Rathaus in Stuttgart Körner als Chefberater ist Chance und Risiko zugleich
Die Berufung des Sozialdemokraten Martin Körner in die Chefetage des Stuttgarter Rathauses ist ein Wagnis, findet unser Autor Thomas Braun.
Die Berufung des Sozialdemokraten Martin Körner in die Chefetage des Stuttgarter Rathauses ist ein Wagnis, findet unser Autor Thomas Braun.
Auf den Chefsessel im Rathaus hat es Martin Körner nicht geschafft. Sein Ergebnis bei der OB-Wahl 2020 war mit 9,8 Prozent desaströs, auch wenn ihm damals mit Marian Schreier ein innerparteilicher Konkurrent aus dem Nichts Wählerstimmen streitig gemacht hat. Unter Körners Führung verlor die SPD seit 2014 an Stimmen und stellt nur noch sieben Stadträte. Und auch bei Landes- und Bundestagswahlen mussten die Genossen trotz des vermeintlichen, mit rhetorischem Talent gesegneten Hoffnungsträgers Verluste hinnehmen. Jetzt also zieht es Körner auf den Stuhl neben dem OB. Dass er strategisch denken kann, hat er dadurch bewiesen, dass es ihm wieder gelang, seine gerupfte Fraktion (Rathausspott: „Sieben Zwerge“) als Zünglein an der Wage zwischen den Grünen und der CDU zu positionieren, um so letztlich SPD-Positionen etwa im Haushalt oder beim Thema Wohnungsbau durchzusetzen.
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Ob Körner es auch schafft, frischen Wind in die Chefetage des Rathauses zu bringen, bleibt abzuwarten. Mit Nopper hat er einen Chef über sich, der viel Freude am Repräsentieren zeigt, aber dessen Vision für die Großstadt von morgen bisher im Dunkeln blieb. Zudem läuft die SPD Gefahr, für Noppers Politik mitverantwortlich gemacht zu werden. Und bei der CDU runzelt so mancher die Stirn, dass der OB ausgerechnet einem Genossen die strategische Planung überlässt. Für Nopper und Körner ist die Personalie insofern Chance und Risiko zugleich.