Reaktionen auf die Europawahl Die Grünen feiern im Böblinger Landratsamt

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Der Böblinger Landrat lobt die hohe Wahlbeteiligung – und ist erleichtert. Das teilweise hohe Abschneiden der AfD erntet allerdings Kritik. Mötzingen ist beispielsweise eine Hochburg der Rechtspopulisten.

DIe Landtagsabgeordnete Thekla Walker und Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (beide Grüne) checken die Ergebnisse – und freuen sich. Foto: factum/Weise
DIe Landtagsabgeordnete Thekla Walker und Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (beide Grüne) checken die Ergebnisse – und freuen sich. Foto: factum/Weise

Böblingen - Gleich mit dem ersten Ergebnis schlendert auch Roland Mundle ins Landratsamt: Es fällt wie die gesamte Europawahl für die Grünen als Sieg aus. Aus Hildrizhausen werden um 19.25 Uhr die ersten Ergebnisse geschickt, seine Partei kommt auf 19,13 Prozent. „Dort haben wir keine Ortsgruppe, keinen Kandidaten und trotzdem wird Grün gewählt“, sagt der Kreisrat zum Ergebnis. Für die Grünen im Kreis hat die Wahl vor allem eine Botschaft: „Das Thema Klimawandel ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne). In Rutesheim erreicht seine Partei 19,13 Prozent, und in Altdorf 25,42 Prozent.

Der Böblinger OB ist überwältigt

„Ich bin überwältigt“, erklärt Stefan Belz zur Europawahl. Roland Mundle denkt im Landratsamt am Wahlabend schon weiter: Im Kreis stehe es um den Klimaschutz nicht schlecht, befindet er. „Aber wir müssen noch einiges machen, um das Ruder herumzureißen.“ Vor allem die jungen Wähler hätten verstanden, dass es fünf Minuten vor zwölf Uhr ist. Der Kreisrat glaubt, dass die Grünen Europa gut tun werden – nicht nur beim Umweltschutz, sondern auch bei den Themen Freiheit, Demokratie und Zusammenhalt.

Beim Landrat Roland Bernhard hat „die satte Wahlbeteiligung“ Begeisterung ausgelöst. „Das ist genial“, sagte er über die rund 70 Prozent der Wähler, die etwa in Hildrizhausen ihre Stimme abgegeben haben. Schließlich sei befürchtet worden, dass die Beteiligung abnehme. An diesen Zahlen sei keine Politikverdrossenheit zu erkennen. „Die Wahlbeteiligung ist ein Triumph der Demokratie“, findet Roland Bernhard.

Immerhin ein Freier Wähler zeigt sich

Wilfried Dölker, einer der wenigen Nicht-Grünen im Landratsamt, gibt sich mit der Europawahl ebenfalls zufrieden. „Letztendlich bin ich froh, dass die bürgerlichen Parteien, und dazu muss man die Grünen mittlerweile auch zählen, ein gutes Ergebnis erzielt haben“; sagt der Freie-Wähler-Kreisrat. Erschreckend findet er allerdings, dass die Alternative für Deutschland (AfD) im Kreis teilweise eine hohe Zustimmung erhalten hat, obwohl sie an den jeweiligen Orten gar nicht groß in Erscheinung trete. Im Sindelfinger Stadtteil Eschenried erzielten die Rechtspopulisten beispielsweise 28 Prozent, in Mötzingen sind es 16,7 Prozent.

CDU bleibt stärkste Partei

Doch trotz der Grünen-Erfolge: Die CDU bleibt im Kreis Böblingen bei der Europawahl stärkste Partei. Bei der Hochrechnung gegen 21.15 Uhr kommen die Christdemokraten auf knapp 31,5 Prozent, die SPD auf 12,3 Prozent, die Grünen werden mit 21,2 Prozent zweitstärkste Partei bei der Europawahl. Die AfD schafft mehr als elf Prozent, die FDP bleibt unter acht Prozent.

Als die ersten Ergebnisse der Regionalwahl bekannt werden, kann sich Stefan Belz noch einmal freuen. In Böblingen gewinnen die Grünen mit 28 Prozent gegenüber der CDU, die 22 Prozent der Wählerstimmen erzielt. In Sindelfingen ist das Ergebnis gerade anders herum: Die CDU kommt auf 28 Prozent für das Regionalparlament und die Grünen auf 22 Prozent.