Der Einsatz für die Polizei war am Unfallabend belastend – der Angeklagte hingegen wirkte auf die Beamten überwiegend emotionslos. Foto: imago/Einsatz-Report24
Chaos herrschte nach dem tödlichen Autorennen in Ludwigsburg. Die Aussagen der Polizisten im Mordprozess wirken belastend: Der Festgenommene habe kaum Reue gezeigt.
Für die Polizisten war der Einsatz unmittelbar nach dem tödlichen Autorennen in Ludwigsburg schwierig. Im Mordprozess im Landgericht Stuttgart standen am jüngsten Prozesstag die Streifenpolizisten im Zeugenstand, die kurz nach dem Unfall an der Schwieberdinger Straße eingetroffen waren. Ihre Schilderungen zeichneten ein Bild von Chaos, emotionaler Belastung – und einem Angeklagten, der schon früh vor allem mit sich selbst beschäftigt gewesen sei.
Der erste Zeuge, ein Polizeioberkommissar, berichtete, seine Streife sei drei bis fünf Minuten nach dem Funkspruch der Führungs- und Leitzentrale an der Aral-Tankstelle eingetroffen. Die Meldung habe gelautet: „Es sind zwei Personen eingeklemmt und nicht ansprechbar.“ Bereits beim Heranfahren habe sich das Ausmaß des Geschehens abgezeichnet: Trümmer, der schwarze Mercedes der S-Klasse auf der Fahrbahn – und der völlig zerstörte Ford Focus von Merve (23) und Selin (22).
Der Hauptangeklagte G. (links) sagte nach dem Unfall, so ein Polizist: „Jetzt ist mein Leben hinüber.“ Foto: Max Kovalenko/Lichtgut
Das Augenmerk der Polizisten galt zunächst den Geschädigten. „Wir haben gesehen, dass seitlich ein Fahrzeug am Baum hing“, sagte der Beamte. Auf ihn hätten die beiden jungen Frauen aufgrund ihrer Körperhaltung leblos gewirkt. Alle Versuche, sie aus dem Auto zu holen und wiederzubeleben, blieben erfolglos. „Es lief auch schon Betriebsflüssigkeit aus den Autos – da standen Leute, die rauchten.“
Polizist: „Das hatte ich in dieser Dimension noch nicht“
Der Polizist schilderte die Situation als außergewöhnlich belastend. Einerseits habe man den Angehörigen der Unfallopfer, die ebenfalls vor Ort gewesen seien, mit dem nötigen Mitgefühl begegnen, andererseits die professionellen Abläufe sichern müssen. „Das hatte ich in dieser Dimension noch nicht“, sagte der Beamte.
Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm ein Gaffer, der trotz mehrfacher Aufforderung nicht aufgehört habe zu filmen. Schließlich habe er den Mann einer Kollegin übergeben müssen – der Vorsitzende Richter Norbert Winkelmann sprach von einem „ekelhaften“ Verhalten des Gaffers und einem laufenden Strafverfahren.
Der Fahrer des schwarzen Mercedes, der spätere Angeklagte G. (32), habe zunächst auf der Fahrbahn gestanden, eine Decke über die Schulter gelegt. Wenig später habe er sich in einer Gruppe von etwa 30 bis 40 Menschen aufgehalten, die sich an der Tankstelle versammelt hatten.
G. sei vorläufig festgenommen worden – zunächst wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Der Vater des Angeklagten habe daraufhin verbal aggressiv reagiert und sich nicht mit der Maßnahme einverstanden gezeigt. G. hingegen habe unberührt gewirkt. „Er hat vielleicht etwa eine Minute lang leicht geweint.“ Außerdem habe er gesagt: „Jetzt ist mein Leben hinüber.“ Wenig später habe er sich wieder gefasst.
Ein zweiter Beamter, der etwas später an der Unfallstelle eintraf, bestätigte die angespannte Lage. In der unübersichtlichen Situation kurz nach dem schrecklichen Zusammenstoß mit mutmaßlich etwa 150 Stundenkilometern habe G. behauptet, er sei an dem Unfall nicht schuld. Ihm sei die Vorfahrt genommen worden.
Der Festgenommene schlief im Krankenhaus tief und fest
Später brachten die Polizisten den Angeklagten zur Blutentnahme ins Krankenhaus, wo er stationär bleiben musste. Dort habe G. einen emotionslosen Eindruck gemacht, sagte der Beamte, der ihn bewachte. Reue habe er nicht gezeigt. Nachdem er um eine Decke gebeten habe, sei er eingeschlafen – und er habe „tief geschlafen“.
Der Beamte zeigte sich verwundert darüber, dass G. sich nicht weiter nach den beiden Frauen erkundigt habe. Stattdessen habe er gefragt, ob er freigelassen werden könne, um normal weiterzuarbeiten. „Er hat nichts weiter von den Frauen wissen wollen und auch nicht geweint“, sagte der Polizist. Dieses Verhalten habe er in einer solchen Situation als ungewöhnlich empfunden.