Das Bananenbrot und Brotchips sind die einzigen Speisen, die vom Café selbst bei der Werkstatt Fadenreich des Rudolf-Sophien-Stift in Auftrag gegeben werden. „Auf diese Weise müssen wir tatsächlich nahezu nichts wegschmeißen und können unseren Gästen noch etwas Eigenes anbieten“, sagt Karin Scherer. Denn vor dem Müll gerettete Bananen bekommen sie viele geliefert. Sie gehören zwar zu den beliebtesten Obstsorten der Deutschen, aber leider auch zu denen, die am häufigsten weggeworfen werden. Das übrig gebliebene, trockene Brot findet in Form von Brotchips eine leckere Verwendung.
Lebensmittel wieder mehr wertschätzen
Die Raupe Immersatt eröffnete vor drei Jahren als erstes Foodsharing-Café Deutschlands. Alle Lebensmittel sind kostenlos und können im Café verzehrt oder mit nach Hause genommen werden. Denn es handelt sich um noch genießbare Waren, die von Kooperationspartnern wie Bäckereien und Supermärkten zur Verfügung gestellt werden, da sie andernfalls in der Mülltonne landen würden.
Seit der Eröffnung hat das Café nach eigenen Schätzungen rund 50 Tonnen Lebensmittel gerettet. Im Vergleich zu den laut einer Studie der Umweltorganisation WWF zehn Millionen Tonnen jährlich in Deutschland weggeworfener Lebensmittel, klingt das wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen bei ihren Gästen auch über den Besuch im Café hinaus einen Bewusstseinswandel bewirken. „Aber ganz subtil, ohne erhobenen Zeigefinger“, betont Katrin Scherer. Außerdem lerne auch sie viel von den Gästen – etwa von älteren Besuchern, die noch genau wissen, wie man Lebensmittel haltbar macht.
Konzept ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden
Inzwischen hat sich die Idee, Foodsharing mit einem Treffpunkt zu verbinden, bewährt – und ist über Stuttgart hinaus bekannt geworden. Die Initiative „Slow Food Deutschland“ nominierte das Café als eines von vier Projekten für ihr Engagement für die sogenannte Ernährungswende. Gewonnen haben sie zwar nicht, doch die Betreiber freuen sich über die Aufmerksamkeit und Wertschätzung. „Das ist sehr wertvoll, um unser Projekt bekannter zu machen“, sagt Katrin Scherer. Auch Nachahmer aus anderen Städten wie Freiburg, Freising und Landau tragen dazu bei, dass ihre Idee bekannter wird.
Zu der Grundidee gehört auch, dass sich Gäste unterschiedlichster Gesellschaftsschichten im Café wohlfühlen sollen. Deshalb sind die Preise für die Getränke nicht festgelegt. Jeder zahlt, so viel er kann.
An den Kühlschränken und Regalen mit Gebäck und allerlei anderen Lebensmitteln können sich die Besucherinnen und Besucher umsonst bedienen. „Bei uns zählt der solidarische Gedanke“, sagt Katrin Scherer. Heißt: Wenn nur noch drei Stücke Kuchen im Regal stehen, sollte man sich nur eines nehmen. Wenn aber das ganze Regal vor lauter Broten nur so überquillt, darf man sich ohne schlechtes Gewissen auch eine ganze Tasche damit füllen.
Künstler aus der Region treten im Café auf
An diesem Tag sind die Kühlschränke und Kuchenregale nur spärlich bestückt. „Für uns ist das ein gutes Zeichen“, sagt Katrin Scherer. Sind die Schränke im Café leer, bedeute das, dass die Kooperationspartner – wie Bäckereien oder Supermärkte – an dem Tag nicht so viel Überschüsse produziert haben oder dass es andere Abnehmer für die Lebensmittel gab. „Das ist unser Ziel. Wir wollen uns nicht von der Verschwendung abhängig machen“, betont Katrin Scherer. Deshalb kosten die Lebensmittel auch nichts. Das Café finanziert sich über die Getränke, deren Zutaten sie nicht gespendet bekommen, sondern einkaufen. Die Einnahmen durch die Getränke fließen in Miete, Inventar und Löhne der 15 Angestellten.
In Zukunft wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Raupe Immersatt noch mehr auf Veranstaltungen setzen. Coronabedingt hatten sie in den vergangenen Jahren zwei Jahren große Open-Air-Feste gefeiert. Doch nun wollen sie wieder zurück zu ihrem ursprünglichen Konzept finden und Künstlern und Künstlerinnen im Café eine Bühne bieten oder auch Vorträge zum Thema Nachhaltigkeit anbieten.