Raubkunst: Bild geht nach Italien zurück Ein Fahndungsaufruf zeigt Wirkung

Von Almut Siefert 

Nach langer Odyssee hat Deutschland ein im Krieg geraubtes Gemälde an Italien zurückgegeben.

Eike Dieter Schmidt (li,), der Direktor der Uffizien, übergibt Bundesaußenminister Heiko Maas (re.) ein gerahmtes Foto des Gemäldes „Vaso di Fiori“.Foto: dpa/Britta Pedersen Foto:  
Eike Dieter Schmidt (li,), der Direktor der Uffizien, übergibt Bundesaußenminister Heiko Maas (re.) ein gerahmtes Foto des Gemäldes „Vaso di Fiori“. Foto: dpa/Britta Pedersen

Florenz - Die Pfingstrosen und Nelken hängen schon etwas die Köpfe, Fliegen und andere Insekten haben sich ihrer bereits bemächtigt. Auf einem rostroten Marmortisch steht die tönerne Vase mit dem üppigen Blumenarrangement. Neben der „Vaso di Fiori“ sind in der Galleria Palatina im Palazzo Pitti die Flaggen Italiens und Europas positioniert. Wie passend: Das Gemälde des Malers Jan van Huysum (1682-1749), eines Niederländers, wurde 1944 von einem deutschen Wehrmachtssoldaten aus Italien entwendet. Am vergangenen Freitag, 75 Jahre später, wurde es von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) offiziell an die Uffizien zurückgegeben.

Geraubt und verschollen

„Diese ganze Geschichte hatte von Anfang an eine europäische Dimension“, sagt Eike Schmidt, der Direktor der Uffizien in Florenz, zu denen auch der Palazzo Pitti gehört. Immerhin war das Stillleben 1824 vom toskanischen Großherzog Leopold von Habsburg-Lothringen an die Uffizien übergeben worden. Aus einem Depot in Montagnana, unweit von Florenz, wurde es dann Ende des Zweiten Weltkrieges gestohlen. Seitdem galt das Werk als verschollen. Bis die Familie des Wehrmachtssoldaten sich nach der Wende 1991 an ein bekanntes Auktionshaus wandte, um das Bild zu verkaufen. Dieses verwies wohl schlicht auf die Schwierigkeit, Raubkunst an den Mann zu bringen.

28 Jahre dauerten die Verhandlungen mit den Nachfahren, bis es zu einer Einigung kam. Über Anwälte wollten die Besitzer immer wieder eine Art „Finderlohn“ oder „Aufwandsentschädigung“ für das erbeutete Bild heraushandeln. Vergebens. Die Rückgabe soll nun unentgeltlich erfolgt sein.

„Dies ist die erste Rückgabe nach der Wiedervereinigung und damit für den Staat Deutschland auch rechtsgeschichtlich bedeutsam“, betont Schmidt. Der aus Freiburg stammende Museumsdirektor trägt großen Anteil am positiven Ausgang der jahrzehntelangen Odyssee. Am 1. Januar dieses Jahres hatte Schmidt ein Foto des geraubten Gemäldes an dessen ursprünglichen Platz im Palazzo Pitti gehängt. Darauf prangte der Schriftzug „Wanted“ - gesucht. Das Teilen via Instagram bescherte internationale Aufmerksamkeit. Die Uffizien in Florenz sind nach eigener Aussage mit 330 000 Followern das Museum mit der höchsten Reichweite in dem sozialen Netzwerk.

„Ein Museum ohne Ausstellungsstücke ist wie eine Vase ohne Blumen“, sagte Außenminister Maas am Freitag bei der Übergabezeremonie. Man könne zwar nicht behaupten, die Uffizien seien ohne die „Vaso di Fiori“ leer gewesen. Dennoch „klaffte eine Lücke“, so Maas. Die Rückgabe des Gemäldes, dessen Wert auf rund zehn Millionen Euro geschätzt wird, zeige einmal mehr, dass „das Thema Beutekunst auch mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht erledigt ist.“

Zerstörter Schwarzmarkt

Normalerweise sei es wirksamer, solche Geschichten im Schatten der Öffentlichkeit zu verhandeln, so Uffizien-Direktor Schmidt, doch irgendwann sei ihm der Kragen geplatzt und er habe sich mit seinem „Fahndungsaufruf“ für den anderen Weg entschieden. Das zeigte Wirkung: Nach einer kleinen Anfrage im Bundestag des Linken-Abgeordneten Fabio De Masi sagte die Bundesregierung ihre Unterstützung in der Sache zu. Schmidt war aber noch ein anderer Aspekt wichtig: So hatte es immer wieder Drohungen gegeben, das Werk von Van Huysum anderweitig zu veräußern, sollte der italienische Staat den Zahlungsforderungen nicht nachkommen. Der Anspruch auf Rückgabe war nach deutschem Recht nach 30 Jahren verjährt. „Durch die Veröffentlichung dieses Falls wurde quasi der Grau- und Schwarzmarkt für dieses Gemälde zerstört“, so Schmidt. Und mit der öffentlichen Debatte habe auch der Prozess der moralischen Überzeugung eingesetzt. Der ja nun, am Ende, zum Erfolg geführt hat.