Raumfahrt China bestreitet Gefahr durch herabfallende Raketenstufe

Das zentrale Raketensegment, das den 22,5 Tonnen schweren Kern von Chinas neuester Raumstation in die Umlaufbahn gebracht hat, soll am Samstag an einem unbekannten Ort wieder auf die Erde stürzen. Foto: Ju Zhenhua/Xinhua via AP/dpa Foto: dpa
Das zentrale Raketensegment, das den 22,5 Tonnen schweren Kern von Chinas neuester Raumstation in die Umlaufbahn gebracht hat, soll am Samstag an einem unbekannten Ort wieder auf die Erde stürzen. Foto: Ju Zhenhua/Xinhua via AP/dpa

Am Wochenende soll eine 21 Tonnen schwere chinesische Raketenstufe «unkontrolliert» in die Erdatmosphäre eintreten. Experten warnen vor möglichen Trümmerteilen. Ist das «internationale Praxis»?

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Peking - China hat eine Gefahr durch herabfallende Überreste seiner für den Bau der chinesischen Raumstation genutzten Rakete bestritten.

Es sei "sehr unwahrscheinlich", dass sie Schaden anrichten könnten, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Wang Wenbin, am Freitag auf Journalistenfragen in Peking. Die Raketenstufe werde beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen und zerstört. "Das ist internationale Praxis."

Experten rechnen am Wochenende mit einem "unkontrollierten" Wiedereintritt. Die Rakete sei nicht dafür gebaut, um durch Triebwerke so gesteuert zu werden, dass sie über einem unbewohnten Gebiet oder dem Meer in die Atmosphäre eintritt. Es wurde vor einem möglichen Trümmerregen gewarnt, der ausreichen könnte, Schäden anzurichten.

Deutschland liegt voraussichtlich nicht in der Risikozone, die jeden Teil der Erdoberfläche zwischen dem 41,5. Grad nördlicher und dem 41,5. Grad südlicher Breite umfasst. In Europa zählen zum Beispiel Teile von Spanien, Italien, Griechenland und Portugal dazu. Zudem gehören Regionen Nord- und Südamerikas und Südasiens sowie ganz Afrika und und das australische Festland dazu. Das Büro für Raumfahrtrückstände der Europäischen Raumfahrtagentur Esa rechnet mit einem Wiedereintritt der Trümmer in die Erdatmosphäre zwischen Samstagabend und dem frühen Sonntagnachmittag.

Die neue, besonders tragfähige Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B" hatte am Donnerstag vergangener Woche das Kernmodul "Tianhe" (Himmlische Harmonie) ins All gebracht. Damit begann die junge Raumfahrtnation den Bau ihrer eigenen Raumstation.

Die Raketenstufe und ihr Vorgänger bei dem Jungfernflug im Mai 2020 seien mit 21 Tonnen die sechst- und siebtgrößten Objekte, die jemals wieder in die Erdatmosphäre eingetreten seien, berichtete Marlon Sorge vom Zentrum für Wiedereintritt-Studien (CORDS) der Aerospace Corporation in Kalifornien. Er nannte das Raumlabor Skylab, die russischen Raumstationen Mir sowie Saljut 6 und 7 sowie die Saturn V-Raketenstufe, die Skylab ins All gebracht habe.

"Als generelle Regel gilt, dass 20 bis 40 Prozent der Masse eines großen Objektes den Boden erreichen. Das genaue Ausmaß hänge vom Design ab. Normalerweise seien die Raketenstufen nicht dafür gebaut, in eine Umlaufbahn zu gelangen, sagte der Experte. Vielmehr sei ihre Flugbahn so geplant, dass sie nach dem Start in ein sicheres Gebiet wie den Ozean fielen. Wenn eine Rakete im Orbit sei, müsse ein Deorbit-Manöver vorgenommen werden, bei dem Triebwerke benutzt würden, um den Wiedereintritt-Punkt kontrolliert zu wählen.

"Die Fähigkeit, ein Deorbit-Manöver vorzunehmen, hängt vom Design und der Mission des Flugkörpers ab", sagte Sorge. Es sei nicht unüblich, dass ein kontrollierter Wiedereintritt von vornherein eingeplant werde, da schwere Raketenstufen ein größeres Risiko für die Menschen auf der Erde darstellten. "Das ist die bevorzugte Vorgehensweise nach internationalen Standards und wird schnell globale Norm."

Der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) hatte das Design der Rakete als "fahrlässig" kritisiert. Es entspreche nicht heutigen Standards. "Im schlimmsten Fall" werde es wie der Absturz eines kleinen Flugzeugs, der sich über Hunderte Kilometer verteile. Nach dem ersten Flug des neuen Raketentyps im Mai 2020 waren Trümmer in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten nach lokalen Berichten Häuser beschädigt.

© dpa-infocom, dpa:210507-99-508390/2

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