Raub, Diebstahl, Sexualdelikte Wie sicher ist Ludwigsburg?

5041 Straftaten zählte die Polizei in der Barockstadt im vergangenen Jahr. Foto: dpa/Marijan Murat

Der Akademiehof und der Ludwigsburger Bahnhof gelten als unsichere Pflaster. Doch ist dieser Ruf berechtigt? Wie sah es mit der Kriminalität in der gesamten Stadt 2021 aus?

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

In Ludwigsburg muss niemand Angst haben, Opfer eines Verbrechens zu werden. So sieht es zumindest Guido Passaro. „Unter den Begebenheiten lebt man absolut sicher“, sagt der Leiter des des Polizeireviers. Belegen kann er das auch.

 

Gerade einmal 5041 Straftaten weist die Statistik für das vergangene Jahr aus – der Wert liegt damit so niedrig wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Für eine Stadt mit mehr als 90 000 Einwohnern durchaus beachtlich. Allerdings spielte die Pandemie eine erhebliche Rolle. Die Entwicklung in der Stadt folgte damit der im Kreis und im Land.

2020 gab es Covid zwar auch schon, aber in Ludwigsburg 364 Straftaten mehr. Der Lockdown im vergangenen Jahr schlug also durchaus zu Buche. „Wenn die Läden geschlossen sind, ist kein Ladendiebstahl möglich. Und wenn die Leute zu Hause sind, haben es Einbrecher viel schwerer“, so Passaro. Deshalb rechne er damit, dass die Zahlen in diesem Jahr wieder ansteigen werden.

Deliktsbereiche Diebstähle, leichte und schwere Körperverletzung, Raub und Einbrüche: in all diesen Bereichen gab es 2021 weniger Anzeigen als im Vorjahr. Etwas Sorgen bereitet hingegen der Blick auf die „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“. Mit 130 Anzeigen – darunter 15 Vergewaltigungen – stieg die Zahl dieser Delikte um 49. Passaro erklärt das zum einen damit, dass sich Paare im Lockdown „auf die Pelle gerückt sind“ und sich zu Hause schlechter aus dem Weg gehen konnten. Zum anderen sei die Hemmschwelle solche Taten anzuzeigen deutlich gesunken. Dazu habe auch die #metoo-Bewegung ihren Teil beigetragen. Dass alle Vergewaltigungen aufgeklärt werden konnten, zeige, dass das Bild „vom Mann hinter dem Busch, der sich an einer Fremden vergeht“ keineswegs stimme, so Passaro. Häufig würden sich Täter und Opfer bereits kennen.

Auch Rauschgiftdelikte haben wieder etwas zugenommen (von 599 auf 617). „Wenn man die Leute auf der Straße kontrolliert, dann geht auch mal jemand mit Drogen ins Netz“, sagt Passaro. „Man sieht: Wir haben gut kontrolliert.“ Insgesamt bewege sich die Kriminalität aber weg von der Straße ins Netz. Dort und am Telefon waren Betrüger auch während Corona erfolgreich. So gut die Präventionsarbeit mittlerweile beispielsweise beim Thema Einbruch greife, am Hörer oder über Whatsapp – das ist die neuste Masche – ergaunern sich Betrüger immer noch viel zu oft große Summen. „Das geht bis in den sechsstelligen Bereich“, sagt Passaro.

Brennpunkte Am Bahnhof hat sich die Situation im vergangenen Jahr kaum geändert. Schlägereien und Drogendelikte sind hier an der Tagesordnung. 378 Straftaten registrierte die Polizei rund um den Verkehrsknoten. Darüber brauche man sich bei der Zahl der Menschen, die sich dort aufhalten aber nicht wundern, sagt Heinz Mayer, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung. „Das ist auf jedem Bahnhof der Welt ähnlich“, so Passaro. Auf dem Akademiehof sei es in diesem Jahr bislang ruhig gewesen, das könne sich aber jedes Wochenende wandeln. Die Stadt hat ein Veranstaltungsprogramm aufgelegt, mit dem vielfältigeres Publikum auf den Platz gelockt werden soll. Rund um den Marstall – in der Vergangenheit hatte es hier regelmäßig Ärger gegeben – war es laut Polizei und Verwaltung ruhig. Mit Problemplätzen sei es wie mit Kneipen, so Passaro: „Eine Zeit sind sie in, dann sind sie wieder out.“

Ortsteile Dass die Polizei in der Ost- und Weststadt (760 und 494 Straftaten) und in Eglosheim (540) öfter gerufen werde, war auch in der Vergangenheit so. Passaro begründet das mit der Einwohnerzahl: mehr Menschen, mehr Straftaten, so die einfache Rechnung. Am ruhigsten ist es übrigens in der Südstadt (80).

Dieses Prinzip lässt sich auch auf Diebstähle anwenden. Wo sich viele Menschen aufhalten, beziehungsweise Geschäfte sind, bieten sich mehr Gelegenheiten. So liegen die Innenstadt und das Tammerfeld mit dem Breuningerland in dieser Kategorie vorn.

Ein Ludwigsburger leitet das Ludwigsburger Revier

Wechsel
Das Ludwigsburger Polizeirevier hat einen neuen Chef: Guido Passaro hatte bereits zum 15. April die kommissarische Leitung übernommen. Der 52-Jährige ist damit Nachfolger von Polizeidirektor Christian Zacherle, der seit April 2022 mit dem Ziel der Versetzung zum Polizeipräsidium Ulm abgeordnet ist.

Werdegang
Der gebürtige Ludwigsburger Guido Passaro kennt das Revier in der Barockstadt seit Langem. Nach seiner Ausbildung zum mittleren Polizeivollzugsdienst begann seine Karriere dort 1992 im Streifendienst. Fünf Jahre später stieg er in den gehobenen Dienst auf. Nach seiner Ernennung zum Polizeirat im Jahr 2006 hatte er mehrere Führungspositionen beim Polizeipräsidium Stuttgart, unter anderem als Leiter des Reviers in Bad Cannstatt, inne. Anschließend kehrte er in den Kreis zurück und leitete von 2012 bis 2018 das Revier in Bietigheim. Zuletzt war er beim Führungs- und Einsatzstab als Leiter des Stabsbereichs Einsatz tätig.

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