Zugriff in Ludwigsburg nach Angriff bei Corona-Demo Polizei fasst Tatverdächtigen wegen versuchtem Tötungsdelikt

Die Polizei ermittelt neun Tatverdächtige im Fall des Angriffs auf ein Mitglied von Zentrum Automobil. Am Donnerstag klicken in Ludwigsburg die Handschellen für einen Mann, dem versuchter Totschlag vorgeworfen wird.

Ein 21-Jähriger wurde am Donnerstagmorgen festgenommen. Mittlerweile ist klar, dass der Zugriff in Ludwigsburg war. (Symbolbild) Foto: Phillip Weingand / STZN
Ein 21-Jähriger wurde am Donnerstagmorgen festgenommen. Mittlerweile ist klar, dass der Zugriff in Ludwigsburg war. (Symbolbild) Foto: Phillip Weingand / STZN

Stuttgart - Die Polizei hat neun Tatverdächtige im Fall des Angriffs auf einen Mann am Rande einer Corona-Demo im Mai ermittelt. Gegen einen der Männer liegt ein Haftbefehl vor. Die Polizei nahm ihn auf dem Weg zur Arbeit fest. Mittlerweile ist klar, dass der 21-Jähriges aus Ludwigsburg kommt. Ihm wird wegen des Angriffs, nach dem das Opfer mehrere Wochen lang im Koma lag, versuchter Totschlag vorgeworfen. Bei den neun Verdächtigen handele es sich um acht Männer und eine Frau im Alter von 19 bis 28 Jahren.

Die Festnahme geschah im Rahmen einer Razzia am frühen Donnerstagmorgen. Die Polizei durchsuchte die Wohnungen von neun Tatverdächtigen in Stuttgart, Ludwigsburg, Remseck, Fellbach, Waiblingen, Tübingen und Karlsruhe und nahm den 21-Jährigen fest. Den übrigen Verdächtigen, die laut der Staatsanwaltschaft ebenfalls namentlich bekannt sind, wird schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen.

Die Tatverdächtigen sollen am Nachmittag des Samstag, 16. Mai, einen Mann angegriffen haben, der auf dem Weg zur Demo gegen die Corona-Maßnahmen auf dem Cannstatter Wasen war. Der 54-Jährige erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen. Auch seine zwei Begleiter wurden verletzt. Er ist Mitglied der rechten Vereinigung Zentrum Automobil, die als Gewerkschaft auftritt. Lebensgefahr bestehe nicht mehr für ihn. Es sei aber zu befürchten, dass er bleibende Schäden haben könnte.

Die Täter hatten ein linksextremes politisches Motiv

Die Ermittler gehen von einem politischen Motiv der als linksextrem einzustufenden Tatverdächtigen aus. Es seien aber nicht alle neun als Linksextremisten bekannt, ergänzte der Polizeisprecher Stephan Widmann. Wohl aber seien alle neun durch frühere Delikte der Polizei bekannt. Auch für die Staatsanwalt haben sich die bereits zu Beginn der Ermittlungen geäußerten Vermutungen der Polizei, dass die Tat einen linksextremen Hintergrund haben könnte, bestätigt. „Derzeit gehen bei dem Angriff von einem politischen Hintergrund aus“, sagt Melanie Rischke, die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

Welche Objekte in welchen Städten durchsucht wurden, das verraten die Ermittler nicht. Nach Informationen unserer Zeitung kommt der festgenommene 21-Jährige, dem der versuchte Totschlag vorgeworfen wird, aus Ludwigsburg. Die „Stuttgarter Nachrichten“ hatten das zuerst berichtet. Das linke Zentrum Lilo Hermann in Stuttgart gehörte laut der Polizei nicht zu den durchsuchten Objekten. Es seien in allen Fällen Privatwohnungen gewesen.

Der 21-Jährige kommt im Laufe des Donnerstags vor den Haftrichter. Gegen ihn hatte der Haftbefehl bereits vorgelegen, bevor die Razzia am frühen Morgen begonnen hatte. Die Polizei hatte die Verdächtigen ermitteln können.

Auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat sich am Donnerstagmorgen zu den Razzien geäußert. Er bezeichnete die Durchsuchungen als „bedeutenden Schritt zur Aufklärung“. Strobl verurteilte brutale Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung. „Das geht gar nicht“, sagte er und fügte hinzu: „Und auch hier gilt: Wir kriegen Euch!“.

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