Ludwigsburgs Schädlingsbekämpfer stehen unter Druck – durch neue Gesetze, enge Budgets und Bürger, die ihnen aus Tierliebe die Arbeit erschweren.

Ludwigsburg : Anna-Sophie Kächele (ask)

In jeder Stadt leben Ratten und in jeder Stadt gibt es Orte, an denen die Nager aus der Kanalisation nach oben kommen und auf Menschen treffen. Nachgefragt bei der von der Stadt beauftragten Firma für Schädlingsbekämpfung stellt sich heraus: Die größte Herausforderung bei ihrer Arbeit sind nicht die steigenden Ratten-, Schaben- und Ameisen-Populationen – sondern Menschen und ein neues Gesetz.

 

Die Firma P.S.D. Schädlingsbekämpfung wird in der Region nicht nur von der Stadt Ludwigsburg beauftragt – auch Stuttgart und Remseck gehören zu ihren Kunden. „Das Problem mit den Ratten haben alle Kommunen“, sagt Geschäftsführer Jürgen Dobusch. Ratten würden sich rasant vermehren, und wenn das Futterangebot in der Kanalisation nicht ausreiche, würden sie oberirdisch in den großen Müllcontainern auf die Suche gehen – oder dort, wo Abfall öffentlich herumliegt. „Der Bahnhof und Marktplatz sind hier besonders anfällig“, sagt Dobusch. „Genauso wie Schulen und Flüchtlingsunterkünfte.“

Schädlingsbekämpfung wird teurer

Auch im Stadtteil Grünbühl stand das Thema erst kürzlich auf der Ausschuss-Agenda. In der Eichendorff- und Donaustraße wurden immer wieder Ratten gesichtet. Von einer Rattenplage zu sprechen, wäre allerdings übertrieben, beruhigte die Stadtteilbeauftragte Tanja Renner. „Eglosheim hat aber genauso seine Bereiche wie Poppenweiler und Neckarweihingen – die Ratten wandern“, sagt Dobusch.

Ab dem 1. Juli 2026 ändert sich das Gesetz und damit die Arbeit der Schädlingsbekämpfer: Der Einsatz von Dauerködern gegen Ratten und Mäuse wird verboten, wenn kein schwerwiegender Befall nachgewiesen ist. „Wir Schädlingsbekämpfer haben deshalb große Bauchschmerzen“, sagt Dobusch. Durch die neue Regelung müssten sie häufiger beim Kunden erscheinen „und das wird teurer“. Er befürchtet steigende Populationen. Der Grund für die Maßnahme auf EU-Ebene: Andere Tiere wie Katzen, Greifvögel und Wildtiere, die Köder fressen oder vergiftete Ratten erbeuten, sollen dadurch geschützt werden.

Ratten eindämmen ist Daueraufgabe

„Je länger die Schädlinge im Gebäude sind, desto länger brauchen wir, bis wir es in den Griff bekommen“, sagt Dobusch. Deshalb sei ein präventives Monitoring so wichtig – doch von dem wüssten wenig Menschen. Selbst Gastronomen, die dazu verpflichtet sind, „sind sich dessen häufig nicht bewusst“. Dazu komme, dass Privatpersonen immer weniger Geld für die Schädlingsbekämpfung ausgeben wollen – und bei den Kommunen Löcher im Haushalt klaffen.

Auch Tauben- und Katzenfutter lockt Ratten an. Foto: Michael Brandt/dpa

In Ludwigsburg gibt man jährlich schätzungsweise 70 000 Euro für die Bekämpfung von Ratten aus. „Das ist eine Daueraufgabe“, sagt Bürgermeister Sebastian Mannl. Die Stadt würde das machen, was notwendig sei. „Da können wir nicht sparen“, sagt Mannl. Auch bei der Stadtreinigung habe man keine Personalkosten eingespart. In den Jahren, in denen er Bürgermeister sei, habe es ruhige Jahre gegeben und Phasen, in denen wieder vermehrt Ratten auftauchen.

Ratten können Krankheiten wie den Hantavirus oder Salmonellen übertragen und Schäden an Kabeln und Isolationen von Fassaden verursachen. „Trotzdem sind wir tagtäglich Anfeindungen ausgesetzt“, sagt Dobusch. Seinen Mitarbeitern werde vorgeworfen, Tiermörder zu sein.

„Wir sind keine Tierfeinde, wir differenzieren aber zwischen einem Schädling, der die Gesundheit des Menschen gefährdet und einem anderen Tier“, sagt Dobusch. Der Unmut der Bevölkerung gehe so weit, dass die Öffnungen von Fallen mit Bauschaum zugemacht werden. Dabei gehört zur Wahrheit: „Ratten werden wir nicht komplett in den Griff bekommen – weil sie viel zu schlau sind und die Kommunen kein Geld haben, für eine dauerhafte, effektive Bekämpfung“, so Dobusch. Dennoch habe die Stadt Ludwigsburg das Thema gut im Griff.

Population eindämmen

Prävention
Um Rattenbefall vorzubeugen, rät die Stadt Ludwigsburg dazu, Abfallbehälter fest verschlossen zu halten, den Müll nicht neben den Tonnen zu lagern und Futterquellen für Haus- und Wildtiere nicht unkontrolliert stehen zu lassen.

Gebäude
Offene Stellen, die ins Haus führen – etwa Öffnungen zur Lüftung – sollten mit engmaschigen Gittern verschlossen werden.