Zu wenige Inhalte, zu viele Bilder – Altbundespräsident Christian Wulff hat bei einem Besuch in Stuttgart die Auftritte mancher Politiker auf Social Media kritisiert. Dabei nahm er auch die CSU aufs Korn: „Ich finde gerade die Christlich Demokratische Union und vor allem die Christlich Soziale Union die sollte begreifen, dass gerade das ‚christlich’ an Stil und Inhalt besondere Anforderungen stellt“, sagte Wulff beim Sommerfest der CDU-Landtagsfraktion am Donnerstagabend in Stuttgart. „Ich empfehle uns, dass wir mit frauenfeindlichen Vergleichen aufhören, dass wir mit ständigem Posten von Essen aufhören, dass wir eine gewisse Ernsthaftigkeit einführen und dass wir nicht weiter Selfies produzieren“. Stattdessen sollten Politiker „einfach mal arbeiten, und wenn wir Entscheidungen getroffen haben, die bekannt geben.“
Wulff warnt vor Kulturkämpfen
Spitzenpolitiker kommen heute nicht mehr um Social-Media-Auftritte herum. Die meisten werden von professionellen Teams begleitet. Der Altbundespräsident mahnte zu einer ausgeruhteren Debatte im Netz: „Wir sollten wirklich Kulturkämpfe abschließen, wir sollten sie lassen. Davon profitieren nur die radikalen Ränder, die Mitte kann niemals bei Kulturkämpfen Erfolge erzielen.“
Wulff: Migration nicht die Mutter aller Probleme
Auch CDU-Fraktionschef und Spitzenkandidat Manuel Hagel sprach sich an dem Abend dafür aus, Brücken zu bauen. Das Trennende hervorzuheben, passe nicht zu Baden-Württemberg und nicht zur bürgerlichen Mitte, sagte er. Wulff mahnte, der gesellschaftliche Zusammenhalt gehe alle an. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung sei in einem Maße angewachsen, dass es die Politiker beschäftigen müsse. Migration als Mutter aller Probleme auszumachen, „das halte ich für Quatsch“, sagte der frühere Bundespräsident. Baden-Württemberg sei ohne Migration nicht vorstellbar.
Der Auftritt von Christian Wulff bildete den Auftakt einer Reihe von prominenten Unionspolitikern, die Hagel im Landtagswahlkampf begleiten werden.