Innenminister Thomas Strobl (CDU) sieht nicht die eine Erklärung für das, was vor einem Vierteljahr in Stuttgart in der sogenannten Krawallnacht geschehen ist. „Das ist sehr heterogen.“ Auch die These, die Ausschreitungen seien geschehen, weil wegen der Corona-Beschränkungen viel Frust aufgestaut gewesen sei, lässt der Minister so nicht gelten: Denn viele der jungen Tatverdächtigen seien schon davor auffällig gewesen und der Polizei bekannt. „Und das war vor Corona“, betont er.

 

Schon im Herbst 2019 sind der Polizei einige der jungen Männer der Polizei aufgefallen, die sie nun im Zuge der Ermittlungen zur Krawallnacht wieder festgenommen hat. Das hat Innenminister Strobl am Dienstag in der Regierungspressekonferenz verdeutlicht. Mehr als 70 Prozent der Tatverdächtigen – inzwischen sind 98 ermittelt, bei 93 habe sich der Tatverdacht bestätigt – seien der Polizei schon bekannt gewesen.

Strobel berichtet von der Vorgeschichte der Tatverdächtigen

Zwei besonders gravierende Beispiele nannte Strobl: Ein Mann, der Flaschen auf Polizisten geworfen haben und einen am Boden liegenden Passanten eingetreten haben soll, war bereits im Herbst 2019 aufgefallen: Als er in einem Laden Süßigkeiten im Wert von 1,50 Euro gestohlen hatte, schlug er einen Ladendetektiv mit der Faust. Der Sicherheitsmann konnte ihn dann doch mit in sein Büro nehmen. Dort habe der junge Mann ein Messer gezogen und den Detektiv damit bedroht. Ein anderer Tatverdächtiger, der einen Laden geplündert und Handys mitgenommen haben soll, war ihm Herbst 2019 an einer Vergewaltigung beteiligt. Er soll einer drogenabhängigen Frau K.-O.-Tropfen ins Getränk gemischt und sie dann, als sie wehrlos war, missbraucht haben – mit mehreren Männern gemeinsam.

Der Minister sieht nicht allein die Corona-Krise als Anlass

Strobl nimmt die Tatverdächtigen mit Vorgeschichte als Belege dafür, dass es nicht nur die Langeweile der Corona-Zeit gewesen sein kann, die zu den Vorfälle in der Nacht zum 21. Juni führte. „Es ist sehr heterogen“, das gelte auch für die Tatverdächtigen, betont der Innenminister. Deren soziale Herkunft ist immer wieder thematisiert worden, unter anderem war der Polizei Rassismus vorgeworfen worden, weil sie den Migrationshintergrund der Verdächtigen dokumentierte. Dazu sagte Strobl, es sei auffällig, dass von den bislang gefassten Tatverdächtigen zwar Dreiviertel Deutsche seien. Von diesen hätten aber wiederum 70 Prozent einen Migrationshintergrund. „Wer hier leben will, kann die Dinge, die da geschehen sind, nicht tun“, sagte Strobl. Das gelte für einen 13-Jährigen, der als Flüchtling aus Syrien ins Land kam ebenso wie einen jungen Mann mit deutschem Pass und Migrationshintergrund, aber auch für „Söhne aus Familien, die alles andere als benachteiligt genannt werden können.“

Immer wieder kommt im Zusammenhang mit den Krawallen die Spekulation auf, die Polizei oder ihre Führung hätten vor der Krawallnacht die Situation in der Stadt verkannt und nicht gemerkt, dass sich da etwas anbahnen könnte. Darauf hat Strobl schon vergangene Woche im Zuge einer Antwort auf eine Anfrage der CDU reagiert. Der Schlossgarten sei schon seit Längerem im Fokus. 2018 habe eine interministerielle Arbeitsgruppe eine Reihe von Maßnahmen erarbeitet, um den Bereich sicherer zu machen. Eine davon wird nun sichtbar: Die Beleuchtung im Schlossgarten wird verbessert. Ein Teil der Lampen ist schon ausgetauscht.

Polizei erhöht bereits im Winter die Präsenz im Schlossgarten

Die Polizei hatte im Sicherheitsbeirat des Bezirksbeirates Mitte schon im Februar über die Entwicklung berichtet: Zwar seien die Zahlen der Straftaten nicht gestiegen, sagte damals Joachim Barich, der Leiter des Innenstadtreviers. Dennoch argumentierte er für mehr Präsenz, schickte allabendlich berittene Polizei zur Oper. Denn: Dass viele junge Leute im Schlossgarten nachts herumlungern, die zwar den normalen Passanten nichts tun, aber eine unruhige Menge sind, das hatte man bei der Polizei wohl bemerkt.

Stefan Keilbach, der Pressesprecher der Polizei, sagt dazu: „Das Atmosphärische spiegelt die Statistik mit den Straftaten nicht wieder. Aber das muss man eben auch berücksichtigen.“ Dass diese Atmosphäre Konfliktpotenzial barg, war der Polizei klar: Am Krawallwochenende waren doppelt so viele Beamte in der Stadt wie an einem normalen Wochenende.

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