Lautstark ruft die Kindergarde „Bürgermeister komm heraus“, doch der Rathauschef lässt sich nicht erweichen, vielmehr versucht er mit einem Korb voller Süßigkeiten die Kinder zu beschwichtigen. Aber der Bestechungsversuch klappt nicht, der Korb ist nicht gut genug gefüllt. Und so tritt Chefankläger Harald Lutz, Ehrenpräsident der Karnevalisten, auf die Bühne mit einer langen Liste von Anklagepunkten, gibt dem Oberbürgermeister aber zunächst Gelegenheit, seine Amtszeit Revue passieren zu lassen.
„Seit über sieben Jahren mit Bedacht, hab ich mein Bestes hier vollbracht. Für Leonberg mit Herz regiert, geplant, gestaltet und geführt.“ Viele schöne Momente nehme er mit und dankt seinen Bürgern, die sich in großer Zahl auf dem sonnigen Leonberger Marktplatz versammelt haben. „Und ja, ich gehe – aber doch nicht ganz fort, denn Leonberg bleibt mein Herzensort.“
Auf der Liste der Anklagepunkte ganz oben steht die Idee von Cohn, nach dem Auszug von Karstadt das Bürgeramt in das Leo-Center auf die leer stehende Fläche zu verlegen. Er kontert, dass die Ämter einfach an einen besseren Ort sollten, „denn alt und morsch ist das Gemäuer, zu heiß im Sommer, im Winter teuer“. Ob der neue Manager das Center retten könne, kann auch Cohn nicht sagen. „Wir hoffen auf ein gutes Ende, nur kluge Pläne schaffen eine Wende“, dichtet er.
Nicht alles ist die Schuld des OB
In einem Punkt sind sich der Ankläger und das Stadtoberhaupt einig, dass die Verwaltung überlastet sei durch Aufgaben von EU, Staat und Land. „Die Verwaltung ist am Limit hier, zu viele Regeln, zu viel Papier. Europa, Bund und Länder entscheiden, und wir vor Ort, wir dürfen leiden“, ist Cohns Sichtweise.
Und an diesem Beispiel wird deutlich: Nicht alles, was angeklagt wird, hat ein OB zu verantworten, so etwa der Weggang des Rettungshubschraubers und die Schließung der Notfallpraxis. Cohn sieht es als Zeichen, dass das Land die Bürgersorgen nicht verstehe. Auch die Kritik an langen Wartezeiten an der Zulassungsstelle gibt Cohn weiter, in diesem Fall an den Landrat. „Herr Landrat, da muss mehr Schwung, mehr Service rein, bitte lass unsere Bürger nicht allein. Denn der Altkreis ist für dich ein starkes Pfund, ohne ihn ginge es in Böblingen gar nicht rund.“
Weiter geht es mit dem Rundumschlag des Anklägers: „Das neue Rathaus ist schon zu klein, eine Außenstelle im Haus am Parksee könnte die Lösung sein, denn mit den Flüchtlingen dort klappt es wohl nie, liegt das an der ausufernden Bürokratie?“ Dem stimmt Cohn zu, „wir bräuchten Platz, doch wo genau? Das Haus am Parksee wäre eine Idee, doch Bürokratie ist oft das Weh. Die Verwaltung sucht Lösungen, das ist klar, doch der Rat findet es selten wunderbar“.
Auch die zahlreichen Baustellen, die den Verkehrsfluss stören, nimmt Lutz aufs Korn, genauso seit längerem fehlende Platten auf dem Gehweg der Schlossstraße. Cohn sichert zu, „das ist notiert“.
Alle Verteidigung nutzt nichts, das närrische Volk ist unzufrieden und hat entschieden, dass alle noch vorhandenen Bürgermeister ersetzt werden. Und so nehmen die bereitstehenden Leonberger Waldhexen ihren Rammbock in die Hände, stürmen das Rathaus und führen den gefesselten Martin Georg Cohn auf den Marktplatz. Drei Strafen werden ihm auferlegt.
Das macht der Ob doch glatt mit links
Lutz fordert für die Wartenden vor dem Bürgeramt Liegestühle und Getränke, einen darf Cohn zur Übung aufstellen. Dann noch schnell eine Bierflasche und eine Weinflasche öffnen, doch hier haben die Narren dem OB einen Streich gespielt, der Flaschenöffner ist kaputt und der Korkenzieher ist für Linkshänder ausgelegt. Aber Cohn schafft es dennoch, beide Flaschen zu öffnen und so wird er schließlich aus den närrischen Fängen entlassen.
Bis zur Öffnung der Geschäfte zum verkaufsoffenen Sonntag vertreiben sich die tausenden Besucher die Zeit auf dem Marktplatz beim Festival der schrägen Töne mit zahlreichen Guggenmusiken, angeführt von den Leo Valentinos und den Stuttgarter VIP-Guggen.