Raser in Stuttgart Videostreife der Polizei beendet Autorennen

Temposünder im Visier – dabei ist die Polizei auch mit Videostreifen unterwegs. Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel
Temposünder im Visier – dabei ist die Polizei auch mit Videostreifen unterwegs. Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Wettrennen auf den Straßen sind verboten – wegen der teils verheerenden Folgen gibt es dazu ein extra verschärftes Gesetz. Das scheint nicht jedem bewusst zu sein.

Stuttgart - Ein Golf GTI rast in den Tunnel, die Polizei in Zivil hinterher, und dann kämpft ein 5er BMW um die Spitze: Eine gefährliche Szene im Norden Stuttgarts haben Beamte der Verkehrspolizei noch entschärfen können. Auf die beiden 22 und 24 Jahre alten Fahrer wartet nun großer Ärger – mit Fahrverbot und Geldstrafen. Sind die Straßen in Coronazeiten abends weitgehend frei, scheint dies weiter zu verbotenen Wettrennen einzuladen.

Der Vorfall hat sich am Montag gegen 19.40 Uhr in der Heilbronner Straße in Feuerbach abgespielt. Dort ist eine Videostreife der Verkehrspolizei unterwegs – Beamte in einem Zivilfahrzeug, die im Verkehrsstrom mitschwimmen und Ausschau nach Schnellfahrern in der Stadt halten, die normalerweise bei Blitzerkontrollen nicht erwischt werden. Dabei fällt ihnen ein 24-Jähriger in einem VW Golf auf – und dann werden sie auch noch von einem 22-jährigen BMW-Fahrer im Pragtunnel Richtung Bad Cannstatt überholt. Statt Tempo 50 haben die beiden gut 130 Sachen auf dem Tacho. Die Rennfahrer werden gestoppt und an einer Baustellenzufahrt auf Höhe des Rosensteinparks überprüft.

Immer wieder fallen Rennfahrer auf

Die wegen der Coronaeinschränkungen verkehrsärmeren Straßen verleiten offenbar zum verstärkten Tritt aufs Gaspedal – und das auch noch im Wettstreit. Vor wenigen Tagen mussten zwei 20 und 26 Jahre alte Rennfahrer in Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg) gestoppt werden, Wochen zuvor waren in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis), Bietigheim-Bissingen und Stuttgart-Wangen illegale Rennfahrer im Alter zwischen 19 und 46 Jahren erwischt worden. In Wangen auf der B 10 hatte die Fahrt mit zwei Verletzten und 28 000 Euro Schaden geendet.

Wie schlimm sich die PS-Protzerei auswirken kann, zeigen fatale Unfälle mit tödlichen Folgen. Ein 20-Jähriger verlor am 6. März 2019 im Nordbahnhofviertel die Kontrolle über seinen gemieteten Jaguar und tötete zwei Insassen eines Kleinwagens. Fatal endete auch ein Rennen am 25. März 2011 in Zuffenhausen, wo ein 20-jähriger Ford-Fahrer gegen einen Baum raste. Er und sein 18-jähriger Beifahrer starben in den Trümmern.

Die PS-Szenen sind unterschiedlich

Die seit Ende 2017 verschärfte Rechtslage, bei der verbotene Kraftfahrzeugrennen mit bis zu zwei Jahren Haft, bei schweren Unglücken gar mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden können, scheint offenbar noch nicht alle erreicht zu haben. „Dabei haben wir in Stuttgart noch eine andere Szene als in Dortmund oder Berlin“, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann. Während es im Ruhrgebiet oder in der Hauptstadt oder auch auf der Bodenseeautobahn eher um den Rausch der Geschwindigkeit gehe, lege die Stuttgarter Szene eher Wert darauf, mit den edlen Karossen gesehen und bewundert zu werden.

Den beiden Rennfahrern von Feuerbach ist der sofortige Führerscheinentzug vorerst erspart geblieben. Sie durften nach der Anzeigenaufnahme noch einmal nach Hause fahren, nach Stammheim und Bad Cannstatt. Den Rest entscheidet die Staatsanwaltschaft.




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