InterviewReaktion auf Echo-Verleihung „Rapper sollten etwas gegen Judenhass tun“

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Ärger um Rapper-Texte bei der Echo-Preis-Verleihung wegen antisemitischer Tendenzen. In Esslingen beschäftigt sich das Jugend- und Kulturzentrum Komma schon lange mit diesem Thema. Wir haben mit Jörg Freitag, dem Leiter des Kulturbereichs im Komma, darüber gesprochen.

Jörg Freitag leitet den Kulturbereich im Komma. Foto: Ines Rudel
Jörg Freitag leitet den Kulturbereich im Komma. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Bei der Preisverleihung des Musikpreises Echo 2018 wurden die Rapper Farid Bang und Kollegah ausgezeichnet. Darüber ist eine hitzige Diskussion ausgebrochen. Im Zentrum der Kritik steht die Zeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ in dem Lied 0815. Gewaltverherrlichend und frauenfeindlich waren die Texte der Rapper ohnehin. Doch mit der Zeile ist nicht nur für Künstler wie Campino, der seine Kritik schon bei der Verleihung äußerte, eine Grenze überschritten. Antisemitismus in der Musikindustrie rückt nun in den Fokus der Öffentlichkeit.

Im Esslinger Jugend- und Kulturzentrum Komma hat man das Thema bereits 2014 erkannt und setzt ihm die Veranstaltungsreihe Youth Against Antisemitsm entgegen. Diese wurde kürzlich mit einem Preis ausgezeichnet. Wir haben mit Jörg Freitag, dem Leiter des Kulturbereichs im Komma über die Echo-Verleihung und Antisemitismus gesprochen.

Wie nehmen Sie die Auszeichnung von Farid Bang und Kollegah wahr?
Ich kritisiere, dass solche Künstler ausgezeichnet werden. Bestimmte Textzeilen sind reine Provokation, extrem geschmacklos und nicht zu tolerieren. Als Pädagoge finde ich das auch nicht gut, weil diese Personen Multiplikatoren sind. Rapper sollten etwas gegen Antisemitismus tun und Vorurteile und Hass nicht anheizen. Allerdings ist Antisemitismus im Hip Hop schon lange ein Thema.
2017 war das Komma seiner Zeit voraus und hat genau dazu ein Event veranstaltet. Wie war die Resonanz?
Zu der Veranstaltungsreihe, die 2017 zum vierten Mal stattfand, kommen jedes Mal bis zu 120 interessierte junge Menschen. Wir hatten damals den Autor Konstantin Nowotny zu Gast, der sich mit dem Thema bereits lange beschäftigt und anhand vieler Beispiele Antisemitismus in der Hip-Hop-Branche aufgezeigt hat. Anlass war damals unter anderem die Arte-Folge „Durch die Nacht mit Oliver Polak und Haftbefehl“, in der der Komedian und der Rapper über Vorurteile und Antisemitismus in Haftbefehls Texten diskutieren.
Die Reihe gibt es seit 2014. Wie haben sich die Themen entwickelt und was steht als nächstes an?
Der Auslöser waren damals vermehrte Brandanschläge auf Synagogen, und judenfeindliche Sprüche, die offen auf der Straße geäußert wurden. Daher haben wir die Reihe Youth Against Antisemitism als Bildungsveranstaltung ins Leben gerufen. Angefangen hat es mit einem Vortrag zu aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus, dann ging es 2015 um Verschwörungstheorien, 2016 um israelbezogenen Antisemitismus und bei der Veranstaltung im Dezember 2018 wollen wir Antisemitismus im Rechtsrock beleuchten. Ich denke, Antisemitismus gibt es in allen Milieus. Unser Ziel ist es, das Thema zu platzieren und aufzuklären.