Raritäten auf Rädern in Böblingen Oldtimer-Rallye führt von der Pfalz bis Meran

Das V8 Hotel ist Gastgeber. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Wein und Pferdestärken: Bei der „Vino Miglia“ rollen Karossen aus den Jahren 1929 bis 1970 von der Pfalz nach Südtirol. Erstmals wird in der Böblinger Motorworld Halt gemacht.

Alles andere als gewöhnlich waren die mehr als 100 Fahrzeuge, die am Samstagnachmittag im gemächlichen Tempo, aber trotzdem mit teils PS-starken Motorgeräuschen und dem Geruch von Gummi und Benzin an der Böblinger Motorworld vorfuhren. Zum ersten Mal hatte die Oldtimer-Rallye „Vino Miglia“ das dortige V8-Hotel als Etappenziel auserkoren. Sehr zur Freude von Hotelchef Simeon Schad, selbst stolzer Besitzer eines hellblauen Fiat 124 Spider Baujahr 1979.

 

Den ließ Schad diesmal in der Garage, fungierte dafür aber mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als perfekter Gastgeber des Autoveteranentrosses, der am Morgen im pfälzischen Maikammer gestartet war. Nicht Geschwindigkeit ist bei der im Zwei-Jahres-Turnus bereits zum 15. Mal ausgetragenen „Vino Miglia“ Trumpf, sondern das entschleunigte und vor allem pannen- und unfallfreie Ankommen nach acht Tagen Fahrt über landschaftlich schöne Nebenstraßen durch Deutschland, Österreich und Italien am 28. Juni im Zielort Meran. Auf den zurückzulegenden 1050 Kilometern gehören auch immer wieder Prüfungen wie das Bewältigen bestimmter Streckenabschnitte möglichst exakt in einer vorgegebenen Zeit zum Programm.

Die Pfälzer Weinkönigin ist immer dabei

Außerdem die tägliche Weinverkostung, der ebenso wie das Gepäck der 156 Teilnehmer in einem eigens gecharterten Lkw mitfährt. Hier kommt auch Denise Stripf, Pfälzer Weinkönigin, ins Spiel. „Die amtierende Pfälzer Weinkönigin ist bei uns immer dabei, das ist so Brauch“, sagte Organisator Wolfgang Rheinwalt, der die Tour mit einem 21-köpfigen Team auf die Beine stellte.

„Wir lesen den Leuten die Wünsche von den Augen ab“, betonte Rheinwalt. Nicht fehlen durfte auf der Etappe nach Böblingen deshalb die Mittagspause im Kloster Maulbronn mitsamt Weinstand für interessierte Zuschauer sowie ein kürzerer Stopp in Weissach. Bei der Beschreibung manches Autos gerät selbst ein Oldtimer-Enthusiast wie der Cheforganisator ins Schwärmen.

Autos von 1929 bis 1970

Die Bandbreite reichte vom ältesten Veteran Sunbeam Open Tourer, Baujahr 1929, bis hin zum erst 33 Jahre alten Jeep Wrangler mit Oma Gerda am Steuer und Enkel Noah auf dem Beifahrersitz. Dazwischen „ganz tolle Autos“ wie ein Opel Olympia Cabriolet von 1956, ein VW Westfalia Camper von 1960 oder der Mercedes-Benz Spezial Roadster, Baujahr 1935. Und als einziges Fahrzeug mit vier Personen an Bord, einer deutsch-portugiesischen Mannschaft von der fernen Insel Madeira, der noch ein Jahr ältere Bentley Speed Le Mans Open Tourer.

Im Feld finden sich automobile Träume von 10 000 Euro bis hinein in den siebenstelligen Bereich. In diese Kategorie gehört zweifellos der Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer von 1955. „Ich schätze das Zusammensein und die Freude am gemeinsamen Hobby“, schwärmte dessen Besitzer Jürgen Meder. Die Teilnahme an Oldtimerrallyes und –treffen sei für ihn wie für viele andere Vino Miglia-Mitstreiter eine „Mixtur aus Leidenschaft und finanziellen Möglichkeiten“. „Die Rallye beginnt, man fängt an zu lächeln und dann hört man damit bis ins Ziel nicht mehr auf“, erklärten Markus Breitling und Ulrike Wengerter, die mit ihrem „Butter- und Brot-Auto“ VW Käfer, Baujahr 1970, ebenfalls seit vielen Jahren mitfahren.

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