Rathaus in Korntal sinkt ab Schiefe Tische, Rückenprobleme und krumme Fenster

Von Stefanie Köhler 

Das Korntaler Rathaus ist seit 1988 um fast 30 Zentimeter eingesunken. Derzeit ist es stabil – doch irgendwann wird es neu gebaut werden müssen. Es gibt sogar einen Evakuierungsplan.

Das Rathaus in Korntal sinkt ab - irgendwann wird es neu gebaut werden müssen. Foto: factum/Bach
Das Rathaus in Korntal sinkt ab - irgendwann wird es neu gebaut werden müssen. Foto: factum/Bach

Korntal-Münchingen - Das Korntaler Rathaus ist auf instabilem Boden errichtet und führt deshalb bekanntermaßen ein bewegtes Eigenleben. Dieses hat sich aber offenbar beruhigt. Seit 1988 dokumentiert Korntal-Münchingen, wie das Gebäude am Saalplatz absinkt. Dazu werden definierte Fassadeneckpunkte und die innen liegenden Stützen vermessen. „Bei den letzten Messungen zwischen 2010 bis 2016 haben sich keine maßgeblichen Veränderungen ergeben. Auch an den Gipsmarken im Gebäude sind keine aktuellen Veränderungen erkennbar“, sagt Sonja Widmann. Die Fachbereichsleiterin Hoch- und Tiefbau der Stadt nennt den Zustand des Rathauses als „aktuell stabil“. Das Bauamt hat aus dem Grund den Messrhythmus vergrößert. „Wir werden dieses Jahr wieder eine Vermessung veranlassen“, sagt Widmann.

Seit 1988 waren es „nur“ fünf bis sieben Millimeter

Das Rathaus wurde 1961 gebaut. Schon wenige Jahre später bekamen die Wände erste Risse. Binnen 30 Jahren ist das Gebäude stellenweise um 29 Zentimeter abgesackt. „Die Höhenveränderungen in Bezug auf das Ausgangsjahr 1988 liegen zwischen plus sieben und minus 52 Millimeter“, sagt Sonja Widmann. Das hat Folgen: Mitarbeiter mit Rückenproblemen, schiefe Tische, die unterlegt werden müssen, neue Fenster, die den Verformungen des Gebäudes angepasst sind, abgesicherte Steinplatten an der Außenfassade, damit sie nicht runterfallen.

Um das Rathaus als Ganzes zu sichern, hat die Stadt 1992 nachträglich Pfähle unter den Boden einsetzen lassen. Aus Platzgründen sind sie jedoch zu schmal, und so besteht das Problem des Absackens weiter. Beim Bau des Rathauses verzichtete die Verwaltung aus Kostengründen auf ausreichend große Stützpfähle – dabei musste das Vorgängergebäude wegen Verformungen abgerissen werden.

Korntal steht auf Gipskeuper

Die Ursache des einsackenden Bodens liegt im Untergrund des Stadtteils: Korntal steht auf Gipskeuper. Wenn in diesen Boden Wasser dringt, wäscht es den Gips aus – meterlange und metertiefe Hohlräume entstehen, die einbrechen können. Das so genannte Dolinen-Phänomen tritt in Korntal entlang zweier Achsen auf. In Nord-Süd-Richtung hangabwärts betrifft es den Bereich um die Goerdeler Straße. Das Zentrum der unterirdischen Hohlräume ist der Saalplatz. In West-Ost-Richtung verläuft die Achse von der Südstraße südlich der Bahnlinie bis nach Zuffenhausen. Der Schwerpunkt des Problems ist der Sportplatz an der Jahnstraße. Seit 2010 investierte die Stadt mehr als eine halbe Million Euro in die Sicherung des Geländes.

Aufgrund der beruhigten Lage am Saalplatz denkt die Stadt derzeit auch nicht an einen Neubau des Rathauses. „Lang- bis mittelfristig könnte das Thema im Zuge der Neugestaltung der Stadtmitte Korntal diskutiert werden, eventuell beim dritten Bauabschnitt“, sagt die Sprecherin Angela Hammer. Der erste Bauabschnitt ist seit 2017 beendet, der zweite soll dieses Jahr beginnen. Das Feuerwehrhaus weicht dann den geplanten Stadtvillen. Falls das Korntaler Rathaus wider Erwarten evakuiert werden muss, gibt es für die 45 Mitarbeiter einen Notfallplan. Als Ausweichquartier dient der Bürgertreff an der Görlitzstraße.




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