Das Nachwuchsteam von Rapid Wien will auch beim 30. Mercedes-Benz Juniorcup an diesem Wochenende auftrumpfen. Dass die Spieler aus Österreich das Zeug dazu haben, liegt auch an einem scheinbar übermächtigen Konkurrenten.

Sindelfingen - Eigentlich ist Patrick Jovanovic auf dem Weg zum Mittagessen, als er im Foyer des Marriott Hotels in Sindelfingen von einem älteren Herrn in einer grünen Rapid-Jacke mit sächsischem Akzent angesprochen wird. Der Mann hält ihm ein Foto unter die Nase, das Jovanovic als Spieler von Rapid Wien 1992 beim Mercedes-Benz Juniorcup in Sindelfingen zeigt. Lang ist es her.

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28 Jahre später ist Patrick Jovanovic als Co-Trainer für den Wiener Club im Einsatz. In der fünften Saison betreut der 46-Jährige an diesem Samstag und Sonntag die in den vergangenen Jahren beim Hallenspektakel im Glaspalast so erfolgreichen Nachwuchskicker aus der österreichischen Hauptstadt. Für die grün-weißen ist das Turnier zu einer Art Wohlfühloase geworden: 2016 hat Rapid den Titel geholt, 2017 wurden sie Dritter und im vergangenen Jahr scheiterten sie erst im Finale am Sieger FC Liverpool. „Es ist für uns eine Ehre, dass wir bei der 30. Auflage dabei sein dürfen“, sagt Jovanovic. Mit dabei ist auch Yusuf Demir.

Die Talente können gehalten werden

Der wurde im vergangenen Jahr mit 15 Jahren als mit Abstand jüngster Kicker der Veranstaltung zum Spieler des Turniers gewählt wurde. In 22 Junioren-Länderspielen erzielte der Offensivspieler bislang 19 Treffer. Im Sommer haben sie im Wiener Stadtteil Hütteldorf den Vertag mit ihrem Juwel bis 2022 verlängert, obwohl es auch Angebote aus dem Ausland gegeben hat. Vor einigen Tagen hat Rapid in Enes Tepecik (Jahrgang 2004) vom FC St. Pölten ein weiteres Juwel verpflichtet, das ebenfalls im Glaspalast auflaufen wird. Ein wichtiger Baustein, die Talente trotz der größeren finanziellen Mittel von Ligaprimus Red Bull Salzburg bei Rapid zu halten oder zu verpflichten, ist Talentmanager Steffen Hofmann.

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Der gebürtige Würzburger ist mit 554 Einsätzen Rekordspieler und Clubikone. „Er ist stets eng mit den Spielern, kommuniziert mit den Familien und leistet eine großartige Überzeugungsarbeit“, sagt Jovanovic. Ihre ersten Schritte in der Kampfmannschaft, wie die Österreicher ihre Profiteams nennen, haben auch Leo Greiml, Melih Ibrahimoglu und Lion Schuster gemacht, die 2019 in Sindelfingen am Ball waren. Die Durchlässigkeit, der Mut, junge Spieler ins kalte Wasser zu werfen, sind zurück bei Rapid. Ein riesiger Kader und viele Trainerwechsel hatten dies in den Jahren zuvor verhindert.

Das Halbfinale ist das Minimalziel

Yusuf Demir hat bislang einmal in der Bundesliga gespielt, kommt derzeit viel im Regionalliga-Team zum Einsatz, die auf Aufstiegskurs in Liga zwei sind. Überhaupt tut sich im Land der Skifahrer auch viel in Sachen Fußball: Zahlreiche Österreicher spielen in der deutschen Bundesliga, und bei der U-21-EM gab auch der Nachwuchs ein gutes Bild ab. „Der Druck, den Salzburg aufbaut, hat auch uns gezwungen, uns weiter zu entwickeln – davon profitiert der Fußball insgesamt in Österreich“, sagt Patrick Jovanovic. Jetzt baut auch Rapid Wien einen neuen Campus für die Talente. Die Gegenwart aber heißt Juniorcup in Sindelfingen.

In der Vorrunde bekommt es Rapid mit Eintracht Frankfurt, den Glasgow Rangers und RB Leipzig zu tun. „Unser Ziel ist mindestens das Halbfinale“, sagt Patrick Jovanovic. Und vielleicht gibt’s dann wieder ein Foto mit dem Fan aus Sachsen.