Raumfahrtkonzern Tom Enders wird Chef der EADS

Von Thomas Magenheim 

EADS hat sein Personalchaos im zweiten Anlauf offenbar gelöst: Tom Enders übernimmt die Führung des Raumfahrtkonzerns.

Louis Gallois’ (l.) und Thomas Enders. Foto: dapd
Louis Gallois’ (l.) und Thomas Enders. Foto: dapd

Stuttgart - Der Verwaltungsrat des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS hat mit einer umfassenden Neubesetzung seines Topmanagements einen Eklat in letzter Minute vermieden. Wichtigste Personalie ist das Aufrücken von Thomas („Tom“) Enders als bisheriger Vorstandschef der Tochter Airbus an die Spitze des Mutterkonzerns. Er werde dort dem Franzosen Louis Gallois nachfolgen, wenn dessen Mandat im Juni ausläuft, teilten die EADS-Aufseher nach einem Treffen in Amsterdam mit. Zeitgleich wird der deutsche Daimler-Manager Bodo Uebber durch den Franzosen Arnaud Lagardère als neuem Verwaltungsratschef ersetzt. Damit folgt der von Frankreich und Deutschland dominierte Konzern ursprünglichen Plänen, die zuletzt wieder wacklig wurden.

Bei einem Verwaltungsratstreffen im Dezember war die jetzt getroffene Entscheidung noch überraschend vertagt worden. Basis der nun gelungenen Personalrochaden ist der Umstand, dass Enders sein eigenes Personaltableau weiterer Spitzenmanager gegen alle Bedenken aus Frankreich durchsetzen konnte. Hätten die Franzosen nicht eingelenkt, wäre Enders dem Vernehmen nach zum Verzicht bereit gewesen. Damit wurde hinter den Kulissen auch gedroht.

Enders’ Plan geht auf

Jetzt ist unter anderem klar, dass der deutsche Airbus-Finanzchef Harald Wilhelm in Personalunion dieses Amt auch bei der EADS-Mutter übernimmt. Damit beginnt Enders’ Plan aufzugehen, die EADS-Zentrale in seiner auf fünf Jahre angelegten Amtszeit zu stärken und dort mehr Funktionen zu konzentrieren. Auch Airbus-Personalchef Thierry Baril wird in Personalunion EADS-Personalvorstand. Mit dem Abgang des noch amtierenden EADS-Chefs Gallois gilt auch die Zeit der alle fünf Jahre wiederkehrenden deutsch-französischen Personalwechsel an der Spitze des Europakonzerns als beendet. Der 52-jährige Tom Enders könnte 2017 also theoretisch wiedergewählt werden. Um der sorgsam austarierten deutsch-französischen Machtbalance jetzt noch einmal Genüge zu tun, wird der Franzose Fabrice Bregier wie geplant Nachfolger von Enders als Airbus-Chef.

„Die heutigen Entscheidungen sind ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der EADS“, betonte Uebber. Gallois, der entgegen mancher Spekulation nun doch nicht in den Verwaltungsrat wechselt, lobte die „unaufgeregte Atmosphäre“, in der die Spitzenpersonalien nach den Unruhen im Vorfeld abgesegnet wurden. Ein professioneller Übergang sei jetzt gewährleistet. Verwaltungsrat John Parker bedauerte allerdings, dass der neuen Managergeneration keine Frauen angehören, was sich 2017 ändern solle.

Neue Ära

Mit Enders an der EADS-Spitze könnte für den Konzern eine neue Ära beginnen. Erklärtes Ziel des Hobby-Fallschirmspringers Enders ist, den traditionell dominierenden Staatseinfluss bei der EADS zurückzudrängen. Es brauche keine Staaten als deren Eigner, lautet sein Kredo. Derzeit hält Frankreich direkt 15 Prozent am Konzern. Weitere 7,5 Prozent entfallen auf die französische Lagardère-Gruppe. Auch die deutsche Seite kommt mit den Eignern Daimler und KfW auf 22,5 Prozent. Daimler und Lagardère wollen aussteigen.

Prominentes Neumitglied im Verwaltungsrat ist Jean-Claude Trichet . Der 69-jährige Franzose war bis vor Kurzem Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Er wird künftig neben Wirtschaftsgrößen wie Lakshmi Mittal sitzen. Der britisch-indische Unternehmer ist Chef des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor-Mittal und gilt als einer der reichsten Männer der Welt. Deutschland wird neben Enders von Hermann Josef Lamberti (Deutsche Bank) sowie den Daimler-Managern Uebber und Wilfried Porth vertreten. Sie alle sind bereits heute Verwaltungsratsmitglieder.

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