Reaktionen auf den Dieselgipfel Große Enttäuschung nach dem Spitzentreffen

Verbraucherschützer und das Kraftfahrzeuggewerbe verlangen klare Zusagen, dass es keine Fahrverbote für Dieselautos geben wird. Foto: dpa
Verbraucherschützer und das Kraftfahrzeuggewerbe verlangen klare Zusagen, dass es keine Fahrverbote für Dieselautos geben wird. Foto: dpa

Verbraucherschützer und das Kraftfahrzeuggewerbe verlangen möglichst rasch neben einem Software-Update von Dieselmotoren auch eine technische Nachrüstung, damit Fahrverbote vermieden werden.

Wirtschaft: Harry Pretzlaff (hap)

Berlin - Verbraucherschützer und das Kraftfahrzeuggewerbe hatten sich mehr erhofft. „Der Dieselgipfel hat sein Ziel verfehlt. Industrie und auch Politik müssen endlich verbindliche Antworten auf die Fragen der Millionen Dieselfahrer geben“, sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbands der Verbraucherzentralen, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Dieselfahrer wissen nach wie vor nicht, was auf sie zukommt“, kritisierte Müller.

Der Verbraucherschützer bezweifelt, dass einfache Software-Updates die Schadstoffemissionen so stark senken werden, dass die Luftqualität signifikant verbessert wird. Zudem sei auch völlig offen, inwieweit die Software-Updates Dieselfahrer vor Fahrverboten bewahren werden. „Hier hätte der Dieselgipfel verbindliche Antworten liefern müssen“, so Müller weiter.

Autobauer sollen für Folgeschäden der Nachrüstung aufkommen

Nach der jüngsten Entscheidung des Stuttgarter Verwaltungsgerichts werden Fahrverbote nach Einschätzung von Müller nun immer wahrscheinlicher. Zudem vermisst Müller rechtsverbindliche Garantien der Hersteller, für die Folgeschäden der Nachrüstung aufzukommen. Auch seien keine Entschädigungen für betroffene Verbraucher beschlossen worden.

Harry Brambach, der Präsident des baden-württembergischen Kraftfahrzeuggewerbes, begrüßte die Software-Updates zwar als einen ersten Schritt. „Jedoch müssen technische Nachrüstungen für Autos, bei denen es möglich ist, in einem zweiten Schritt folgen“, erklärte Brambach gegenüber dieser Zeitung. Dass dies prinzipiell gehe, sei mit einem prototypischen Nachrüstsatz bei einem VW Passat bereits bewiesen worden, so der Verbandspräsident. Jetzt seien sowohl die Hersteller als auch der Gesetzgeber in der Pflicht. „Die Hersteller solche Systeme müssen schnellstmöglich Nachrüstmöglichkeiten zur Marktreife bringen, der Gesetzgeber muss die passenden gesetzlichen Regelungen schaffen“, forderte Brambach.

Ältere Diesel sollen kostenlos umgetauscht werden

Auch der Verbraucherschützer Müller fordert eine rasche technische Nachrüstung. „Die Industrie weiß von der Problematik seit Jahren und hat bewusst auf Zeit gespielt“, sagte Müller. Nachrüstsysteme hätten seiner Meinung nach längst entwickelt und getestet werden können, so dass sie jetzt zur Verfügung stehen könnten. Kritisch bewertet der Verbraucherschützer, dass für ältere Diesel der Schadstoffnorm Euro 4 keine Nachbesserung angeboten wird. „Die Hersteller müssen schnellstmöglich die Abgasreinigungsanlagen so nachrüsten, dass auch ältere Fahrzeuge künftig in Umweltzonen einfahren dürfen“, verlangt Müller. Sei dies nicht möglich, müssten Halter solcher Fahrzeuge ihr Auto umtauschen können.

Das Kraftfahrzeuggewerbe fordert, dass die Bundesregierung eine verbindliche Regelung schafft, die Fahrverbote für nachgerüstete Wagen definitiv ausschließt. „Eine Entwertung durch Fahrverbote würde viele Menschen hart treffen, die in gutem Glauben gehandelt haben, als sie die Autos gekauft haben“, sagte Brambach. Ebenso gehe es den Händlern mit ihrem Fahrzeugbestand. In Regionen, in denen Fahrverbote drohen, ist laut Brambach mit erheblichen Preisabschlägen bei den gebrauchten Dieselautos zu rechnen. Für den Handel stellten vor allem die Leasingrückläufer mit Dieselantrieb ein großes Risiko dar.

Die Verunsicherung bei den Autokäufern ist groß

Die Verunsicherung bei den Autobesitzern und Kaufinteressenten habe bereits stark zugenommen, sagte Brambach. Für die Händler sei dies mittlerweile in jedem Gespräch spürbar. Nach Zahlen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) habe der Beratungsbedarf bei 90 Prozent der Händler zugenommen. „Hier hat der Handel die Suppe auszulöffeln, die ihm die Hersteller eingebrockt haben, denn Beratung kostet Geld“, sagte Brambach.

Durch die nun von mehreren Herstellern angebotenen Prämien beim Kauf eines neuen Autos kann der Absatz von Dieselfahrzeugen nach Einschätzung von Brambach wieder etwas anziehen. Nur wenn jedoch möglichst rasch Regelungen geschaffen werden, die Fahrverbote vermeiden und den Käufern damit Sicherheit geben, wird sich der Dieselmarkt laut Brambach wieder normalisieren. „Wir brauchen außerdem eine klare Aussage der Regierung, dass Fahrzeuge, die heute gekauft werden, auch in zehn bis 20 Jahren noch benutzt werden dürfen“, verlangte der Verbandschef.

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