Nach einer langen und zähen Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeit soll die Hermann-Hesse-Bahn von Ende Januar 2026 an ihren Betrieb aufnehmen. Seit längerer Zeit geht dann in Baden-Württemberg eine stillgelegte Bahnstrecke wieder in Betrieb und schließt Calw auf kurzem Weg via Weil der Stadt und Renningen ans Schienennetz der Region Stuttgart an.
Auf der Strecke, die nur zwischen Renningen und Weil der Stadt nicht aber auf ihrem weiteren Verlauf in den Nordschwarzwald elektrifiziert ist, kommen Züge zum Einsatz, die auf den Abschnitten ohne Oberleitung ihre Energie aus Akkus beziehen. Drei dieser Züge hat das Land über seine Tochtergesellschaft „Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg“ bei Siemens bestellt, wie Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) 2021 bekannt gab. Damals ging man davon aus, dass der Betrieb 2023 starten würde.
Der Zeitplan ließ sich nicht halten. Gleich geblieben ist hingegen das Ziel, mit den Batteriezügen eine zeitgemäße Mobilität ohne lokale Emissionen zu bieten, wie sie etwa beim Einsatz eines Dieselfahrzeugs angefallen wären. Betrieben werden die Züge von der Südwestdeutschen Landesverkehrs-Gesellschaft (SWEG). Das Unternehmen, das zu 95 Prozent dem Land gehört, setzt denselben Zugtyp auch in der Ortenau ein. Gewartet wird er in einer eigens errichteten Werkstatt in Offenburg.
Batteriezüge müssen quer durchs Land zur Werkstatt
Deren Lage wirft mit Blick auf den Betrieb der Züge auf der Hermann-Hesse-Bahn zwischen Renningen und Calw allerdings Fragen auf. Am westlichen Ende der reaktivierten Strecke in Calw besteht keine nutzbare Gleisverbindung mehr zur Nagoldtalbahn wie in alten Tagen, was die Überführungsfahrten der Hessebahn-Züge nach Offenburg in die Werkstatt nur über Umwege möglich macht. Denkbar wäre zum einen die Route von Renningen nach Böblingen und von dort nach einem Fahrtrichtungswechsel via Eutingen im Gäu und Freudenstadt nach Offenburg. Zwischen Freudenstadt und Hausach klafft allerdings auch bei dieser Variante eine Lücke in der Stromversorgung. Zum anderen könnten die Züge von Renningen auch via Stuttgart, Pforzheim und Karlsruhe gen Offenburg pendeln.
Landesbahn dementiert Gerücht
Längst machte unter Verkehrspolitikern im Land aber auch unter Eisenbahnenthusiasten das Gerücht die Runde, für derartige Landpartien seien die Akkus nicht ausgelegt, weswegen über die absurd klingende Idee diskutiert wurde, für die Fahrten zur Wartung im Badischen die Batteriezüge kurzerhand an eine Diesellok zu hängen. Dem tritt die SWEG entgegen. „Die Triebfahrzeuge fahren mit eigener Kraft“, erklärt SWEG-Sprecher Christoph Meichsner auf Anfrage. Es würden „keine Vorspannfahrzeuge benötigt“.
Weniger der Flickenteppich an elektrifizierten Strecken auf dem kürzesten Weg zwischen der Region Stuttgart und der Ortenau macht der SWEG bei der Planung der Fahrten zur Wartung zu schaffen als vielmehr das rege Baustellengeschehen am Schienennetz rund um Stuttgart. Die eine Verbindung zwischen dem Einsatzort und dem Sitz der Werkstatt wird es deswegen nicht geben. „Es handelt sich um unterschiedliche Routen, da die nächsten Jahre mit sehr vielen Baustellen im Stuttgarter Raum zu rechnen ist“, sagt Meichsner. Pro Woche soll sich ein Fahrzeug von der Hermann-Hesse-Bahn aus in Richtung Offenburg aufmachen. Wie viele Kilometer es dabei fern seines eigentlichen Einsatzgebietes abspult sei abhängig von der gewählten Route.