Reaktionen zum Stuttgart-21-Gutachten Nur Panikmache oder Zeit zur Umkehr?

Von unserer Redaktion 

Die Kritik des Bundes an Stuttgart 21 hat auch im Land und in der Stadt den Streit um den Tiefbahnhof neu entfacht. Befürworter und Projektkritiker deuten die Aussagen des Papiers jeweils im eigenen Interesse.

Der Streit über Abbruch oder Fortführung des Bahnprojekts Stuttgart 21 ist auch im Land und in der Stadt wieder voll entbrannt. Foto: dpa 28 Bilder
Der Streit über Abbruch oder Fortführung des Bahnprojekts Stuttgart 21 ist auch im Land und in der Stadt wieder voll entbrannt. Foto: dpa

Stuttgart - Die Bedenken aus dem Bund gegen Stuttgart 21 haben unterschiedliche Reaktionen im Land und in der Stadt ausgelöst. Befürworter des Tiefbahnhofs ziehen die Authentizität des Dokuments in Zweifel und sprechen von Panikmache, Projektkritiker fühlen sich in ihrer Haltung bestätigt.

Stuttgarts Rathauschef Fritz Kuhn begrüßte „die neue Nachdenklichkeit beim Bund“, der hundertprozentiger Eigentümer der Bahn ist. Endlich nehme das Bundesverkehrsministerium „die Zahlen und Fakten in all ihrer Lückenhaftigkeit und Widersprüchlichkeit wahr“. Dafür musste er sich prompt von der CDU-Fraktion im Rathaus rüffeln lassen. „Wir wüssten gern, woher der OB das Dossier bekommen hat. Falls er seine Informationen nur aus der Zeitung hat, finde ich es grenzwertig, das zu kommentieren, ohne zu wissen, ob es ein solches Dossier überhaupt gibt“, so der CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Er kenne das Papier nicht.

Die Rathaus-CDU forderte in einem Antrag, der OB solle das von ihm kommentierte Dossier dem Gemeinderat zugänglich machen. Roswitha Blind, die Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, betonte, trotz aller berechtigten Bestürzung über die Kostensteigerungen bei S 21 sei das Projekt sinnvoll für die Stadt. Alternativen wie etwa K 21 seien nicht fertig geplant, S 21 dagegen planfestgestellt.

CDU kritisiert Stellungnahme von OB Kuhn

Die Grünen im Land und im Rathaus fühlen sich dagegen durch das Papier bestätigt. „Jetzt stellt sich raus, dass die Projektpartner nicht die Einzigen sind, die vom Bahn-Vorstand schlecht informiert werden“, erklärten die Landesvorsitzenden Chris Kuhn und Thekla Walker. Ratsfraktionschef Peter Pätzold kritisierte die Resolution der Fraktionen von CDU, SPD, Freien Wählern und FDP vom Montag; darin hatten sich diese sich für eine Fortführung des Projekts ausgesprochen. Die Befürworterparteien wollten S 21 offenbar um jeden Preis: „Dass der Kostenrahmen gesprengt, der Zeitrahmen deutlich überschritten ist und die Finanzierung nicht mehr steht, wird von diesen letzten Aufrechten einfach ausgeblendet.“

Thomas Bopp (CDU), der Präsident des Regionalverbandes und in dieser Funktion Projektpartner bei Stuttgart 21, bezeichnete die neuesten Veröffentlichungen als Spekulationen: Es sei völlig klar, dass der Aufsichtsrat angesichts der Mehrkosten kritisch nachfragt – daraus aber abzuleiten, dass sich der Bund und der Aufsichtsrat aus Stuttgart 21 verabschieden wollten, sei abwegig.

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