Kaum einer verfällt in Panik
„Die aggressive Zollpolitik der USA bereitet den Unternehmen auch im Filstal ganz erhebliche Sorgen und sie sind verunsichert. Schließlich sind die Vereinigten Staaten der wichtigste Absatzmarkt für baden-württembergische Produkte. Das gilt auch für den Kreis Göppingen“, sagt Gernot Imgart, Leitender Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Göppingen. Die Rückmeldungen der Betriebe zeigten jedoch deutlich, „dass es jetzt überhaupt keinen Grund gibt, in einen hektischen Aktionismus zu verfallen“. Grundsätzlich gelte ja, dass der US-amerikanische Kunde die Zölle als Importeur allein zu tragen hat. Imgart: „Es wird sich zeigen, ob und wie die Zollpolitik mittelfristig das Geschäft beeinflussen wird. Entweder die Preise erhöhen sich oder einer der Partner wird auf Marge verzichten müssen. Beides wäre schlecht.“ Imgart plädiert dafür abzuwarten, da neue Verhandlungen möglich scheinen.
Genau diese Devise gilt auch für Alexander Schmid, Geschäftsführer des Unternehmens August Schmid in Donzdorf, das knapp 100 Mitarbeiter beschäftigt. Der Spezialist für Tanks und Tanksysteme beliefert vornehmlich Hersteller von Fahrzeugen in der Agrar- und Baumaschinenindustrie und macht einen Großteil seines Geschäfts in den USA. Schmid spricht von einer „schwierigen, unvorhersehbaren Entwicklung“, verfällt aber nicht in Panik: „Zölle von 20 Prozent kann man nicht wegdiskutieren, aber wir machen unaufgeregt und besonnen weiter und müssen auf der Hut sein.“ Er habe gerade erst Besuch von Kunden aus den USA gehabt, da herrsche aktuell noch eine positive Stimmung. Die große Frage sei, wie nachhaltig Trumps Kurs ist, meint Schmid, der verstärkt den Fokus auf den europäischen Markt richten will. „Vielleicht gibt es auch von der EU oder aus Deutschland Gegenmaßnahmen. Ob diese allerdings zum Ziel führen, bleibt abzuwarten.“
Teil der Kosten wird wohl an Kunden weitergegeben
Auch den Göppinger Pressenbauer Andritz Schuler beschäftigen die Strafzölle: „Von den US-amerikanischen Zöllen auf Stahl- und Aluminiumartikel in Höhe von 25 Prozent, die am 12. März in Kraft traten, waren unsere in Europa hergestellten Anlagen bisher nicht betroffen“, berichtet Martin Drasch, Vorsitzender der Geschäftsführung von Schuler. Die Zölle galten jedoch für Schrauben, Muttern oder Rohre, die oft als Ersatzteile für Bestandsanlagen zum Einsatz kommen. „Für diese Kleinteile müssen wir darüber hinaus den Nachweis erbringen, wo der dafür verwendete Stahl bzw. das Aluminium hergestellt wurde, was einen enormen bürokratischen Aufwand nach sich zieht.“ Für Importe aus China gelten schon seit mehreren Jahren Zusatzzölle in Höhe von 25 Prozent, weshalb Andritz Schuler dort keine Pressen für den US-Markt mehr gebaut habe. „Wenn nun aber auch für Exporte aus Europa zusätzlich 20 Prozent fällig werden, sind wir gezwungen, diese Kosten zumindest teilweise an unsere Kunden weiterzugeben“, schildert Drasch die Folgen. „Daran sieht man, dass Strafzölle immer beiden Seiten schaden. Dabei ist die USA auch auf Maschinen und Anlagen von Andritz Schuler angewiesen, um die Industrie im Land wieder aufzubauen.“
Wirtschaft blickt besorgt auf die Autozölle
Kritik an Trumps Zollpolitik kommt auch vom Arbeitgeberverband Südwestmetall. Die Wirtschaft in den Landkreisen Esslingen und Göppingen blicke besorgt auf die Einführung von Autozöllen in Höhe von 25 Prozent. Ralph Wurster, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Neckar-Fils des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, spricht von einem „schweren Schlag für den internationalen Handel“ und massiven Auswirkungen – sowohl für US-Autokäufer als auch für Hersteller und Zulieferer weltweit. „Ein Viertel aller deutschen Exporte in die USA stammt aus Baden-Württemberg, Automobile und Autoteile haben dabei den größten Anteil“, macht Wurster deutlich. Die Zölle würden daher auch die Firmen der Branche in unserer Region hart treffen.
Auf der jüngsten IHK-Bezirksversammlung sei sehr deutlich geworden, „dass wir unsere Betriebe jetzt weiter unterstützen müssen, andere Auslandsmärkte zu erschließen oder auszubauen“, betonte der Göppinger IHK-Geschäftsführer Gernot Imgart. Die hiesigen Unternehmen seien bereits sehr erfolgreich auf anderen Weltmärkten vertreten. Gleichzeitig erwarteten sie, „dass Brüssel und Berlin endlich ihre wirtschaftspolitischen Hausaufgaben erledigen, damit die Wirtschaft im Filstal wieder wettbewerbsfähiger wird“. Imgart meint weiterhin, es gehöre auch dazu, dass die Energiekosten und Abgaben sinken und Bürokratie abgebaut werde.
SPD im Kreistag fordert einen Zukunftsgipfel
Forderung
„Wir brauchen jetzt den von der SPD beantragten Zukunftsgipfel im Landkreis.“ Benjamin Christian, der Fraktionschef der SPD im Kreistag, erinnert in einer Pressemitteilung an einen Antrag seiner Fraktion bei den Haushaltsberatungen. Die Trump’sche Zollschraube müsse die letzte Warnung gewesen sein, dass sich Unternehmen aus Industrie und Handwerk, Gewerkschaften, Kreis- und Regionalpolitik sowie Abgeordnete zusammen tun, „um die spezifische alarmierende Lage bei uns mit Konsequenzen daraus zu besprechen“.
Ideen
Der Vize-Fraktionschef Peter Hofelich sieht vor allem die Kfz-Zulieferindustrien und Maschinenbauer bedroht. Die SPD könne sich vorstellen, dem „Zukunftsgipfel“ auch Fachkonferenzen voranzustellen, in denen es um Themen wie Zulieferer-Kooperation, Industrielle Diversifizierung sowie Forschung und Technologie im Landkreis gehe, sagt Peter Hofelich.