Eine Detonation vor einer Gaststätte erschütterte Murrhardt im November. Monate später führt eine Spur zu zwei Brüdern – und zu einem Waffenfund, der Fragen aufwirft.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

In den frühen Stunden des 6. November wird die beschauliche Ruhe von Murrhardt jäh zerrissen. Ein Sprengkörper detoniert vor der Tür einer Gaststätte in der Fornsbacher Straße, wirbelt Splitter und Fragen auf. Monate später führt eine Spur aus Pulverdampf, gestohlenen Wertsachen und illegalen Waffen direkt zu zwei Brüdern aus der Kleinstadt. Jetzt sitzen sie in Untersuchungshaft.

 

Wie das Polizeipräsidium Aalen am Freitag mitteilte, wurden die aus Murrhardt stammenden Brüder (26 und 30 Jahre) am vergangenen Mittwoch festgenommen. Die Ermittler werfen den Männern nicht nur die Sprengstoffexplosion vor, sie sollen auch hinter einer Reihe von Einbrüchen in Murrhardt, Mainhardt, Fichtenberg, Gaildorf und Schwäbisch Hall stecken.

Razzia deckt illegales Waffenarsenal in Murrhardt auf

Am Mittwochmorgen rückte ein Großaufgebot aus Kriminalpolizei, Schutzpolizei und Spezialeinheiten an. Die Durchsuchung ihrer Wohnung brachte ein brisantes Sammelsurium ans Licht: nicht zugelassene Knallkörper, mehrere illegale Schusswaffen, mutmaßliches Einbruchswerkzeug, gestohlene Ware und Tatkleidung, die offenbar bereits bei mehreren Coups getragen wurde.

Haftbefehl wegen Explosionsgefahr und Fluchtverdacht

Bereits am Donnerstag standen die beiden Männer dann vor dem Haftrichter am Amtsgericht Stuttgart. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde Untersuchungshaft angeordnet – es bestehe der dringende Tatverdacht sowie Flucht- und Wiederholungsgefahr, wie die Behörde betont.

Die Explosion in der Fornsbacher Straße hatte damals für Unruhe in der Murrhardter Bevölkerung gesorgt. Der Sprengkörper, über dessen genaue Zusammensetzung die Ermittler weiterhin schweigen, beschädigte die Tür der Gaststätte schwer – der Sachschaden lag laut Angaben des Gaststättenbetreibers bei rund 13.000 Euro. Glück im Unglück: Niemand wurde verletzt.

Rätsel um Angriffsziel: Ermittlungen in Murrhardt dauern an

Warum ausgerechnet eine Gaststätte zum Ziel wurde, ist weiterhin unklar. Laut Polizeiangaben laufen die Ermittlungen noch, auch zu einem möglichen Tatmotiv oder weiteren Beteiligten äußern sich die Behörden bislang nicht.

Klar ist: Die Stille jener Novembernacht vor knapp drei Monaten wurde von einem Knall zerrissen, der weitreichende Folgen hatte – nicht nur für die betroffene Kneipe, sondern auch für zwei Brüder, die nun auf die Anklagebank zusteuern.