Paukenschlag im Stuttgarter Rathaus. Nach langer Suche ist Rathauschef Frank Nopper (CDU) bei seiner Suche nach einem Chefstrategen für seine Politik fündig geworden. Der Name ist auch für Rathausinsider eine faustdicke Überraschung.
Nopper will den derzeitigen SPD-Fraktionschef im Gemeinderat, Martin Körner, zu seinem Chefstrategen berufen. Er tritt damit formal die Nachfolge von Michael Münter als Leiter der Stabstelle für strategische Planung an. Münter hatte im vergangenen Jahr das Rathaus verlassen und ist jetzt Amtschef im Umweltministerium. Zuvor hatte sich der Rathauschef nach Informationen unserer Zeitung trotz monatelanger Suche nach einem geeigneten Kandidaten nur Absagen eingehandelt.
Nopper bestritt gegenüber unserer Zeitung einen Mangel an Aspiranten: Es habe „viele Initiativbewerbungen gegeben – mehr, als mir lieb war“. Die Variante Martin Körner sei schon seit geraumer Zeit zwischen ihm und dem Sozialdemokraten Gesprächsthema gewesen. Nopper: „Martin Körner ist der richtige Mann für diese wichtige Aufgabe. Er ist ein erfahrener und strategischer Kopf, er hat mein volles Vertrauen.“ Nopper hob insbesondere Körners gute Kontakte als früherer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion ins Land hervor.
Körner gilt als versierter Rhetoriker und politisch gut vernetzt
Körner gilt als versierter Rhetoriker und politisch gut vernetzt. Der 51-Jährige ist studierter Volkswirt und war lange Jahre Bezirksvorsteher in Stuttgart-Ost. Bei der OB-Wahl 2020 war der Sozialdemokrat gegen den späteren Sieger Frank Nopper angetreten, hatte aber nach dem ersten Wahlgang, da er nur knapp zehn Prozent der Wählerstimmen erhielt, die Segel gestrichen.
Seit dem Jahr 2014 führt er die mittlerweile auf sieben Mitglieder geschrumpfte SPD-Fraktion im Rathaus und arbeitet nebenbei in Teilzeit als parlamentarischer Berater der SPD-Landtagsfraktion. Im Gemeinderat hatte er sich in den vergangenen Jahren vor allem für eine aktivere kommunale Wohnungsbaupolitik eingesetzt.
Körner: Entscheidung für den Job „nicht erst gestern gefallen“
Körner sagte auf Anfrage, er sei „motiviert, auch in der neuen Funktion für eine gute Zukunft der Stadt zu arbeiten“, und sehe sich da mit dem OB auf einer Linie. Angesprochen auf seine SPD-Mitgliedschaft und die Konkurrenz zu Nopper im OB-Wahlkampf betonte er, es sei „gerade die Stärke der baden-württembergischen Kommunalverfassung, dass man über Parteigrenzen hinweg für das Gemeinwohl arbeiten kann“. Die Entscheidung, das Angebot Noppers anzunehmen, sei „auch nicht erst gestern gefallen“, betonte Körner. Er freue sich nun auf die neue Herausforderung.
Keine Mehrheit im Rat für Noppers Pläne zur Neustrukturierung
Seine Pläne für den Umbau seines Referats hat Frank Nopper dagegen vorerst auf Eis gelegt. Gegen die Idee, die meisten Stabsstellen und Ämter in seinem Geschäftsbereich auf die verschiedenen Ressortbürgermeister zu verteilen und stattdessen einen Beraterkreis um sich zu scharen, der Strategien für den OB entwickeln und ausarbeiten soll, hatte es bei der ökosozialen Ratsmehrheit, aber auch in den betroffenen Abteilungen erheblichen Widerstand gegeben. Der Rathauschef erklärte dazu:„Ich bedaure, dass die Gemeinderatsmehrheit nicht mitmacht. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir mit der von mir vorgeschlagenen Organisationsstruktur schlagkräftiger und umsetzungsfähiger geworden wären – gerade auch beim Klimaschutz. Eine Umsetzung nur einzelner Bausteine der Organisationsreform macht jedoch keinen Sinn.“
Als neuer Kopf der strategischen Planung im Rathaus fungiert Martin Körner künftig als Einflüsterer des Oberbürgermeisters, wenn es um die zentralen Politikfelder der Landeshauptstadt geht. Er soll jenes Zehn-Punkte-Programm mit Inhalt füllen, das Nopper bei Amtsantritt präsentiert hat, ohne es bisher konkretisiert zu haben.
Nopper und Körner schon im OB-Wahlkampf auf Schmusekurs
Überschneidungen zwischen dem OB und Körner gab es schon im OB-Wahlkampf. Schon damals hatte sich CDU-Bewerber Nopper wohlwollend über eine mögliche Kooperation mit seinem SPD-Konkurrenten Körner gezeigt: Gegenüber dem Internetsender Stuggi-TV hatte Nopper auf eine entsprechende Zuschauerfrage geantwortet, er könne sich das durchaus vorstellen. Die inhaltlichen Schnittmengen zwischen ihm und Körner seien etwa beim Thema Wohnraumoffensive, aber auch bei der Haltung pro Stuttgart 21 sehr groß, so der OB damals. Körner gilt bis heute als erklärter Befürworter des umstrittenen Bahnprojekts. Während Körner gegen den Amtsvorgänger Noppers, Fritz Kuhn (Grüne), immer wieder schwere verbale Geschütze aufgefahren hatte, agierte er gegenüber dem amtierenden OB in jüngster Zeit dann vergleichsweise zurückhaltend.
Die SPD-Fraktion war von Körner am Dienstagvormittag über seinen Wechsel von der Fraktions- auf die Rathausbank in Kenntnis gesetzt worden. Der Kreisvorstand der Grünen kommentierte Martin Körners Karrieresprung ziemlich bissig: „Den Fraktionsvorsitzenden der SPD zum Chefstrategen zu ernennen ist noch lange kein Plan, um die großen Aufgaben und Herausforderungen Klimakrise, Mobilität und Wohnen strategisch anzupacken.“