Reaktionen zu Landtagswahl Jubelstürme bei Böblinger Grünen: „Das ist der Wahnsinn“

Um 18 Uhr schießt der grüne Balken nach oben. Die Böblinger Grünen brechen daraufhin in Jubelstürmen aus. Foto: Dudenhöffer

Stärkste Kraft im Land? Den möglichen Sieg bei der Landtagswahl bejubeln die Böblinger Grünen. Etwas getrübt wird die Feierstimmung vom Verlust des Direktmandats von Thekla Walker.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

„Wahnsinn“, „Hammer“, „das darf doch nicht wahr sein“ – als bei der Grünen-Wahlparty im Bootshaus in Böblingen um Punkt 18 Uhr der grüne Balken im Fernseher nach oben schnellt und 32 Prozent anzeigt, kennt der Jubel keine Grenzen mehr. Gefühle von Anspannung und Unsicherheit, die vor der Bekanntgabe der ersten Prognose und der ersten Hochrechnungen noch greifbar waren, sind Begeisterung und Enthusiasmus gewichen.

 

Nicht die vor Wochen noch in Führung liegende CDU unter der Führung von Manuel Hagel, sondern die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir scheinen das Rennen für das Amt des Ministerpräsidenten zu machen. Der Wahlparty-Gastgeber und Vorsitzende des Kreisverbands in Böblingen, Manuel Zimmerer, bringt die Gefühlslage nach der ersten Prognose um kurz nach 18 Uhr so auf den Punkt: „Das ist Wahnsinn. Das hätten wir nicht gedacht. Es sah zuletzt danach aus, dass CDU und Grüne pari sind.“

Erinnerungen an Kretschmanns ersten Sieg 2011 werden wach

Die Aufholjagd, die sich nach der ersten Hochrechnung um 18.24 Uhr nochmals bestätigt, bejubelt vor Ort dann auch die Fraktionsvorsitzende der Sindelfinger Grünen, Sabine Kober. „Ich bin positiv überrascht. Mich erinnert der Abend an den ersten Wahlsieg von Winfried Kretschmann im Jahr 2011. Der war auch nicht erwartbar. Damals habe ich das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Jetzt hoffen wir mal, dass das so den Abend anhalten wird“, betont Sabine Kober. Auch Parteikollegen und Sympathisanten, sagt die Sindelfinger Grüne nach einem Blick auf ihr Smartphone, seien wegen der Aufholjagd Özdemirs „aus dem Häuschen“.

Ausgelassene Stimmung bei den Grünen. Foto: Stefanie Schlecht

Auch wenn der mögliche Wahlsieg der baden-württembergischen Grünen keine Personenwahl und damit auch keine One-Man-Show ist, hat der Faktor Mensch bei dieser Wahl vermutlich eine große Rolle gespielt. Der Meinung ist auch Manuel Zimmerer: „Ähnlich wie Kretschmann genießt Cem Özdemir das Vertrauen auch von Menschen, die vielleicht nicht immer Grün wählen. Er spricht auch diese Leute an. Seine Erfahrung und Popularität hat sicher viel zum Erfolg beigetragen.“ Dem schließt sich auch Sabine Kober an: „Im Wahlkampf haben mir viele angekündigt, dass sie die Grünen wählen wollen, und zwar wegen Cem Özdemir.“ Das „Milchbüble“ – wie viele Passanten den 37 Jahre alte CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel genannt hätten – hätten sie mit ihrer Wahl pro Grüne wohl verhindern wollen, vermutet Kober.

Walker feiert und verliert Direktmandat

Nicht im Böblinger Jubelsturm, dafür aber im Stuttgarter Feiergetümmel war Thekla Walker, Landes-Umweltministerin und Wahlkreiskandidatin aus Böblingen. Auch sie würdigt den Erfolg ihrer Partei als „historisch“: „Viermal in Folge ein solches Ergebnis einfahren, ist phänomenal. Das war angesichts des Rückstandes vor wenigen Wochen nicht denkbar. Natürlich freuen wir uns jetzt sehr.“ Genauso wie ihre Parteikollegen in Böblingen hält auch Walker die Person Cem Özdemir für mitentscheidend für den „überraschenden“ und positiven Wahlausgang: „Ja, Cem Özdemir als Person hat etwas ausgemacht. Die Menschen wollen offenbar gerade in schwierigen Zeiten einen Politiker mit Erfahrung. Er genießt bei ganz unterschiedlichen Milieus großes Vertrauen.“

Ein Wermutstropfen für Thekla Walker, die 2021 noch das Direktmandat im Wahlkreis 5 in Böblingen noch vor der CDU errang, ist das Erststimmenergebnis 2026. Nach Auszählung von 185 von 189 Gebieten steht Walker mit 26,5 Prozent klar hinter ihrer CDU-Konkurrentin Regina Dvořák-Vučetić (30,6 Prozent). Damit wird die 56-Jährige ihr Direktmandat wohl verlieren. Da die Böblingerin auf der Landesliste aber Listenplatz eins belegt, wird auch sie wieder Teil des Landtags sein. Ob Walker auch zukünftig das Amt der Umweltministerin ausfüllen wird, wird sich einer möglichen Regierungsbildung aus Grünen und CDU zeigen.

Stand 21.30 Uhr stehen die Grünen landesweit mit 30,3 knapp vor der CDU mit 29,7 Prozent. Im Wahlkreis 5 in Böblingen haben die Grünen nach Auszählung von 186 von 189 Gebieten 32,1 Prozent, die CDU hat 30,6 Prozent geholt.

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