Rapper Thomas D Neues Soloalbum und Fanta Vier-Konzerte

Thomas D (2. von links) hat seine Lieblingsstücke mit den Musikern der Hamburger Band The KBCS neu vertont Foto: Rekord Music and Distribution/mumpi kuenster monsterpics

Der Rapper Thomas D spricht im Interview über sein Best-of-Soloalbum mit der Band the KBCS, die Rückkehr der Fantastischen Vier, den Ticketverkauf bei Aldi und die Luca-App.

Stuttgart - Für die Musikszene war die Pandemie eine harte Prüfung. Der Rapper Thomas D hat die Zeit für ein Soloalbum genutzt. Am 3., 4. und 5. September gibt er mit den Fantastischen Vier drei Open-Air-Konzerte beim Waiblinger Kultursommer.

 

Herr Dürr, wie haben Sie die Band The KBCS entdeckt?

Der Schlagzeuglehrer meines Sohnes hat mir das Album empfohlen. Ich musste die Hofmauer streichen, und das liegt mir nicht. Ich bin ja Hausmeister, kann Böden verlegen und habe mir zum 50. einen Bagger gekauft. Zum Anstreichen brauche ich Musik, und bei dieser Instrumental-Musik mit Marvin Gaye-Feeling ohne Sänger oder Rapper dachte ich: Da könnte ich jetzt alles volltexten. Wenn ich mit so einer Band meine tiefsten, persönlichsten Stücke spiele, könnte es passieren, dass sich am Ende alle nackt in den Armen liegen.

Wie hat die Band reagiert?

Die Herren sind offen, aber auch stilsicher. Deshalb ist das sehr rund geworden, obwohl das sehr unterschiedliche Stücke von mir sind. Sie haben sich von den Texten inspirieren lassen, dann haben wir das gemeinsam erarbeitet und aufgenommen.

Wie war das, zu diesen Stücken auf andere Art zurückzukehren?

Ich habe für jedes Soloalbum einen Plan, bei „Kennzeichen D“ wollte ich poppig sein, mich einem breiten Publikum öffnen. Jetzt stelle ich fest, dass da echt tiefe Dinger drauf sind wie „Vergebung hier ist sie“. Da spreche ich als Schöpfer zu meiner Kreation und stelle mir vor, wie das wäre, Gott zu sein.

Was war Ihr Auswahlkriterium?

Alle Stücke haben eine gewisse Zeitlosigkeit – „aktueller denn je“ klingt so abgedroschen. Mit „Gebet an den Planet“ habe ich das Ende bislang nicht abkehren können. Es geht um Gefühle, die viele kennen. In „Neophyta“ geht es um die Liebe zu seinem Kind und wie das ist, wenn man es eines Tages loslassen muss. Damals war meine Tochter dreieinhalb. Jetzt ist sie 18, hat den Führerschein und macht, was sie will. Gott sei Dank habe ich mich damals schon damit beschäftigt.

Sie haben auch Stücke der Fantastischen Vier neu aufgenommen ...

Ich habe sie natürlich gefragt, diese Stücke gehören ja uns allen. „Gott ist mein Zeuge“, „Millionen Legionen“ oder „Weitermachen“ spielen wir mit der Band nicht live, nur den „Krieger“, der bringt das gut auf den Punkt. Der ist auch für die Fantas reserviert und deshalb nicht auf dem Album. Die anderen Stücke kann ich jetzt bei Solokonzerten spielen. Das freut mich sehr, denn die liegen mir wahnsinnig am Herzen.

Wie fühlt sich das an, mit den Fantas endlich wieder auf die Bühne zu dürfen?

Es war schön, für die Proben wieder zusammenzukommen vor den vier Strandkorb-Konzerten. Da gibt es gekühlte Getränke am Platz, fürs Publikum ist das schön, als Künstler fühlt man sich weit weg und spürt wenig Emotion. Waiblingen ist schon was anders. Wir freuen uns sehr darauf und hoffen, dass sich das wieder mehr wie früher anfühlt.

Sie spielen auch Konzerte für eine Bank – wie ist das zustande gekommen?

Es ist eine Genossenschaftsbank, und deren Vorstände haben uns mit ihrem Herzblut überzeugt. Wir haben alle Freiheiten, das findet man nicht oft. Ein Termin ist in Manderscheid in der Eifel, 15 Minuten von meinem Hof entfernt. Da haben mich alle angerufen bis hin zur Bäckerin und wollten Tickets. Die kann man in diesem Fall zum Glück aber nur gewinnen.

Sie haben sich auch bei Aldi Tickets verkauft – die Fantas als Discounter-Ware?

Das gab natürlich eine Diskussion. Aldi kam auf uns zu, als sie ins Geschäft einsteigen wollten. Bislang haben dominierende Anbieter den Markt beherrscht, die sogar für den Selbstausdruck von Online-Tickets Gebühren verlangen. Bei Aldi bekommt man Karten ohne Vorverkaufsgebühren und mit Gratisversand. Das finden wir gut. Wer das anders sieht, soll halt weiterhin Gebühren bezahlen. Ich hoffe, Aldi macht das weiter – der Rückumtausch wegen Corona war ein Riesenaufwand, mit dem keiner gerechnet hat.

Ihre Shows zum 30-Jahr-Jubiläum holen sie 2022 auf dem Wasen nach, weil das Stadion dann nicht zur Verfügung steht. Was bedeutet das für die Planung?

Es ist eine Vollkatastrophe. Auf dem Wasen gibt es viel weniger Tribünenplätze und viel mehr Stehplätze. Alle Locations sind 2022 so ausgebucht, dass man nicht mal einen Tag früher aufbauen kann. Es wird schon darüber geredet, ob man sich Anlagen und Bühnen teilt. Für Bands wie Rammstein mit ihrer aufwendigen Show ist das ein Riesenproblem, die brauchen Tage für den Aufbau.

Wie sind Sie durch die Pandemie gekommen?

Die Stars haben alle Polster, hart war es für die Crews. Beleuchter sind jetzt Elektriker, Rigger wurden zu Gerüstbauern. Viele haben erstmals einen festen Job mit geregelter Arbeitszeit, sicherem Einkommen, freien Abenden und Wochenenden, Zeit für die Familie. Wieso sollten die zurückkommen? Wir haben gute Leute verloren. Aufstrebenden Künstlern hat die Pandemie den Wind aus den Segeln genommen. Andererseits sind viele Alben entstanden, schöne, neue Musik.

Auch bei den Fanta Vier?

Wir haben ein paar Stücke, die sind nicht schlecht, aber noch nicht spruchreif. In der Pandemie hat man zwar viel Zeit neben dem Homeschooling-Wahnsinn, aber die Inspiration bleibt aus. Und wir wollen keine Coronaplatte machen, auf der wir nur herumweinen.

Sie haben auch in die Luca-App investiert – wie ist es dazu gekommen?

Wir finden super, dass die App einen Ausgeh-Alltag wieder ermöglichen kann. Sie vereinfacht Restaurantbesuche und beschleunigt die Kontaktverfolgung. Die Jungs hatten nicht das Geld, also haben wir uns eingekauft. Smudo als großer Redner war prädestiniert dafür, die App zu präsentieren. Er hat sich viel Kritik ausgesetzt von Datenschützern und von Menschen, die glauben, wir wollten nur die Daten oder das Geld. Tatsache ist: Das war viel Arbeit, wir sind mit dem Ergebnis zufrieden und haben noch keinen Cent gesehen. Darum ging es auch nicht.

Was sagen Sie zur Kritik der Datenschützer an Sicherheitsdefiziten?

Die Leute überlassen ihre Daten Facebook, Whatsapp und Google, wir brauchen am Telefon nur über ein Produkt zu reden und kriegen sofort entsprechende Werbung. Die Luca-App war immer so sicher wie möglich, und wir haben ständig nachgebessert. Danke für jeden Hinweis, aber die Wortwahl war manchmal sehr von oben herab und auch verletzend nach dem Motto: Ja, ja, die Popstars wissen nicht, was sie tun. Im Zerreden sind wir Deutschen ganz groß.

Die Fantastischen Vier gelten als Mitbegründer des deutschen Hip-Hop. Wo sehen Sie sich selbst?

In einer eigenen Schublade. Wir arbeiten mit Ironie, Sarkasmus, Doppeldeutigkeiten und Abstraktion. Wir haben drei Rapper mit unterschiedlichen Flavours, uns früh dem Pop geöffnet und Refrains mit Melodien. Wir haben Stücke mit Strahlkraft wie „Tag am Meer“ oder „Krieger“. Wir wollten immer Slogans prägen wie „Es könnt‘ alles so einfach sein, ist es aber nicht“ oder künstlerisch etwas leisten wie „MFG“, den einzigen Song nur aus Abkürzungen. Darauf sind wir stolz. Nicht darauf, der deutsche Hip-Hop zu sein.

Thomas D und The KBCS

Der Rapper
Als Thomas Dürr am 30. Dezember 1968 in Stuttgart geboren, geht Thomas D in Ditzingen und Gerlingen zur Schule und macht dann eine Lehre zum Friseur. 1989 gründet er mit Smudo (Michael Schmidt), Michi Beck und And.Ypsilon (Andreas Rieke) die Band Die Fantastischen Vier, die als Pioniere des Sprechgesangs von Stuttgart aus den Weg für den deutschsprachigen HipHop bereiten. Zu ihren Hits zählen „Die da“ (1992), „Sie ist weg“ (1995) und „MFG“ (1999). 1997 beginnt Thomas D parallel eine Solokarriere, das aktuelle Album ist sein sechstes.

Die Band
Die Profimusiker Lars Coelln (Gitarre), Daniel Stritzke (E-Bass), Nicolas Börger (Keyboards) und Lucas Kochbeck (Schlagzeug) gründeten sich unter dem Namen The KBCS als Begleitband des Bremer Rappers und Soul-Sängers Flo Mega, mit dem sie 2019 auf Tournee gehen. Im selben Jahr erscheint das instrumentale Debütalbum „Phô Sessions Vol. 1“ (Légère Recordings) mit einer Mischung aus Soul, Jazz und Funk.

Das Album
Thomas D & The KBCS: „The M.A.R.S Sessions“ (Rekord Music and Distribution).

Weitere Themen