Rapper Casper in der Stuttgarter Schleyerhalle Vom Alpha biszum Omega

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Einer der besten seiner Branche: Der Rapper Casper hat in der Stuttgarter Schleyerhalle gezeigt, dass auch die deutsche Hip-Hop-Welt nicht peinlich sein muss.

Casper liefert dem Publikum Gassenhauer und Nachdenkliches – und entschuldigt sich für seine Erkältung. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt 9 Bilder
Casper liefert dem Publikum Gassenhauer und Nachdenkliches – und entschuldigt sich für seine Erkältung. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Kasperköpfe und einfältige Seppel gibt es in der deutschsprachigen Hip-Hop-Welt bekanntlich im Übermaß. Umso mehr sticht da also einer heraus, der alles anders und schlichtweg auch besser macht. Der Deutschamerikaner Casper zum Beispiel.

Das geht schon damit los, dass sich sein Plattenlabel mit der allseits beliebten Schubladeneinsortierung reichlich schwer tut (die Bezeichnung „Post-Genre“ haben sich die Musikvermarkter für Casper zur Stilkategorisierung zusammenfabuliert) – und auch der Künstler selbst diesbezüglich ein wenig mit sich ringt. „Meine Arbeitsweise entspricht immer noch dem Rap-Ansatz. Ich empfinde das auch nicht als Singen. Nur die Musik, die am Ende rauskommt, klingt anders als das, was man im Fachhandel sonst so unter Rap findet“, hat er kürzlich im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt.

Das geht weiter damit, dass es zu diesem Gespräch vor einem kleinen Konzert in Stuttgart kam, das der einstige Pädagogikstudent im September gratis vor dem Mercedesmuseum gab, was Casper in seiner demütigen Erdverbundenheit von vielen seiner insbesondere US-amerikanischen Kollegen unterscheidet, etwa vom Rapper Lil Wayne, der sich im August seinen nicht einmal sechzig Minuten währenden Stuttgarter Auftritt vom gründlich verarschten Publikum mit über sechzig Euro pro Nase entlohnen ließ. Und das manifestiert sich schließlich darin, dass Casper als Inspirationsquellen - etwa für seinen Song „Alles ist erleuchtet“ - die Literaten Jonathan Safran Foer und David Foster Wallace nutzt oder für den Titeltrack seines aktuellen Albums „Lang lebe der Tod“ als Gast Blixa Bargeld gewinnen konnte, einen der Gralshüter deutscher Qualitätsmusik.

Hüpfen und abfeiern

Wie es der Zufall will, rahmen diese beiden Stücke als Alpha und Omega den Auftritt des Buchstabendrechslers in der Schleyerhalle. „Alles ist erleuchtet“ ist das Eröffnungslied in der am Samstagabend mit rund neuntausend Zuschauern gut gefüllten Arena, „Lang lebe der Tod“ der letzte Song vor der Zugabe. Blixa Bargeld betritt dabei wenig überraschend nicht als Gast die Bühne, diese Sorte von Entertainment ist bei aller Sympathie dann doch gewiss nicht die seine. Im Publikum wird kräftig abgefeiert, und die Zuschauer werden dazu auch nach Kräften vom wie ein Flummi über die Bühne hüpfenden Casper mit Worten und Gesten animiert.

Da sind wir dann doch ganz bei einem klassischen Hip-Hop-Konzert, mit der einschlägigen Rhetorik Caspers („Ich will hier jeden einzelnen springen sehen“) und entsprechend willigen Besuchern, die gewiss nicht gekommen sind, um sich in andächtiger Hörkonzentration einen bargeld’schen Strauß an Melodien aus den Blumen des Bösen binden zu lassen.




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