Am Freitag startet das dritte Raumschiff der europäischen ATV-Reihe zur Raumstation ISS. Trotz der bisherigen Erfolge ist man gegen Probleme nicht gefeit.

Kourou - Am Freitagmorgen um 5.34 Uhr mitteleuropäischer Zeit soll der europäische Frachter ATV (englisch für automatisches Transferfahrzeug) abheben und Kurs auf die Internationale Raumstation ISS nehmen. Es ist das dritte unbemannte Raumschiff der ATV-Reihe. Ein Routineflug, könnte man also meinen. Doch die nach dem italienischen Physiker Edoardo Amaldi benannte Kapsel zeige im Vergleich zum Vorgängermodell zahlreiche Änderungen, erklärt Kris Capelle, Missionsdirektor bei der europäischen Raumfahrtagentur Esa in Toulouse.

 

Mit 6,6 Tonnen Nutzlast trage es so viel Fracht wie kein anderes ATV bis jetzt: Kleidung und Lebensmittel, Experimente und Ersatzteile sowie Wasser und Treibstoff. Dass der bevorstehende Flug keine Routine ist, zeigt sich auch daran, dass beim Verladen des Gepäcks am Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana Fehler gemacht wurden, die letztlich zu einer Startverzögerung von zwei Wochen führten.

Das Packen ist eine komplizierte Angelegenheit. Jedes Gepäckstück hat seinen Platz, der von Ingenieuren ausgesucht wird, damit das ATV möglichst sicher fliegt. „Die Fracht wird mit Riemen befestigt“, erläutert Hans Peter Leiseifer, Chefingenieur des ATV-Systems. Bei einer Inspektion hätten Techniker Zweifel gehabt, ob an manchen Stücken die Riemen richtig sitzen. Während der laufenden Startvorbereitungen rechneten die Ingenieure mögliche Schadenszenarien durch. „Die Tests zeigten, dass es nicht sicher ist“, sagt Leiseifer. „Da mussten wir in den sauren Apfel beißen und das ATV, das bereits in der Rakete integriert war, noch einmal öffnen.“

Der Frachter wird ohne fremde Hilfe andocken

Eine Stunde nach dem Start soll sich der Transporter, der von einem Industriekonsortium unter Führung von Astrium in Bremen gebaut wurde, morgen von der Raketenoberstufe lösen. Dann spannt er seine Solarpaneele auf und arbeitet sich anschließend schrittweise auf den 385-Kilometer-Orbit der ISS herauf. Mit einem Tempo von 28 000 Kilometern pro Stunde rasen beide um die Erde, wobei sich der Transporter mit rund sieben Zentimetern pro Sekunde der Raumstation von achtern nähert, um automatisch anzudocken. Das soll dem Plan zufolge am 29. März kurz nach Mitternacht geschehen.

Bis September wird das ATV an der Station ankern. „In dieser Zeit wird es der Motor der ISS sein“, sagt der Missionsdirektor Capelle. „Mit Hilfe seines Treibstoffs wird die Station regelmäßig angehoben, weil sie durch die Reibung an der Restatmosphäre ständig Höhe verliert.“ Jeden Tag geht es immerhin 50 bis 100 Meter nach unten. Am Ende des Aufenthalts wird der Transporter mit Stationsmüll beladen und in den Südpazifik stürzen. „Wir sorgen dafür, dass dort zu dieser Zeit keine Schiffe und keine Flugzeuge sein werden“, sagt Capelle.

In den nächsten zwei Jahren sind noch zwei weitere ATV-Flüge zur Raumstation geplant, wobei jeder einzelne Kosten von rund 450 Millionen Euro verursacht und als europäischer Beitrag in der Bilanz der ISS verrechnet wird. Wie es danach mit der ISS weitergeht, ist Thema auf mehreren Fachtagungen in diesem Jahr.