RB Leipzig will in die Bundesliga Schwäbische Bullen

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Der Fußball-Drittligist RB Leipzig will mit einem Sieg gegen die Stuttgarter Kickers am Samstag dem Aufstieg ein Stück näher kommen. Dazu trägt auch das Geld von Red Bull sowie die Erfahrung eines Ralf Rangnick bei.

Der Fußball-Drittligist RB Leipzig setzt nicht nur auf ein starkes Maskottchen. Foto: Pressefoto Baumann
Der Fußball-Drittligist RB Leipzig setzt nicht nur auf ein starkes Maskottchen. Foto: Pressefoto Baumann

Leipzig - Noch ist keine Vitrine nötig, noch reicht der Aktenschrank am Empfang als Stellfläche. Ein riesiger Silberpokal steht darauf, dessen Größe allerdings in keiner Weise seiner Bedeutung entspricht. Es ist nur die Copa del Toro, der Preis für den Sieger des firmeninternen Fußballturniers. In nicht allzu ferner Zukunft aber, da sind sich alle einig, werden auf der Geschäftsstelle von RB Leipzig am schicken Neumarkt wichtigere Trophäen hinzukommen.

Der Verein aus Sachsen macht sich daran, die Fußballwelt zu erobern. Noch spielt die Mannschaft in der dritten Liga und empfängt morgen die Stuttgarter Kickers. Schon bald aber sollen Bayern und Dortmund, der FC Barcelona und Manchester United in die Messestadt kommen. Die Frage lautet folglich nicht, ob Leipzig eines Tages die Bundesliga und den Europapokal erreicht, sondern nur wann. Lange dürfte es nicht dauern. Denn Geld spielt keine Rolle, wenn Red Bull ernst macht.

Am Geld soll der Aufstieg nicht scheitern

Im Jahr 2009 hat der Getränkekonzern aus dem österreichischen Fuschl am See dem Leipziger Vorortclub SSV Markranstädt das Spielrecht in der Oberliga abgekauft und einen neuen Verein gegründet. Für Rasenballsport steht RB offiziell, weil die Satzung des DFB die Nennung des Sponsors im Vereinsnamen verbietet. 100 Millionen Euro hat Red Bull für den Aufstieg eingeplant – sollte ein bisschen mehr nötig sein, wird es daran nicht scheitern. „Wenn wir an ein Projekt und ein Ziel glauben, dann lassen wir uns nicht beirren“, hat der Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz gesagt, als er der „Leipziger Volkszeitung“ eines seiner seltenen Interviews gab.

Das Projekt RB Leipzig ist im deutschen Fußball beispiellos. Ein Club als Marketinginstrument eines Konzerns, ein Verein, der nur acht Mitglieder hat und keine weiteren will – das hat es noch nicht gegeben. Entsprechend groß ist der Argwohn des Establishments gegenüber dem, was sie als „Kunstprodukt eines Brause-Herstellers“ verspotten, lautstark der Vorwurf, Geld könne niemals Tradition ersetzen. „Tradition ist kein Verdienst“, entgegnet Mateschitz trocken – und wirft einen gewagten Blick ins Jahr 2513: „Der einzige Unterschied zwischen dem FC Barcelona, Bayern München und RB Leipzig ist in 500 Jahren der, dass diese Clubs 600 Jahre alt sind und wir 500 Jahre.“

Leipzig soll es in die Bundesliga schaffen

Den Beginn dieser Epoche will Ralf Rangnick prägen. Vor anderthalb Jahren ist der Fußballlehrer aus Backnang von Red Bull als Sportdirektor engagiert worden, nachdem der Aufstieg in die dritte Liga zweimal verpasst worden war. Rangnick schaffte es im ersten Anlauf – und kümmert sich nun zu gleichen Teilen darum, dass Salzburg, der Heimatverein des Konzerns, erstmals die Champions League erreicht und Leipzig in die Bundesliga weitermarschiert. „Ich kann mir derzeit keinen Job vorstellen, der mich mehr reizen könnte“, sagt Rangnick.

Auch die TSG Hoffenheim hat der frühere VfB-Trainer gewissermaßen aus dem Nichts in die erste Liga geführt. In Leipzig verfährt er ähnlich – findet aber noch bessere Bedingungen vor. Mit dem zur WM 2006 komplett modernisierten Zentralstadion, mindestens bis 2030 in Red-Bull-Arena umbenannt, gibt es nicht nur die nötige Infrastruktur. Es gibt auch eine Großstadt mit mehr als 500 000 Einwohnern, von denen sich die Mehrheit sehr darüber freut, einen Bundesligisten auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Schon jetzt kommen zu den Heimspielen im Schnitt 13 000 Zuschauer. Als „unglaubliches Geschenk an die Stadt“ empfindet es der Oberbürgermeister Burkhard Jung, dass Red Bull nach Leipzig gekommen ist.

Mit bis zu 6000 neuen Arbeitsplätzen rechnet Jung, wenn der Verein erstmal in der Bundesliga angekommen ist. Ein paar sind bereits entstanden, draußen am Elsterbecken im Westen der Stadt, in Sichtweite zur Arena. Dort baut Red Bull auf knapp 100 000 Quadratmetern ein Trainingszentrum, von dem die meisten Bundesligisten nur träumen können. Schon jetzt gibt es ein halbes Dutzend bestens präparierter Spielfelder, vier davon mit Rasenheizung, weitere werden folgen.




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