Reaktionen auf die Vorfälle von Schorndorf Anzeigen gegen Hetzer auf Facebook

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„Absolut unter der Gürtellinie“ findet man im Schorndorfer Rathaus viele der Reaktionen auf die Vorfälle vom 15. Juli. Nun soll gegen Kommentierer Anzeige erstattet werden

Schorndorf hat nach den Vorfällen vom 15. Juli tagelang im Fokus der medialen Berichterstattung gestanden. Foto: dpa
Schorndorf hat nach den Vorfällen vom 15. Juli tagelang im Fokus der medialen Berichterstattung gestanden. Foto: dpa

Schorndorf - Beleidigende Facebook-Kommentare nach den Vorfällen auf dem Schorndorfer Stadtfest Schowo sollen nun juristische Folgen haben. Die Stadt Schorndorf hat jetzt bekannt gegeben, bei strafrechtlich relevanten Kommentaren Anzeige zu erstatten. Man werde die Einträge sichten und die dafür in Frage kommenden der Polizei übergeben, kündigte die Sprecherin der Stadt Schorndorf, Nicole Amolsch, am Dienstag an. Etliches sei gelöscht oder verborgen worden, lasse sich jedoch noch nachvollziehen.

Stimmungsmache rechter Gruppen

Nach den Angaben der Stadtsprecherin hatte es nach den Vorgängen auf den Stadtfest rund 1000 Einträge auf der Facebook-Seite des Schorndorfer Oberbürgermeisters Matthias Klopfer sowie rund 500 Einträge auf der Seite der Stadt Schorndorf gegeben. Etliche davon seien „absolut unter der Gürtellinie gewesen“. Es sei erkennbar gewesen, dass rechte Gruppen versucht hätten, mit falschen Informationen gezielt Stimmung zu machen. Auch im Nachgang hatten radikale Gruppen wie der „Dritte Weg“ und die „Identitäre Bewegung“ versucht, sich die Vorfälle für ausländerfeindliche Aktionen zunutze zu machen.

Am Rande des Stadtfestes hatte es in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli Auseinandersetzungen zwischen rund 100 zumeist jugendlichen Festgästen und der Polizei gegeben. Die Situation war eskaliert, als die Polizei versucht hatte, einen jugendlichen Flaschenwerfer aus einer großen Gruppe festzunehmen. Festgäste in einem bestimmten Bereich des Schlossparks hatte sich gegen die Beamten solidarisiert und versucht, die Festnahme zu verhindern. Zudem zeigten junge Frauen sechs sexuelle Übergriffe an. Meldungen, wonach danach mit Messern bewaffnete Gruppen durch die Stadt gelaufen seien, hatte die Polizei nicht bestätigen können.

Flut von Botschaften

Dennoch geriet Schorndorf in der Folge in einen medialen Strudel, wurde Thema in den Abendnachrichten und den Boulevard-Medien. In den Tagen nach den Vorfällen wurde die Kommune von einer Flut von erregten elektronischen Botschaften, Anrufen und Kommentaren auf Facebook überhäuft. Der Oberbürgermeister hatte sich seit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 für eine Integration von Neuankömmlingen stark gemacht. Auch der Hauptorganisator des Stadtfestes, der auch die Initiative Schorndorf hilft für Flüchtlinge mitgründete, geriet ins Fadenkreuz der ausländerfeindlichen Kommentare.

Außer den Anzeigen gegen die Hetzer seien keine weitere Maßnahmen geplant, sagt die Sprecherin der Stadt am Dienstag. An zivilrechtliche Klagen, mit denen man den Kommentartoren künftig verbieten lassen könnte, solche Äußerungen zu wiederholen, denke man bisher nicht.