Raumluftreiniger gegen Corona Was bringt der Corona-Filter wirklich?

Ein Sänger singt in einem Versuchsaufbau der Universitätskliniken München und Erlangen, bei dem Reichweiten der Aerosole gemessen werden. Foto: dpa

Lohnt sich die Investition in teure Raumluftgeräte? Die CDU-Landtagsfraktion hätte dazu gerne eine wissenschaftliche Studie im Land. Das Umweltbundesamt hat hochfliegende Erwartungen aber bereits gedämpft.

Stuttgart - Filter zur Raumluftreinigung können nach Ansicht der Landtags-CDU beim Kampf gegen Coronaviren eine größere Rolle spielen als bisher. Die Kaufentscheidung für solch kostspielige Geräte, die auch von baden-württembergischen Firmen angeboten werden, scheitere jedoch oft noch an mangelnden Informationen, sagte Fraktionschef Wolfgang Reinhart unserer Zeitung: „Deshalb hielte ich es für richtig, dass sich auch das Sozialministerium in der Frage engagiert und mithilft herauszufinden, was mit solchen Geräten mit Blick auf den Schutz der Gesundheit möglich ist und was nicht.“

 

Das Land könne zum Beispiel eine Studie bei einem Fraunhofer-Institut in Auftrag geben, regt der wirtschaftspolitische Sprecher der Landtags-CDU, Claus Paal, an. Auch ein Leitfaden oder ein Merkblatt hält er für hilfreich. „Wir werden noch eine ganze Weile mit der Pandemie leben müssen“, glaubt der studierte Maschinenbauer. Ohne technologische Hilfe etwa beim Schutz vor infektiösen Aerosol-Partikeln werde die Eingrenzung der Infektionen im Winter sehr schwierig. Vor allem in Büroräumen, Supermärkten, Gastronomie und Arztpraxen sieht die CDU Bedarf. „Wir müssen aber sicherstellen, dass die richtigen Investitionsentscheidungen getroffen und keine falschen Hoffnungen geweckt werden“, sagt Reinhart.

Bundeswehr-Uni lobt Wirkung

Das Wirtschaftsministerium begrüßt die Initiative. Derzeit würden bundesweit Daten erhoben, die als Grundlage für Informationen zu technischen Standards für fest eingebaute Anlagen dienen sollen. „Sobald es belastbare Ergebnisse gibt, werden wir unseren Unternehmen entsprechende Informationen an die Hand geben“, sagte eine Sprecherin. Von mobilen Anlagen ist jedoch nicht die Rede.

Dass Luftfilter – mobile wie stationäre – das Infektionsrisiko mindern können, davon zeigt sich Paal überzeugt. Er verweist auf einschlägige Studien: So hat etwa die Universität der Bundeswehr in München einen Raumluftreiniger der Heinsberger Firma Trotec getestet und die Ergebnisse Anfang August veröffentlicht. Tenor: Leistungsstarke Raumluftreiniger   können die Aerosolkonzentration in Räumen kleiner und mittlerer Größe auf einem niedrigen Niveau halten, seien also eine „sehr sinnvolle technische Lösung“, um die indirekte Infektionsgefahr durch Aerosole zu verringern. Das gelte für mobile Geräte ebenso wie für stationäre Anlagen, die nachgerüstet wurden.

Zur gleichen Zeit nahm auch das Umweltbundesamt zu dieser Frage Stellung und kam zum Schluss, dass mobile Luftreinhaltegeräte mit hochwirksamen Techniken (etwa sogenannte Schwebstofffilter) zwar nicht als alleiniger Schutz vor Aerosolen angesehen werden dürften; schon gar nicht ersetzten sie aktives Lüften oder die dauerhafte Abfuhr der Viren über fest installierte raumlufttechnische Anlagen. Doch „flankierend“ zu den klassischen Schutzmaßnahmen hätten sie sehr wohl eine positive Wirkung.

Philologenverband drängt

„Besonders sinnvoll kann ein Einsatz in Situationen sein, in denen eine sehr hohe Anzahl von Personen auf engem Raum zu erwarten ist – zum Beispiel in Schulen, wenn durch Erkrankung einer Lehrperson zwei Unterrichtsklassen zusammengelegt werden“, merkt die Umweltbehörde an – und weckt damit bei Lehrern hohe Erwartungen. So forderte kürzlich der Philologenverband für Klassenräume, in denen sich die Fenster lediglich kippen lassen, den Einsatz von Raumluftreinigern. „Eine solche technische Lösung könnte den Infektionsschutz für alle betroffenen Schüler und Lehrkräfte massiv verbessern und dadurch Schulschließungen verhindern“, meint der Landesvorsitzende Ralf Scholl.

Im Sozialministerium hält man diese Erwartung allerdings für überzogen und verweist auf die zurückhaltende Bewertung des Umweltbundesamts. Lüften, am besten mit mehreren Fenstern, sei das A und O. Nicht zu vergessen: die allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln. Technische Möglichkeiten könnten allerdings „ergänzend“ zum Einsatz kommen – zum Beispiel durch die mechanische Entfernung keimtragender Partikel durch Schwebstofffilter oder mithilfe von ultravioletter Strahlung. Doch welche Methode ist nun die richtige? Und gibt es auch untaugliche? Hier bleibt das Ministerium vage: „Zu den verschiedenen technischen Möglichkeiten sind noch weitere Untersuchungen/Studien zum Einsatz in Umgebungen erforderlich, in denen sie bislang nicht zum Einsatz kamen“, heißt es.

Wer ist seriös, wer nicht?

„Es gibt auch Angebote, die unseriös sind“, sagt Paal. Doch auch bei den seriösen sei es schwierig, sie zu vergleichen. Allein in Baden-Württemberg gibt es mehr als ein halbes Dutzend Hersteller – darunter so renommierte Firmen wie Kärcher oder Mann & Hummel. Möglicherweise lichtet sich der Nebel schon bald: Nach Informationen unserer Zeitung hat die Corona-Lenkungsgruppe der Landesregierung am Mittwoch das Wissenschaftsministerium gebeten, den aktuellen Wissensstand über technische Lösungen zur Luftreinigung zu erheben.

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