Debatte um autofreies Stadtzentrum Die Wirtschaft mag keine autofreie Zone in Stuttgart

Von Josef Schunder 

Es geht zwar nur um den Bereich innerhalb des Cityrings, aber auch dort wollen Vertreter von Wirtschaft und Handel auf Parkplätze nicht verzichten – obwohl die Parkhäuser offen bleiben sollen. Ein Vertreter des Handels jedoch wählt eine andere Tonart.

Hier im Stadtkern von Stuttgart wollen OB Kuhn und eine Ratsmehrheit Parkplätze im Straßenraum beseitigen – aus der Wirtschaft kommt Protest. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Hier im Stadtkern von Stuttgart wollen OB Kuhn und eine Ratsmehrheit Parkplätze im Straßenraum beseitigen – aus der Wirtschaft kommt Protest. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Wie autofrei soll Stuttgart sein? Wie viel ebenerdige Parkplätze können im Stadtkern zugunsten von Fußgängern beseitigt werden, ohne dass der Einzelhandel Schaden nimmt? Diese Debatte geht weiter, nachdem OB Fritz Kuhn (Grüne) der Nachrichtenagentur dpa gesagt hat, die Innenstadt müsse deutlich vor 2030 autofrei sein. Damit meinte er zwar nur den Bereich innerhalb des Cityrings und auch keine völlige Beseitigung der Autos, die Reaktionen bleiben trotzdem nicht aus.

Am Mittwoch sagte Mark Bezner, Chef beim Hemdenhersteller Olymp in Bietigheim-Bissingen, auf Anfrage von dpa: Ein autofreier Bereich innerhalb des Cityrings würde sich negativ auf die Absatzchancen auswirken. Kunden würden abgeschreckt, wenn sie ihre Einkäufe nicht mehr mit ihrem Wagen nach Hause bringen könnten. „Die Verkehrssituation im Großraum ist für uns bereits ein Wettbewerbsnachteil“, sagte Bezner aus Sicht der Unternehmen. Auch der Handelsverband Baden-Württemberg erneuerte auf Anfrage von dpa seine Einsprüche gegen das, was eine Ratsmehrheit 2017 beschlossen hatte: Umwandlung von knapp 2000 Parkplätzen an Straßen innerhalb des Cityrings zu Flanierflächen – wobei aber Behindertenparkplätze und Zufahrtsmöglichkeiten zu Parkhäusern erhalten bleiben sollen.

Handelsverband erneuert seine Bedenken

Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes, urteilte auf Anfrage von dpa: „Sind Innenstädte schlecht erreichbar, verlieren sie ihre Attraktivität, ihre gesellschaftliche Funktion und veröden.“ Stuttgart brauche eine bessere, innovative urbane Mobilität und „keine Vision einer autofreien Innenstadt, die zentrale gesellschafts- und wirtschaftspolitische Fragen und Erfordernisse ausblendet“.

Dagegen sagte Sven Hahn, Citymanager für den Einzelhandel im Zentrum, unserer Zeitung, er begrüße das Grundkonzept der Stadt. Wo es wenig Autos gebe, halte man sich gern auf. Wenn nun etwa auch an der Eberhardstraße nicht mehr geparkt werde, sei das „okay“. Die Menschen müssten aber vom Umland, „an dem Stuttgart stärker hängt als andere Großstädte“, in die Innenstadt kommen können. Da müsse die Stadt nachlegen. Die City-Initiative Stuttgart will nach Auskunft ihres Citymanagers ihren Teil dazu beitragen, die Menschen mit Bahnen und Bussen in die Innenstadt zu holen. „Wir sind mit den Verkehrsbetrieben im Gespräch und möchten hinkriegen, dass die Kunden auch bei Einkäufen Vergütungen für ihre Fahrtkosten bekommen“, sagte Hahn, der seit Mai als Citymanager tätig ist.

Sonderthemen