Reaktionen auf US-Wahl Die Wirtschaft hofft auf klare Verhältnisse

Auch an der Börse wurde die Wahl aufmerksam verfolgt. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst
Auch an der Börse wurde die Wahl aufmerksam verfolgt. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Die deutschen Wirtschaftsverbände fürchten nach der US-Wahl eine lange Hängepartie. An den US-Börsen wiederum bringt das Ausbleiben eines demokratischen Erdrutschsiegs Erleichterung. Ein Überblick über die Reaktionen.

Frankfurt - Nach der Präsidentschaftswahl in den USA schwindet in der deutschen Wirtschaft die Hoffnung auf einen baldigen Neustart der transatlantischen Beziehungen. „Es muss so schnell wie nur möglich auch darum gehen, unsere Beziehungen wiederzubeleben und zu stärken. Kein US-Präsident sollte übersehen, welch großes Potenzial im transatlantischen Markt steckt“, mahnte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) erklärte: „Wir hoffen sehr, dass bald Klarheit herrscht und die neue US-Regierung in diesen schwierigen Zeiten der Corona-Krise ihre Arbeit aufnehmen kann.“

Am-Cham-Präsident fürchtet Unruhen

Besorgt zeigte sich auch der Präsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (Am Cham Germany), Frank Sportolari. „Es ist genau das eingetreten, was wir nicht haben wollten. Für unsere Demokratie wäre es gut gewesen, wenn es einen eindeutigen Sieger gegeben hätte“, sagte Sportolari unserer Zeitung. „Die Wirtschaft braucht Stabilität und klare Perspektiven. Da hilft es nicht, wenn man sich fragt, ob es in den kommenden Wochen Unruhen geben könnte.“

Gelassener zeigte sich der Außenhandelsverband BGA. „Wir müssen mit jedem Präsidenten auskommen“, sagte BGA-Präsident Anton Börner. „Eine Kursänderung in Handelsfragen ist nicht zu erwarten. Jeder Präsident wird die Interessen der Vereinigten Staaten voranstellen.“

Auch LBBW-Analyst Dirk Chlench sagte unserer Zeitung, der Demokrat Joe Biden sei „nicht weniger protektionistisch“ als der amtierende US-Präsident Donald Trump. Chlench äußerte allerdings die Erwartung, dass Biden als Präsident die Nähe zu den Europäern suchen würde, um mit ihnen gemeinsam Druck auf China auszuüben.

Dax dreht nach morgendlichem Kursrutsch ins Plus

Auf eine verfrühte Siegeserklärung von US-Präsident Donald Trump reagierten die europäischen Börsen am Mittwochmorgen mit einem kräftigen Kursrutsch. Im Laufe des Tages erholten sich die Kurse aber wieder, der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg bis zum Nachmittag um rund ein Prozent.

Die Wall Street eröffnete am Nachmittag klar im Plus. Für viele US-Unternehmen sei es eine Erleichterung, dass der in Umfragen vorhergesagte Erdrutschsieg der oppositionellen Demokraten ausgeblieben sei, erläuterte die Fondsgesellschaft DWS. Auch die Commerzbank wies darauf hin, dass ein Präsident ohne starken Rückhalt in beiden Kammern des US-Kongresses für die Wirtschaft „nicht unbedingt schlecht“ sei. „Schließlich sind dann radikale und teure Maßnahmen nicht wahrscheinlich.“ Verschlechtert hätten sich allerdings die Aussichten auf die schnelle Verabschiedung eines Konjunkturpakets.

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