Reaktionen auf Trumps Nahost-Plan Furcht vor Konsequenzen

Aktuell hat Israel seine Militärpräsenz im Jordantal verstärkt. Foto: dpa/Shadi Jararah
Aktuell hat Israel seine Militärpräsenz im Jordantal verstärkt. Foto: dpa/Shadi Jarar'ah

Palästinenserpräsident Abbas sagt tausendmal Nein, Ägypten mahnt zur sorgfältigen Prüfung des Vorschlags aus Washington und in Israel sortieren sich die Reaktionen je nach Langerzugehörigkeit.

Jerusalem - In Washington wurden Hände geschüttelt, in Ramallah brannte die Straße: Der „Deal des Jahrhunderts“ hat unter jenen, denen er Frieden bringen soll, höchst unterschiedliche Reaktionen provoziert. „Ein großartiger Plan für Israel“, rief Israels Premier Netanjahu unmittelbar danach ins Mikrofon, „ein großartiger Plan für den Frieden“.

„Der Schwindel des Jahrhunderts“

Die Palästinenserführung, die den Plan schon im Vorfeld abgelehnt hatte, verschärfte ihre Kritik nach der Veröffentlichung der Details. „Nach dem Unsinn, den wir heute gehört haben, sagen wir Tausend Mal Nein“, verkündete der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, am Dienstagabend. „Das ist der Betrug und der Schwindel des Jahrhunderts”, sagte der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat im Interview mit dem Fernsehsender CNN. Der palästinensische Premierminister Mohammad Shtayyeh sprach von einer „Verschwörung zur Zerstörung der palästinensischen Sache“. Tausende Menschen protestierten am Dienstagabend in palästinensischen Städten, zündeten Autoreifen an und verbrannten Fotos von Trump und Netanjahu.

Jordanien befürchtet unilaterale Schritte bis hin zur Annexion

Jordaniens Außenminister Ayman Safadi warnte vor „gefährlichen Konsequenzen unilateraler israelischer Schritte, etwa die Annexion palästinensischer Gebiete“. Die übrigen arabischen Staaten wiederum, einst glühende Verfechter der palästinensischen Sache, halten sich bisher auffallend bedeckt. Die Golfstaaten Oman, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten sogar ihre Botschafter zur Washingtoner Pressekonferenz von Trump und Netanjahu entsandt.

Ägypten mahnt sorgfältige Prüfung an

„Ich sehe ihnen zu, wie sie mein Land stehlen, mit arabischen Führern an ihrer Seite“, beklagte sich eine Palästinenserin auf Twitter. Ägypten hat zurückhaltend auf den Nahost-Plan von US-Präsident Donald Trump reagiert, ihn aber nicht rundweg abgelehnt. Die Regierung in Kairo rief Israel und die Palästinenser am Dienstagabend auf, den Plan sorgfältig zu studieren, um Verhandlungen wieder aufzunehmen, so eine Erklärung des Außenministeriums.

In Israel teilen sich die Meinungen entlang der politischen Lagergrenzen: Während Benny Gantz, Vorsitzender der zentristischen Blau-Weiß-Partei, den Plan als „historischen Meilenstein“ lobte, schrieb Tamar Zandberg von der linken Meretzpartei auf Twitter. Die unilaterale Annexion israelischer Siedlungen gefährde die Zukunft Israels und begrabe die Zwei-Staaten-Lösung. Vertreter der Siedlerbewegung wiederum warnten vor palästinensischer Souveränität. „Der gefährliche Teil des Planes, die Gründung oder Anerkennung eines palästinensischen Staates, wird nicht Wirklichkeit werden“, twitterte Ayelet Shaked von der Partei „Neue Rechte“.




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