Rathaussturm in Rutesheim Gumpa-Hexa drehen alles gründlich durch den närrischen Fleischwolf

Ab sofort regieren die Narren: Rutesheims Bürgermeisterin Susanne Widmaier wird von den Gumpa-Hexen abgeführt. Foto: Simon Granville

Die Fasnet ist in Rutesheim eingeläutet: Die Ruademser Gumpa-Hexa jagen die Bürgermeisterin und den Ersten Beigeordneten aus den Verwaltungsräumen – das letzte Mal.

Wenn die Ruademser Gumpa-Hexa anrücken, ist klar: Im Rutesheimer Rathaus gilt für ein paar Stunden nicht mehr die Gemeindeordnung, sondern das närrische Gewohnheitsrecht. Am Donnerstag war es wieder so weit – Besen statt Beschlussvorlage, Spott statt Sitzungsprotokoll.

 

Eine Besonderheit in diesem Jahr: Es war der letzte Rathaussturm für die Bürgermeisterin Susanne Widmaier und den Ersten Beigeordneten Martin Killinger. Beide scheiden 2026 aus dem Amt. Entsprechend lag über dem närrischen Schlagabtausch auch ein Hauch von Abschied. Als die Hexen das Zepter forderten – „Mit diesem Zepter endet Eure Macht!“ – war klar: Ein Kapitel Rathausgeschichte neigt sich tatsächlich dem Ende zu.

Die Bürgermeisterin überlässt das Rathaus nicht kampflos den Narren

Doch kampflos überlassen wollten Widmaier und Killinger das Feld auch bei ihrem Finale nicht. „Kein Zugang für Euch!“, rief die Bürgermeisterin, die wie der Erste Beigeordnete und die gesamte vor der Rathaustür Wache schiebende Verwaltungsmannschaft in „Schaffer-Uniform“ gekleidet war. Also Türen verriegeln, Haltung bewahren, Humor behalten – auch das ist Verwaltungskunst.

Susanne Widmaier und Martin Killinger: Gefangen in den Baugeschäften? Foto: Simon Granville

Die Gumpa-Hexa hatten einige Anklagepunkte mitgebracht, die sie bei Schmuddelwetter lautstark auf dem Rathausplatz vortrugen – während sich die Rathauschefin und ihr Erster Beigeordneter oben am Fenster zu verteidigen versuchten. „Heut isch koin normaler Tag“, riefen die Hexen – und drehten Rutesheimer Bauprojekte, Kläranlage und Wärmenetz einmal gründlich durch den närrischen Fleischwolf. Besonders die neue Kläranlage bekam ihr Fett weg. „Filter rein für diesen Saft, der Hormone und Antibiotika schafft!“

Zu teuer, zu technisch, und der Klärschlamm womöglich bald als Wellnessprodukt? „Schlamm isch gut für Haut und Haar“, tönte es vom närrischen Podium. Doch billiger wär’s doch, das Zeug einfach in den Bach zu lassen: „Dann wird Rutesheim ganz anders wach.“

Es geht um Wohnquartier, Bosch-Areal und Sonnenschirme

Bürgermeisterin Susanne Widmaier konterte schlagfertig. „Ab in den Bach? Das geht nicht, ist doch klar. Wir schau’n auf Verantwortung – und das Jahr für Jahr!“ stellte sie fest – und dozierte mit sichtlicher Freude über „Pfropfenstromreaktoren“ und moderne Technik. Ganz nebenbei hatte sie für die Hexen noch ein Geschäftsmodell parat: Klärschlamm mit Mehrwertsteuer gegen Falten – der Haushalt würde es danken.

Auch beim Thema Beschattung im Ortskern prallten Welten aufeinander. Die Hexen setzten auf den schnellen Sonnenschirm – billig, praktisch, narrensicher. Die Bürgermeisterin hielt dagegen: Planung brauche Zeit, Hirn und Mut. Ein Schirm ohne Fundament? „Beim ersten Sturm is’s ausg’schalt.“

Bei den Hexen bleibt kein Projekt in Rutesheim unkommentiert

Zu langsam schreiten den verkleideten Gestalten offenkundig auch die Planungen für das neue Wohnquartier auf dem ehemaligen Bosch-Areal voran. „Mir dachtet scho, s’isch Hexerei im Spiel, die Bauplän’ flogen langsamer als unser Besenstiel.“ Von wegen, konterte die Rathauschefin: „Das war keine Hex’, eher Prüfung von Geduld und Text. „Pläne fliegen nicht wie Besen geschwind, und Fehler später unter Umständen sehr teuer sind.“

Kein Projekt blieb unkommentiert – auch nicht der künftige Dallmayr-Kaffeeduft im neuen Gewerbegebiet Gebersheimer Weg. Die Hexen sprachen von zähen Verfahren und endlosen Plänen, das Rathaus verwies auf Sorgfalt und Weitblick. Zwischen Baggern, Baustellen und Bürgermeisterwahl wurde aber auch deutlich: In Rutesheim wird gebaut – und diskutiert.

Die Rathausspitze wird auf eine Baustelle verbannt

Am Ende blieb das, was bleiben soll: Viel Gelächter, spitze Worte, ein Rathaus, das für ein paar Stunden Kopf stand – und zwei Rathausspitzen, die ihren letzten Sturm mit sichtlicher Routine und einem Augenzwinkern meisterten. Und dann wurden die beiden auf dem Rathausplatz gar in eine abgesperrte Baustelle verbannt – die Narren hatten das Zepter nun in der Hand.

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