Razzia auf Klinikbaustelle "Schwarzarbeit legalisieren"

Von  

Der Obermeister der Stuckateurinnung Rems-Murr stellt nach einer ernüchternden Razzia auf der Winnender Klinikbaustelle eine provokante Forderung.

Jörg Löffler sieht die öffentliche Vergabepraxis mit Sorge. Quelle: Unbekannt 2 Bilder
Jörg Löffler sieht die öffentliche Vergabepraxis mit Sorge. Quelle: Unbekannt

Korb - Wann genau das Familienunternehmen gegründet wurde, kann Jörg Löffler nicht mehr exakt zurückverfolgen. Die letzte erhaltene Buchführung seines Urgroßvaters Wilhelm Löffler datiert aus dem Jahr 1894. "Aus Tradition gewachsen, der Zukunft verpflichtet" lautet das Motto des Sieben-Mann-Stuckateurbetriebs aus Korb (Rems-Murr-Kreis).

Momentan jedoch hadert Jörg Löffler in seiner Funktion als Obermeister der Stuckateurinnung Rems-Murr mit der Baubranche. Der konkrete Anlass ist das Ergebnis einer Kontrolle auf der Winnender Klinikbaustelle. Wie berichtet, haben Fahnder des Stuttgarter Hauptzollamts dort, wo der Landkreis seine neue Klinik bauen lässt, vermutlich mehr als ein Drittel aller angetroffenen Arbeiter als Schwarzarbeiter, illegal Beschäftigte oder Scheinselbstständige enttarnt.

Seriöse betriebe haben im Preiskampf keine Chance

Den Obermeister der heimischen Stuckateure überrascht das nicht. "Mit ,legalen' Mitarbeitern lassen sich öffentliche Aufträge eigentlich nicht mehr kostendeckend ausführen", behauptet er. Während in den vergangenen Jahren einerseits die Material- und Lohnkosten stetig gestiegen seien, gingen die erzielbaren Erlöse in diesem Bereich immer weiter nach unten.

Schuld an dieser Entwicklung ist laut Löffler das öffentliche Auftragsvergabesystem, bei dem zwingend der billigste Bieter engagiert werden müsse. Seriöse Betriebe hätten bei diesem System kaum eine Chance, zum Zuge zu kommen. Den Zuschlag erhielten meist Firmen, die mit zum Teil mehreren Subunternehmen arbeiteten, die wiederum vielfach gesetzliche Mindestanforderungen ignorierten.

Die Verschachtelungen der Firmen, die sich bisweilen über mehrere verschiedene, meist osteuropäische Länder erstreckten, seien oft kaum noch nachzuvollziehen. So könnten selbst bei einwandfrei festgestellten Verstößen nachzuzahlende Sozialversicherungsbeiträge oder Geldstrafen unmöglich eingetrieben werden. "Dem Staat entgeht so ein Haufen Geld", sagt Löffler.

Sonderthemen