Rasieren als Trend Der Kampf gegen den Wildwuchs ist ihr Geschäft

Von Eileen Breuer 

Ob Arme, Rücken, Beine oder Bikinizone – der Trend geht zur rasierten, glatten Haut. Wer das nicht selbst machen will, geht zu Kosmetikerinnen wie Gosha Ohsiek in Leinfelden-Echterdingen. Sie erzählt aus ihrem Alltag und gibt drei nützliche Tipps.

Gosha Ohsieks Job ist es, die Haare anderer zu entfernen. Sie ist aber keine Friseurin. Foto: Eileen Breuer
Gosha Ohsieks Job ist es, die Haare anderer zu entfernen. Sie ist aber keine Friseurin. Foto: Eileen Breuer

Echterdingen - Die Liste für die Behandlungen bei Gosha Ohsiek ist lang: Arme, Beine, Rücken, Gesicht, Achseln oder die Bikinizone, all diese Körperstellen befreit die Kosmetikerin von Haaren. Dafür kommen Kunden – vor allem Kundinnen – jeden Alters in ihren Salon nach Echterdingen. Ihre älteste Kundin sei fast 90 Jahre alt, sie komme vor allem, weil Haare sie im Gesicht stören.

Weiche Beine, glatte Arme und ein haarfreier Intimbereich haben nicht immer zum Schönheitsideal der Deutschen gezählt. Mittlerweile findet man aber an jeder Ecke ein Studio, in dem man sich mit Kaltwachs oder sogenanntem Sugaring die Haare entfernen lassen kann.

Die Anfänge sind in Ägypten zu verorten, erzählt Gosha Ohsiek. Dort hätten sich viele sogar das Kopfhaar abrasiert und stattdessen eine Perücke getragen. „Dabei geht es um Hygiene, wenn man enthaart ist, hat man das Gefühl, sauberer zu sein.“

Ein edles Gefühl, eine glatte Haut zu haben

Auch heute sei das einer der Gründe, warum viele zum Rasierer greifen. Hierher getragen hätten Frauen aus Amerika und dem Orient die Tradition des glatten Körpers. Neben dem sauberen Gefühl habe auch ein bestimmtes Schönheitsideal Auswirkungen: „Es ist ein edles Gefühl, eine glatte Haut zu haben“, sagt Gosha Ohsiek.

Mehr als 97 Prozent der Frauen entfernen sich regelmäßig an mindestens einer Körperregion den Wildwuchs. Das geht aus einer Untersuchung der Uni Leipzig hervor. Wer nicht selbst zu Epilierer, Rasierer oder Wachs greift, der geht zur Kosmetikerin. Statt ein paar Euro für einen Schnellrasierer muss man hier aber tiefer in die Tasche greifen. Das sei es vielen Wert, sagt Gosha Ohsiek aus Echterdingen. „Es ist das Gefühl, sich etwas zu gönnen.“ Also ein Stück weit Bequemlichkeit. Aber nicht nur das. Viele würden sich laut Gosha Ohsiek davor scheuen, bestimmte Körpergegenden selbst zu rasieren. Doch auch, wenn sie zu ihr in den Kosmetiksalon kommen, seien die Kundinnen teils ängstlich. Schließlich gibt es wesentlich angenehmere Termine. „Erst einmal ist es Schmerz“, sagt Gosha Ohsiek. „Im Nachhinein ist es Erleichterung.“

Männer sind empfindlicher als Frauen

Und wie stehen Männer dem Trend zu den gestutzten Haaren gegenüber? In Zeiten, in denen Bart wieder modisch geworden ist? Die Untersuchung der Uni Leipzig hat gezeigt, dass sich auch knapp 80 Prozent der Männer regelmäßig rasieren. Manch einer steht auch mal im Studio von Gosha Ohsiek. Meistens, weil sie ihre Haare am Rücken loswerden wollen, sagt die Kosmetikern. „Männer sind empfindlicher als Frauen“, auch, weil deren Haare dicker seien und tiefere Wurzeln hätten. Intimrasur hat sie für Männer übrigens nicht im Angebot. „Da ist meine Grenze, da bin ich noch ein bisschen konservativ erzogen“, sagt sie.

Geekelt hat sich Gosha Ohsiek noch nie. Mehr Respekt habe sie vor Blut. Eigentlich wollte sie beruflich in die Medizin gehen, doch sie konnte kein Blut sehen. Also wurde es die Kosmetikbranche. Dass es zu ihrem Geschäft gehört, Trends zu folgen und Schönheitsideale zu erfüllen, ist für sie kein Problem. „Wir haben genug Demokratie und Freiheiten, sodass jeder für sich entscheiden kann, was für ihn schön ist. Ich kenne viele Frauen, die sich schön finden, wie sie sind. Das imponiert mir.“

Tipp 1: Nach der Rasur die Sonne meiden

Wer sich morgens rasiert oder die Haare mit Wachs entfernt hat, der sollte an dem Tag unbedingt die Sonne meiden. Denn bei der Rasur werden nicht nur die Haare entfernt, die die Haut vor der Sonne geschützt haben. Auch die obersten Hautschuppen werden abgetragen. Heißt: Das Risiko eines Sonnenbrands steigt.

Tipp 2: Geld sparen

Für eine Haarentfernung muss man tiefer in die Tasche greifen als für einen Rasierer im Drogeriemarkt. Wer sich einen Besuch beim Kosmetiker nicht ständig leisten will oder kann, dem empfiehlt Gosha Ohsiek im Zeitraum zwischen den Behandlungen den Epilierer benutzen. Dieser entfernt die Haare nicht nur langfristiger, sie wachsen auch weniger dicht nach.

Tipp 3: Die Haut schützen

Weil die scharfen Klingen des Rasierers die Haut schädigen können, sollte man die Haut vor Reizungen schützen. Dabei bietet sich eine regelmäßige Pflege mit Cremes an. Auch Rasierschaum schützt vor Verletzungen. Ein Tipp: Wer auf den Schaum verzichten möchte, kann stattdessen Pflegeöl auftragen. Das lässt den Rasierer leichter gleiten.